Filmkritik zu The Old Man Movie

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  • Bewertung

    Lactocalypse Now

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Die beiden estnischen Filmemacher Oskar Lehemaa und Mikk Mägi kreierten vor ein paar Jahren für ihren YouTube-Kanal eine Reihe an Stop-Motion-Kurzfilmen mit dem übergreifenden Titel „Vanamehe Multikas“ („Vanamehe“ ist estnisch für „alter Mann“). Seit den ersten Videos im Jahre 2011 entwickelte sich ein Kult um die abgedrehte Webserie, der auch außerhalb ihres Heimatlandes Fans für sich gewinnen konnte. Nun wurde den beiden talentierten Animatoren die Gelegenheit zuteil, ihre populäre YouTube-Show in einen abendfüllenden Kinospielfilm zu adaptieren.

    Das verrückte Stop-Motion-Abenteuer dreht sich um drei junge Geschwister, die dazu verdonnert werden, den Sommer am ländlichen Bauernhof ihres exzentrischen Großvaters zu verbringen. Den drei Kindern wird die ohnehin schon nervige Situation noch mehr erschwert, als der Opa ihnen ihre geliebten Handys wegnimmt und sie zur Stallarbeit zwingt. Der sommerliche Aufenthalt in der ländlichen Provinz nimmt eine unerwartete Wende, als plötzlich die einzige Milchkuh des Großvaters abhanden kommt. Wenn diese nämlich nicht binnen der nächsten Stunden wieder gefunden und gemolken wird, kommt es zu einer folgenschweren Explosion des Euters. Zudem hat es auch ein ehemaliger Bauer mit sinistren Absichten auf die ausgebüxte Kuh abgesehen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, der bestimmt nicht laktosefrei bleiben dürfte.

    Der Look des Films ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Die regungslosen Münder der Stop-Motion-Figuren, deren Lippen sich zu keinem Zeitpunkt bewegen, können zunächst irritierend daherkommen. Verliert man sich aber erst mal in den Detailreichtum der eigensinnigen aber sichtlich aufwändigen Animation des Films, besticht der abgedrehte Streifen mit einer einzigartigen Optik gespickt mit wundervoll schrägen Einfällen. Der Film fängt bereits mit einer kreativ eingefädelten Rückblende über einen Milchbauern an, der sich in seiner Unachtsamkeit einst für die Explosion eines Kuheuters und die daraus resultierende „Laktokalypse“ verantwortlich zeichnete. Die Art des kruden Humors, die sich durch diese animierte Obskurität zieht, geht jedoch nur bedingt auf. Hier und da tun sich zwar amüsante Gags auf, nicht selten verlieren sich diese aber in Repetitionen. Wenn denn nun beispielsweise durch das ständige Hineinfahren in die Öffnung eines Baumgottes mithilfe eines Traktors ein sexueller Akt nachgeahmt wird, dann trägt sich dieser Witz relativ rasch ab. Generell gleicht der Film stellenweise vielmehr einer Aneinanderreihung unterhaltsamer Vignetten als einem kohärenten Narrativ. Es blitzen Momente eines Storykonstrukts auf, aber der Film verliert sich zu oft in Momenten, die dem Tempo Einhalt gebieten. In einer Szene widmet sich der Film zum Beispiel einer Menge naturverbundener Hippies, die auf fast schon zu harsche und unangenehm brutale Art und Weise ihr Fett wegbekommen.

    Unterm Strich bleibt mit „The Old Man Movie“ eine krude Stop-Motion-Komödie für Erwachsene übrig, die man für ihre eigensinnige handgemachte Optik, den vielen abgedrehten Ideen und der Hingabe zum puren Wahnsinn durchaus bewundern kann. In diesem Fall ergibt die Summe an unterhaltsamen aber nicht selten überladenen Versatzstücken jedoch leider kein rundum zufriedenstellendes Ganzes.

    Denn wie sagt man so schön:
    Weniger ist oft mehr!