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    2+2=4

    Exklusiv für Uncut
    Bereits 2019 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes vertreten (wo Chiara Mastroianni den „Prix d’interprétation“, den Preis für die beste schauspielerische Leistung in der Sektion „Un Certain Regard“ verliehen bekam), jetzt endlich auch in den österreichischen Kinos: „Zimmer 212 – In einer magischen Nacht“ von Drehbuchautor und Regisseur Christophe Honoré. Dieser vereint darin allerhand bekannte Gesichter des kontemporären französischen Kinos, um das Publikum in eine – wie der deutsche Untertitel bereits ankündigt – Nacht voller magischer Ereignisse zu entführen.

    Die Jus-Professorin Maria Mortemart (Chiara Mastroianni) hat ein Geheimnis: während ihrer seit über 20 Jahren anhaltenden Ehe mit Richard (Benjamin Biolay) hatte sie immer wieder Verhältnisse mit jungen Männern. Ihre aktuelle Affäre, mit einem ihrer Studenten, ist nun jedoch ans Licht gekommen. Nach einem kurzen Disput mit ihrem Ehemann entschließt sich Maria, eine Nacht im Hotel gegenüber der gemeinsamen Wohnung zu verbringen. Doch diese Nacht soll werden, wie keine andere zuvor, denn das Hotelzimmer wird zum Erinnerungsort vergangener Zeiten: Maria bekommt nämlich schon bald Besuch von Gesichtern der Vergangenheit, unter anderem von der jüngeren Version ihres Mannes (Vincent Lacoste) und dessen Jugendliebe und ehemaligen Klavierlehrerin Irène (Camille Cottin).

    Was wie ein typisches Beziehungsdrama beginnt, endet fast wie ein Weihnachtsmärchen: fantastische Elemente, inmitten eines verschneiten Paris, das melancholische Resümieren über längst vergangene Tage. Zwei Menschen, die sich lieben, aber dem typischen Beziehungsproblemen und Alltagstrott nicht entkommen können. Gesichter der Vergangenheit, die der Protagonistin die Probleme zusätzlich verdeutlichen. „Zimmer 212 – In einer magischen Nacht“ erinnert fast schon an Charles Dickens „Weihnachtsgeschichte“, verpackt in eine romantische Tragikomödie.

    Zu Beginn spielt der Regisseur sogleich mit dem Medium Film – etwas, was auch am Ende nochmals aufgegriffen wird – und führt uns danach schnell, auf äußerst amüsante Weise, die Ausgangssituation vor Augen: Maria betrügt ihren Mann mit ihrem Studenten. Die eigentlich ernste Thematik wird hier mit einem flotten Dialog und einer Prise Humor verknüpft, was überraschenderweise gut funktioniert. Auch der außergewöhnliche Zugang zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist interessant – imaginäre Personen, die der Figur bei ihrer persönlichen Konfliktauseinandersetzung ins Gewissen reden und so manche Erinnerung wiederaufleben lassen. Obwohl man sich zwischendurch schon fragt, ob man es hier mit fantastischen Inhalten zu tun hat oder mit einer übernatürlichen Realität. Werden wir Zeuge von Geistern, Zeitreisenden oder gedanklichen Manifestationen, man weiß es - zumindest den Großteil der Handlung über - nicht. Das führt letztendlich dann auch dazu, dass vieles an dem gesponnenen Gedankenkonstrukt unlogisch erscheint und mit der Zeit auch schnell an Reiz verliert.

    Das Ende fällt dann leider auch sehr flach aus, aber zum Glück bekommt man kurz vor Schluss noch einen wundervollen melancholischen, mit Barry Manilows „Could It Be Magic“ untermalten Moment der Reflexion geboten.

    Aber trotzdem: Obwohl Honoré mit interessanten Ideen und einem erfrischenden Grundkonzept aufwartet, stellt sich die Umsetzung dann doch als verbesserungswürdig heraus bzw. wird das Potential zumindest nicht vollends ausgeschöpft. Sehenswert ist die wehmütige, französische Tragikomödie aber auf jeden Fall, allein schon wegen der großartigen Besetzung. Die Darsteller*innen harmonieren allesamt sehr gut - Biolay und Mastroianni waren in der Vergangenheit sogar miteinander verheiratet – und sorgen sowohl für unterhaltsame als auch rührselige Momente. Da verzeiht man auch, dass die jüngeren Versionen der Figuren den gealterten vielleicht gar nicht so ähnlich sehen, wie sie es sollten.
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    (Marion Schlosser)
    20.10.2021
    15:40 Uhr