Filmkritik zu Crazy World

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  • Bewertung

    Da Best of da Best Movies!

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Das Phänomen Wakaliwood breitet sich nun schon seit ein paar Jahren rund um den Globus aus. Dabei fing alles einst so klein an: Schon Mitte der 2000er-Jahre kam Isaac Nabwana, der während des brutalen Regimes des berüchtigten ugandischen Diktators Idi Amin aufwuchs, auf die Idee, eigene Actionfilme in seinem Heimatland zu drehen. Die Inspiration dafür gewann er aus Wiederholungen von „Hawaii Five-O“ und „Logans Run“ beziehungsweise durch Freunde, die ihm Plots aktueller Filme schilderten. Er selbst war noch nie in einem echten Kino gewesen. Die Gründung von Ramom Film Produktion im Jahre 2005 war der Beginn von Wakaliwood. Nachdem er sich als Autodidakt mit Hilfe von Tutorials Dinge wie Videoschnitt selbst beigebracht hatte, fing er gemeinsam mit Freunden an, erste Actionfilme in den Slums von Wakaliga am Rande der ugandischen Hauptstadt Kampala zu drehen. Requisiten wie Waffen wurden aus einfachen Haushaltsgegenständen oder Holz selbst per Hand gemacht. Im Jahre 2010 gingen erstmals Ausschnitte einer Wakaliwood-Produktion viral durchs Netz. Als der gebürtige New Yorker Alan Hofmanis darauf aufmerksam wurde, war er von der Leidenschaft, die in die Actionprojekte von Isaac und seiner Crew flossen, derart beeindruckt, dass er gleich den nächsten Flieger nach Uganda nahm, um das ambitionierte Filmteam in Wakaliga ausfindig zu machen. Durch reichlich Mund-zu-Mund-Propaganda seitens Hofmanis und der Macht des Internets ist das ugandischen Actionstudio mittlerweile zahlreichen Filmliebhabern aus aller Welt ein Begriff geworden. Die beiden Wakaliwood-Produktionen „Who Killed Captain Alex“ und „Bad Black“ wurden gar auf unterschiedlichsten Festival rund um den Globus gezeigt, wo sie rasch zu Publikumslieblingen avancierten. Ein großer Faktor dafür dürfte das stets höchst unterhaltsame Voice-Over von VJ Emmie sein, der das Geschehen im Film durchgehend in englischer Sprache kommentiert. Bei „Crazy World“, der ursprünglich bereits 2014 gedreht wurde, handelt es sich also um den erst dritten „Wakaliwood“-Streifen der außerhalb des Produktionslandes Uganda gezeigt wird. Für die letztjährige Weltpremiere beim prestigeträchtigen Toronto International Film Festival wurden Regisseur Isaac Nabwana und Kommentator VJ Emmie höchstpersönlich für ein Q&A eingeflogen. Nabwana setze hierfür zum allerersten Mal in seinem Leben Fuß in ein tatsächliches Kino.

    Der neueste Geniestreich Wakaliwoods handelt von den ‚Waka-Starz‘, einer Gruppe Kung-Fu-affiner Kinder, die für ein Opferritual von der gefährlichen Tiger Mafia entführt werden. Die Väter der Kinder hecken gemeinsam mit Bruce U (Ugandas legendärer Kung-Fu-Cop, der bereits in „Who Killed Captain Alex?“ eine prominente Rolle besetzte) einen Plan aus, um ihre Sprösslinge aus den Klauen der schurkischen Gruppe zu befreien.

    Wie schon die bisherigen Produktionen Wakaliwoods besticht auch „Crazy World“ wieder mit deutlich spürbarer Leidenschaft dem Do-it-yourself-Filmemachen gegenüber und einer großen Portion Selbstironie. Trotz klar limitierter finanzieller Ressourcen steht dieser Film in Puncto Action vielen B-Movie-Klassikern der 70er- und 80er-Jahre in wenig nach. Es ist beeindruckend mit welch einer Liebe zum Detail die Kampfszenen choreographiert worden und damit (völlig ironiefrei) einige Hollywood-Produktionen mit deutlich höherem Budget im direkten Vergleich in den Schatten stellen. Der große Star ist jedoch wie eh und je VJ Emmie, dessen Sprüche im Off abermals für die größten Lacher sorgen dürften. Mitten im Film gibt es zusätzlich noch eine äußerst unterhaltsame Zwischensequenz zum Thema Online-Piraterie, mit der auch eine kleine Meta-Ebene geöffnet wird.

    Mit „Crazy World“ beweisen Isaac Nabwana und sein Wakaliwood-Team erneut, dass man nicht zwingend ein großes Budget und teure Effekte benötigt, um einen unterhaltsamen „Action packed movie“ zu kreieren. Oft reicht dafür schon eine große Menge Leidenschaft, eine kleine Prise Wahnsinn und die schiere Magie eines „VJ Emmie on the mic“ aus.

    Movie movie movie!