Filmkritik zu Together Together

Bilder: Bleeker Street Fotos: Bleeker Street
  • Bewertung

    Eine ungewöhnliche Freundschaft

    Exklusiv für Uncut vom Sundance Film Festival
    Unter all den verschiedenen Filmgenres, die uns die Filmbranche anbietet, zählt die Rom-Com gewiss zu den vorhersehbarsten und gewissermaßen abgedroschensten. Genau aus diesem Grund stellt der neue Film „Together, Togehter“ von Nicole Beckwith ein erfrischendes Novum dar, bricht dieser doch spielerisch mit gängigen Genrekonventionen, ohne einer klassischen Struktur komplett den Rücken zuzukehren. Hauptrollen in der liebenswürdigen Komödie übernehmen Ed Helms (Hangover, The Office) und Patti Harrison, die sich vor allem als Komikerin einen Namen gemacht hat.

    Der alleinstehende Matt hat genug vom Singleleben und beschließt nicht mehr länger darauf warten zu wollen, endlich eine Familie zu gründen. Obwohl er von Familie und Freunden dafür belächelt wird, beschließt er, sich eine Leihmutter zu suchen, die er schnell in der Mittzwanzigerin Anna findet. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen klappt es endlich mit der Schwangerschaft und der überglückliche Matt beginnt beharrlich sich auf das bevorstehende Glück vorzubereiten. Obwohl der neurotische App-Entwickler zu Überfürsorglichkeit neigt und damit in so mancher Situation Annas Nerven bis aufs Äußerste strapaziert, verbindet das ungleiche Paar schon bald eine innige Freundschaft. Doch die fehlende Distanz zum Vater des Kindes, das sie direkt nach der Geburt nicht mehr in ihren Leben haben möchte, stellt die Beziehung der beiden auf die Probe.

    Patti Harrison hatte nicht nur zuvor noch nie eine Hauptrolle in einer großen Produktion, sondern ist gewiss auch eine der ersten Trans-Frauen, die die Rolle einer weiblichen Cis-Protagonistin in einer romantischen Komödie übernimmt. Mit ihrer Energie und ihrer liebenswerten Schrulligkeit nimmt sie die Zuseher*innen sofort von sich ein und man weiß, dass man in Zukunft noch viel von der talentierten 30-Jährigen hören wird. Auch Ed Helms fühlt sich in seiner Rolle sichtlich wohl, doch die Figur des Matt ist eine für den Schauspieler auch keine wirklich unbekannte und fügt sich in den Kanon seiner vergangenen Rollen sehr gut ein.

    Thematisch erkundet „Together, Together“ eine Vielzahl aktueller gesellschaftlicher Fragestellungen, allen voran klassische Geschlechterrollen und (unerfüllte) Kinderwünsche. Dass es für Matt als Mann in der Tat ungewöhnlich ist, allein ein Kind großziehen zu wollen, verdeutlicht eine Szene im Film, in welcher er gemeinsam mit Anna versucht eine Krippe zu kaufen. Nachdem Matt der Verkäuferin mitteilt, dass die beiden kein Paar seien, reagiert diese zunächst bestürzt. Als er erwidert, Anna sei seine Leihmutter, scheint sie dies als eine Art heroischen Akt zu sehen. Die Sequenz skizziert adäquat wie unterschiedlich auch heute noch Mutter- und Vaterschaft bewertet werden, während man als Mutter pflichtbewusst und aufopfernd sein muss, werden Väter schon gelobt, wenn sie sich nur in geringen Maßen an der Kindererziehung beteiligen.

    Obwohl sich die überwiegende Mehrheit der Rom-Coms ausschließlich mit romantischer Liebe befasst, verwirft „Together, Together“ diese Trope völlig und erkundet stattdessen die Höhen und Tiefen einer rein platonischen Liebe, die die beiden Protagonisten im Laufe des Films zueinander entwickeln. Der Film steht somit im krassen Gegensatz zu ähnlichen Filmen, denen inmitten der Handlung eine oftmals unglaubwürdige, künstliche Liebesgeschichte aufgezwungen wird und stellt daher eine überraschend abwechslungsreiche Alternative dar.

    Ein Film mit viel Herz und Humor, der gesellschaftliche Konflikte nicht nur oberflächlich anspricht, sondern überraschend viel Tiefe und Empathie zeigt!
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    (Julia Pogatetz)
    05.02.2021
    12:13 Uhr