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    Tod und Teufel

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Regisseur Bryan Bertino wurde vor allem durch seinen Home-Invasion-Horrorthriller „The Strangers“ schlagartig zum großen Namen im Horrorgenre. Mit „The Dark and the Wicked“ widmet er sich erneut einer Gefahr in eigenem Heim, mit dem Unterschied, dass diese hierbei eines übernatürlichen Ursprungs zu sein scheint. Der Film sollte eigentlich am Tribeca Film Festival Weltpremiere feiern, wurde aufgrund der COVID-19-Situation allerdings verschoben und schließlich vor knapp einem Monat in der Onlineversion des Fantasia Filmfestival erstmals einem Publikum vorgeführt.

    Der Vater der Geschwister Louise und Michael liegt im Sterben und so beschließen die beiden die elterliche Farm aufzusuchen und ihrer Mutter bei der Pflege des Vaters und den alltäglichen Stallarbeiten unter die Arme zu greifen. Dort angekommen fällt ihnen der merkwürdige Geisteszustand, in dem sich die Mutter befindet, augenblicklich auf. Ablehnend beinahe feindselig, warnt sie die Kinder die Farm umgehend zu verlassen. Als sie ihre Mutter am nächsten Tag erhängt mit abgehackten Fingern im Ziegenstall auffinden, wird den Geschwistern mit Hilfe ihres Tagebuchs klar, wie sehr die Mutter überzeugt war, der Teufel wolle ihren Mann zu sich holen und der festen Meinung war, dass etwas Böses sie verfolgen würde. Nachdem Louise und Michael diese Vorstellungen zunächst als Wahnsinn einordnen, ereignen sich im Haus immer grauenvollere Geschehnisse und die Geschwister erkennen, dass die Farm tatsächlich von einer dunklen Macht beherrscht wird.

    Die Stärke des Werks liegt vor allem in dem sukzessiven Spannungsaufbau und einer beispiellos beunruhigenden Atmosphäre, die die gesamte Laufzeit des Films über andauert. Ebenso vermag es der Film die ideale Mixtur aus Gore und Jumpscares darzustellen, die vor allem einem Publikum, die geradlinigen atmosphärischen Horror favorisieren, eine Freude bereiten dürfte. Dialoge und Figuren sind in Bertinos Albtraum eher sekundäre Objekte, viel mehr rückt er das akribisch konstruierte Ambiente in den Fokus und lässt dieses für sich alleinstehen.

    Darstellerisch sticht vor allem Protagonistin Marin Ireland (bekannt aus „Sneaky Pete“ und „Umbrella Academy“) hervor, die den unausweichlichen Horror, der ihrer Figur widerfährt, mit einer erstaunlichen Hingabe vermittelt.

    Obwohl es dem Film ein wenig an Substanz mangelt, bezweckt das Werk genau das, was es sich zum Ziel gesetzt hat: Seinem Publikum mit furchterregenden und beklemmenden Bildern die bestmögliche Unterhaltung zu bieten.
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    (Julia Pogatetz)
    25.09.2020
    15:50 Uhr