Filmkritik zu Inquisición

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  • Bewertung

    Paul Naschys Regiedebüt weiß selbst nach über 40 Jahren mit seiner Optik und Handlung zu überzeugen.

    Eldritch Advice
    Der 2009 verstorbene Paul Naschy, wirkte zu Lebzeiten an über 100 Produktionen mit. An gut 20 davon, führte er, unter seinem bürgerlichen Namen Jacinto Molina, Regie. Am bekanntesten ist Naschy für die 12-teilige „Hombre Lobo“-Reihe, in der er Graf Waldemar Daninsky verkörperte, den Sprössling eines mit einem Werwolffluch belegten galizianischen Adelsgeschlechts. Seine Liebe für das Übernatürliche und Geschichte, zieht sich wie ein roter Faden durch seine Karriere. So ist es nicht verwunderlich, dass sein Regiedebüt „Inquisición“ im Frankreich des 16. Jahrhunderts angesiedelt ist, und die Hexenverfolgung durch die Inquisition zum Thema hat.

    Frankreich im 16. Jahrhundert. In einem verschlafenen Dorf, dass in der Nähe von Toulouse gelegen ist, nimmt der Alltag seinen Lauf. Zwar weiß man um das erneute Aufflammen der Pest, noch aber blieb man von dieser Seuche verschont. Diese Idylle nimmt ein jähes Ende als Magistrat Bernard de Fossey präventiv auf Hexenjagd geht. Der entstellte Hausknecht Rénover nutzt diese Gelegenheit um Frauen, die seinen liederlichen Annäherungsversuchen in der Vergangenheit entsagten, der Hexerei zu bezichtigen. Etliche Bürgerinnen fallen daraufhin der Folter oder dem Scheiterhaufen zum Opfer. Eine Situation, die der schönen Catherine merklich zu schaffen macht. Als de Fossey ein Auge auf sie wirft und ihr Liebhaber Jean kurz darauf unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt, beschließt Catherine, dass der Teufel das geringere Übel ist, und plant in seinem Namen Rache an de Fossey und seinen Schergen zu nehmen.

    Ich muss sagen … ein zeitloser und unterschätzter Klassiker des spanischen Kinos.

    Um für „Inquisición“ ein glaubwürdiges historisches sowie okkultes Setting zu kreieren, recherchierte Naschy diese Themen mit großem Eifer. Das Resultat ist ein Film, der beide Aspekte mit Respekt und Würde behandelt, und dabei nicht vergisst, dass es sich hierbei um ein Unterhaltungsmedium handelt. So bildet Naschys fundierte Kenntnis von Inquisition und Hexerei lediglich den Rahmen für den von ihm geschickt geknüpften Handlungsfaden und visuellen Leckerbissen. Die hervorragenden blutigen und stimmigen Spezialeffekte und Kostüme sind zwar durchaus ein Kind ihrer Zeit, können aber selbst heute noch überzeugen, wie der eindrucksvolle HD-Transfer von „Mondo Macabro“ auf Blu-Ray zeigt. Selbiges kann man auch von Máximo Barratas Soundtrack behaupten, dem es gelang der Renaissance Szenerie einen Hauch von 70er Jahre Magie zu verleihen.

    Auch heutzutage kommt es immer mal wieder vor, dass ein Regisseur es sich nicht nehmen lässt und selbst in eine tragende Rolle schlüpft. In „Inquisición“ ist Naschy gleich als drei Figuren zu sehen: als Gevatter Tod, Satan und Bernard de Fossey. Insbesondere die tragische Figur des de Fossey ist ein Beweis dafür welch schauspielerisches Talent in ihm steckte. Diese Darstellung ist es auch, die dem Film mehr Tiefe verleiht als man ihm zunächst zutrauen würde. Die bildhübsche Sizilianerin Daniela Giordano zeigt sich als Catherine in ihrer Wandlung von ländlicher Unschuld zur nach Rache sinnenden Hexe ähnlich facettenreich. Auffallend ist ebenfalls die Leistung des 2003 verstorbenen Charakterdarstellers Antonio Iranzo, der die menschlichen Defizite des hinterlistigen Rénover mit Bravour auf Film verewigte.

    Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

    „Inquisición“ ist nach wie vor einer der weniger bekannten Beiträge seines Genres. Dies liegt wohl daran, dass dieses mit „Der Hexenjäger“ (1968) und „Die Teufel“ (1971) bereits Anfang der 70er- Jahre seinen Höhepunkt erreichte. Naschys Erstlingswerk als Regisseur muss sich zwar in Sachen Qualität vor diesen Filmen nicht verstecken, wurde allerdings zu spät veröffentlicht um sein Publikum zu finden. Für den deutschsprachigen Raum etwa, fand ich weder einen Titel, geschweige denn eine Kino-, VHS- oder DVD-Auswertung. Wer des spanischen nicht mächtig ist, muss aktuell zur regionsfreien US- Blu-Ray von „Mondo Macabro“ greifen, um in den Genuss dieses Films zu kommen.

    „Inquisición“ ist eine äußerst interessante Mischung aus Historiendrama, Mystery-Thriller und Exploitation. Interessant deshalb, weil er als Beitrag in all den soeben erwähnten Gattungen funktioniert. Mit einer Länge von etwa 90 Minuten ist er nicht nur kurzweilig, sondern vermag es zudem die Handlungsbögen aller relevanten Charaktere abzuschließen. Naschy spielt dabei etwas mit der Erwartungshaltung seines Publikums, zelebriert aber dennoch die wesentlichen Bestandteile eines Hexenjäger-Films. Ich empfehle dieses Werk vorbehaltlos allen Freundes des phantastischen Films und erachte „Inquisición“ eines freitäglichen Filmabends würdig.
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    (Thorsten Schimpl)
    30.10.2020
    11:56 Uhr
    https://www.youtube.com/VarangianVigilante

    Austrian YouTuber that loves to talk about his favorite movies, comics and pop-cultural stuff.