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  • Bewertung

    Amblin auf Österreichisch

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Retro-Nostalgie im Sinne der 80er-Jahre ist in Film und Fernsehen seit ein paar Jahren wieder voll in Mode. Mit einer Erfolgsserie wie „Stranger Things“ oder den beiden Neuadaptionen von Stephen Kings „It“ hat diese glorreiche Dekade stilistisch wie auch narrativ den Weg zurück in Kino und TV gefunden und wurde einem Mainstream-Publikum wieder zugänglich gemacht. Durch diese neuartige Welle an 80er-Jahre-Nostalgie gab es ein Comeback klassischer Abenteuerfilme mit Kindern und Jugendlichen in den Hauptrollen – ganz im Sinne von Produktionen á la Amblin Entertainment wie zum Beispiel den famosen „Goonies“. Der Geiste Amblins ist über Umwege nun endlich auch in Österreich angekommen – wenn auch das Setting ins 21. Jahrhundert verlegt wurde. Mit seinem Kinodebüt „Das schaurige Haus“ schließt Regisseur Daniel Geronimo Prochaska, der Sohn des sehr genre-affinen Austro-Filmemachers Andreas Prochaska (u.a: „Das finstere Tal“, „In 3 Tagen bist du tot“), mühelos an die aktuell omnipräsente Nostalgiewelle an, schafft es gleichzeitig aber auch einen typisch österreichischen Esprit zu bewahren.

    Der Mystery-Film, der auf dem gleichnamigen Jugendroman von Martina Wildner basiert, erzählt vom sechzehnjährigen Hendrik (León Orlandianyi), der eigentlich aus Hannover stammt, unlängst aber mit seiner Mutter Sabine (Julia Koschitz) und seinem kleinen Bruder Eddi (Benno Roßkopf) nach Bad Eisenkappel in Kärnten gezogen ist. Anfangs findet sich der Teenager in der ungewohnten Dorfumgebung nur schwer zurecht, lernt aber bald die gleichaltrige Ida (Marii Weichsler) und den jüngeren Nerd Fritz (Lars Bitterlich) kennen, mit denen er sich anfreundet. Schon kurz nach seiner Ankunft in der neuen Heimat hat Hendrik seltsame Geschehnisse im Familienhaus festgestellt. Nachdem sein kleiner Bruder auch noch anfängt zu schlafwandeln und er selbst von furchteinflößenden Albträumen geplagt wird, ist er sich sicher, dass es im Haus spukt. Einst wohnte im selben Haus eine Mutter mit ihren zwei jungen Söhnen, die sie angeblich umbrachte, bevor sie sich selbst das Leben nahm. Hendrik glaubt, dass die Kinder der Dame aus dem Jenseits zu ihm sprechen und seinen Bruder Eddie als Medium verwenden. Gemeinsam mit Fritz und Ida will er den mysteriösen Vorkommnissen auf die Spur kommen und stößt dabei auf dunkle Geheimnisse ihrer Gemeinde.

    Die Leinwand-Adaption von „Das schaurige Haus“ trieft nur so vor Genreklischees. Der junge Kerl, der als Außenseiter einen ihm fremden Mikrokosmos betritt, nerdige Sidekicks, überzeichnete Mobber, Teenager auf Fahrrädern im sommerlichen Hintergrund und natürlich ein allseits präsenter Synth-Score. All diese Elemente kennt man und hat man in ähnlicher Form bereits zigmal gesehen.

    Wie gelingt es Daniel Prochaska also all diese ausgelutschten Elemente in seinem Spielfilmdebüt trotzdem zu einem sehenswerten Ganzen zusammenzufügen? In erster Linie ist es vor allem der österreichische Anstrich, der die altbekannte Coming-of-Age-Abenteuer-Horror-Formel immer noch frisch daherkommen lässt. Die Vorbilder, derer sich Prochaska, für seine Verfilmung des Stoffes bediente, sind Schwer von der Hand zu weisen. Dennoch hilft das ungewohnte österreichische Setting dabei, dem Genre einen neuen Spin zu verpassen. Der Kärntner Mikrokosmos, den der Film widerspiegelt, fühlt sich in seiner Darstellung authentisch an und verwebt eine grundsätzlich durch und durch amerikanische Story-Schablone mühelos mit klassisch österreichischem Charme und Schmäh. Die sympathische Darstellerriege tut das Übrige.

    Die beiden jungen Hauptdarsteller*innen León Orlandianyi und Marii Weichsler überzeugen beide mit angenehm natürlichem Spiel und geben auch als liebenswertes Teenie-Pärchen eine gute Figur ab. Zweifelsohne ist es aber Lars Bitterlichs Fritz, der zum großen Publikumsliebling avancieren dürfte. Die kauzigen One-Liner des nerdigen Buben können einen mit der Zeit zwar auf die Nerven gehen, werden aber mit Sicherheit für einige Lacher sorgen.

    Neben dem Austro-Charme und der gut gelaunten Besetzung ist vor allem auch der hochwertige Look des Films ein Faktor, der Prochaskas Streifen zu einer sehenswerten Kinoerfahrung für Groß und Klein macht. In Neonfarben getränkte Aufnahmen, wundervoll schmuddelige Sets und prächtige Weiten des sommerlichen Jugendlebens in Kärnten verwandeln den Film in ein audiovisuelles Seherlebnis mit angenehm unösterreichischer Ästhetik. Garniert werden die Bilder durch den bereits erwähnten Synth-Score, der die ganze Laufzeit hindurch pulsiert und mit der 80er-haften Ästhetik durchwegs harmoniert.

    Leider sind es genau die angestrebten Horrorelemente, die trotz sichtlicher Mühe, aufgrund der Verwendung abgedroschener Stilmittel nicht wirklich zu funktionieren wissen. Junge Zuschauer*innen, auf die der Film ganz klar ausgerichtet ist, werden aber trotzdem den ein oder anderen effektiven Schreckmoment erleben dürfen und so hoffentlich die Liebe zum Genrekino für sich entdecken.

    „Das schaurige Haus“ ist der Versuch, jugendliche Abenteuerfilme mit stilistischem 80er-Jahre-Charakter nach Österreich zu transportieren und in die Moderne zu verfrachten, was Regisseur Daniel Prochaska tatsächlich geglückt ist. Zwar hat sein Film auf narrativer Ebene wenig Neues zu bieten, schafft es aber durch amüsante Gags, liebenswerte Charaktere, viel Gespür für Stil und Ästhetik wie auch einer großen Portion Austro-Charme altbewährte Zutaten in ein halbwegs frisches Gewand zu stecken.

    Ein liebenswerter Grußelspaß für die ganze Familie!