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  • Bewertung

    Bezaubernde Coming-of-Age-Komödie

    Exklusiv für Uncut vom Sundance Film Festival
    Nachdem die Künstlerin Kate Tsang hauptsächlich für anerkannte Animationsserien wie „Steven Universe“ und „Adventure Time: Distant Lands“ geschrieben hat, durfte sie im Zuge des Sundance Film Festivals nun ihr Langspielfilmdebut präsentieren. Auch hier wird einem schnell ersichtlich, dass wie sehr der Regisseurin Animation und Kunst am Herzen liegen, denn neben direkt in die Realwelt eingebauten Animationen, zeigt der Film auch mehrere Zeichentricksequenzen. Für die Finanzierung ihres Films gewann die chinesisch-amerikanische Filmemacherin 2019 das Untold-Stories-Stipendium, das jedes Jahr von AT&T und dem Tribeca Film Festival vergeben wird.

    Sammy ist wütend auf alles und jeden. Seit dem plötzlichen Tod ihrer Mutter hat die Teenagerin ihre angestaute Wut kaum mehr unter Kontrolle und lässt diese vorwiegend an ihrer Umgebung und ihren Mitmenschen aus. Als sie eines Tages die Toilettenanlage ihrer High School mutwillig zerstört, platzt ihrem Vater der Kragen. Er stellt das launische Mädchen vor ein Ultimatum: Sollte sie es nicht schaffen einen ganzen Kurs am lokalen Community College zu absolvieren, wird sie in eine Art Bootcamp für straffällige Jugendliche gesteckt. Von der Drohung des Vaters bewegt, meldet sich Sammy für einen Wirtschaftskurs an, doch schon in der ersten Einheit schleicht sie sich genervt davon. Bei ihrem Fluchtversuch begegnet sie der mysteriösen Margot, die sich als Zauberkünstlerin herausstellt. Trotz Sammys anfänglicher Skepsis der Zauberei gegenüber, beginnt ihr Margot die Geheimnisse der Magie zu lehren und die beiden verbindet so schnell eine Freundschaft, die Sammy neue Lebensfreude zu geben scheint.

    Hauptdarstellerin Miya Cech ist trotz ihrer gerade mal dreizehn Jahre keine Unbekannte im Filmgeschäft. Mit Rollen in „American Horror Story“ und „The Darkest Minds“ hat sich die Jungschauspielerin schon längst einen Namen gemacht. Durch ihre Rolle als rebellische Sammy zeigt sie eine neue, ungeahnte Seite von ihr, die ihr Talent und ihre Vielseitigkeit bestens aufzeigt. Auch Rhea Perlman (Cheers, Mathilda) verzaubert als schrullige Margot das Publikum mit ihrer liebenswerten Art und sorgt für die wohl authentischsten und sympathischsten Momente im Film.

    Ob seiner herzlichen Natur, kann der Film auf jeden Fall als absoluter Crowdpleaser gesehen werden, der sowohl der Zielgruppe junge Erwachsener als auch einem älteren Publikum gerecht wird. Die Kombination der tadellos gefilmten Realaufnahmen mit verschiedenen Animationsstilen, die teilweise direkt in das Gefühlsleben der Protagonistin mit eingebunden sind und dieses widerspiegeln, mag für viele vielleicht gewöhnungsbedürftig sein, unterstreicht jedoch vor allem den biographischen Hintergrund der Regisseurin auf innovative Art und Weise.

    Was „Marvelous and the Black Hole“ besonders gut gelingt, ist es die komplexe Gefühlswelt von Sammy in den Mittelpunkt zu stellen, die neben den alltäglichen Teenagerängsten mit einem traumatischen Verlust zu kämpfen hat. Es sind Gefühle, an die jeder mehr oder weniger anknüpfen kann, die man umgehend nachvollziehen kann, die die Protagonistin trotz ihres häufigen Fehlverhaltens zur Sympathieträgerin machen.

    Während der Film mit zahlreichen Gimmicks und einer gehörigen Portion Exzentrik auffährt, fühlt sich die narrative Struktur hingegen nur allzu vertraut und beinahe vorhersehbar an. So erfindet „Marvelous and the Black Hole“ zwar das Genre nicht neu, besticht letztlich aber vor allem durch Charme und Liebenswürdigkeit, die den Film zu einem besonderen Vergnügen machen.
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    (Julia Pogatetz)
    09.02.2021
    19:47 Uhr