Filmkritik zu The Returned

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  • Bewertung

    The Returned

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Der argentinische Film „The Returned“ (im Original: Los que vuelven) von Laura Casabé verspricht eine ausgewogene Mischung aus Horror- und Gesellschaftsdrama, das mit außergewöhnlich schönen Landschaftsbildern, die düstere Stimmung des Films adäquat einfängt.

    Wir schreiben das Jahr 1919. Julia ist mit dem wohlhabenden Gutsbesitzer Mariano verheiratet und sie leben gemeinsam in den nördlichen Wäldern auf einer Maté-Plantage. Die dort ansässigen indigenen Guarani werden von den Großgrundbesitzern ausgebeutet und zur Arbeit gezwungen. Nachdem Julia zum dritten Mal ein Kind tot zur Welt bringt, bittet sie ihre Haushaltshilfe Kerana, selbst Teil der Guarani, ihr beizustehen. Nachdem Julia am Wasserfall die Guarani-Gottheit Iguazú anfleht, ihr ihr Kind zurückzubringen, kehrt in dessen leblosen Körper wieder Wärme zurück und es beginnt zu schreien. Doch das Geschenk scheint mit einem schrecklichen Preis einherzugehen und schon bald nach dem Vorfall häufen sich rätselhafte Ereignisse.

    Der Film thematisiert die Auswirkungen des Kolonialismus in Südamerika, in Zuge dessen ganze Völker und Kulturen auf brutalste Art und Weise vertrieben, versklavt und gänzlich ausgelöscht wurden. Immer noch wirken diese grausamen Verbrechen nach und die soziale Ungleichheit zwischen den Nachkommen der Despoten, die in Reichtum leben, und den Unterdrückten, ist auch in Laura Casabés Film deutlich spürbar.

    Ein weiteres zentrales Thema im Film ist der Dualismus zwischen dem christlichen Glauben der Plantagenbesitzer und der ausgeprägten Mythologie der Guarani, die sich eines bemerkenswert komplexen vielschichtigen Glaubenssystems bedienen. Dass zahlreiche Motive und göttliche Figuren des Guarani-Glaubens im Laufe des Werks referiert werden, mag so manche Zuseherin verwirren, doch auch ohne wirkliche Kenntnisse über diese einzigartige Kultur ist es selbstverständlich möglich, den Film zu genießen.

    Auch im audiovisuellen Bereich kommt die gemeine Cineastin voll auf ihre Kosten, die unheimliche, seltsam bedrohliche Atmosphäre der tiefen Urwälder wird meisterhaft in Szene gesetzt und mit einem Soundtrack, der eine gelungene Mischung aus Natursounds und schauriger Horrorklänge darstellt, gekonnt untermalt.

    Verstörendes, bewegendes Folkloredrama, das in drei Kapiteln eine Geschichte von Leid, Tod und Spiritualität erzählt.
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    (Julia Pogatetz)
    21.09.2020
    16:44 Uhr