Filmkritik zu Slaxx

Bilder: EMA Films Fotos: EMA Films
  • Bewertung

    Die Hosen sind los!

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Im Laufe der Geschichte des Horrorfilms wurden schon so manche im Normalzustand leblose Objekte (unter anderem Tomaten, Puppen, Donuts, Autoreifen, Fahrstühle uvm. ) zu blutrünstigen Killermaschinen umfunktioniert. In Elza Kepharts Horror-Satire „Slaxx“ sind es nun Designer-Jeans, die ihren Trägern nach dem Leben trachten. Der Film wurde im Rahmen des Fantasia International Film Festival in digitaler Form uraufgeführt und ist über das auf Horror spezialisierte Streamingportal Shudder verfügbar.

    Libby beginnt bei der Canadian Cotton Company (kurz CCC) zu arbeiten, einem Unternehmen, dass von der jungen Frau mit beinahe religiösem Eifer verehrt wird. Just an ihrem ersten Arbeitstag wird das neueste Unternehmensprodukt, die Alleskönner-Jeans „SuperShapers“, im Store vorgestellt und das Social-Media-Sternchen Peyton Jules hat sich angekündigt, um vor Ort exklusiv für die Hosen Werbung zu machen. Als im Laufe des Abends immer mehr Mitarbeiter verschwinden, entdeckt Libby die verstümmelte Leiche ihrer Kollegin. Der ehrgeizige Manager Craig beschließt aber den Ernst der Lage zu ignorieren und so stillen die Hose ihren Blutdurst ungestört weiter. Nur Libby und ihre Kollegin Shruti versuchen den „SuperShapers“ doch noch Einhalt zu gebieten.

    Die Low-Budget-Produktion spielt sich fast zur Gänze nur im Areal der CCC-Geschäftsstelle ab und stellt in ihrem Kern vor allem unser Konsumverhalten sowie die kapitalistische Gesellschaft als Ganzes an den Pranger. Das Prinzip Fast-Fashion wird mittels des fiktiven CCC-Unternehmens, das vor allem Bilder von Marken wie Hollister bzw. Abercrombie & Fitch evoziert, satirisch in die Mangel genommen und dabei für seine heuchlerischen „Pseudo-Ideale“ gerügt. Besinnt man sich hier nochmal des Prinzips des Films, den mordenden Hosen, mag dieser ernste Hintergrund den Horrorstreifen etwas plump wirken lassen, er wird jedoch ausreichend ins Handlungsgeschehen miteingebunden, um nicht völlig deplatziert anzumuten.

    Trotz des geringen Budgets ist es der Filmcrew wahrlich gelungen, den Hosen mittels digitaler Effekte Leben einzuhauchen (die Hosen haben durch eine Art Münder und Augen ihre eigene Mimik) und eine eigenständige Persönlichkeit zu geben. „Slaxx“ beginnt als gewöhnlicher Slasher und liefert den Genrefans verschiedenste kreative Over-the-Top-Mordszenarien, die, vergleichbar mit Kultklassikern wie „Chopping Mall“, einfach sinnbefreiten Spaß und Unterhaltung darbieten. Ab einem gewissen Punkt beginnt sich der Film allerdings zu ernst zu nehmen und verliert sich gewissermaßen bis zum Schluss darin, was dem zuvor empfundenen Vergnügen einen leichten Dämpfer verpasst.
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    (Julia Pogatetz)
    20.09.2020
    21:41 Uhr