Filmkritik zu Mogul Mowgli

Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Kulturelle Identität und magischer Realismus

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2020
    Mit seinem Spielfilmdebüt „Mogul Mowgli“ hat der Regisseur Bassam Tariq den Film geschaffen, welchen man von all den Berlinale-Filmen dieses Jahr am ehesten als Crowdpleaser bezeichnen kann. Trotz seiner komplexen Thematik, welche sich rund um kulturelle Identität und all ihre Facetten dreht, ist der Film sehr publikumsfreundlich und zugänglich gehalten. Die relativ simple Hauptstory, welche den an einer seltenen Krankheit leidenden Zed, fantastisch gespielt von Riz Ahmed, verfolgt, ist sehr einfach gestrickt, fast schon vorhersehbar. Auf der einen Seite ist es dadurch für Zuschauer, welche mit Themen wie kulturelle Identität und dem Kampf um Selbstfindung keine Berührungspunkte bzw. eigene Erfahrung haben, sehr einfach sich in den Hauptcharakter hineinzuversetzen, weil durch den sehr simplen Handlungsverlauf viel Platz für Szenen gibt, welche sich einfach ehrlich mit den Fragen und den Unsicherheiten des Protagonisten beschäftigen. Auf der anderen Seite wäre es jedoch wünschenswert gewesen, einen etwas, nun ja, kreativeren Plot gehabt zu haben. Die altbekannte Geschichte um den erkrankten Helden, welcher im Laufe des Films lernen muss mit seiner Krankheit klar zukommen, wurde leider auf sehr langsame Art und Weise in den Film implementiert und führt leider dazu, dass der Film nicht ganz so „einnehmend“ ist, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte.

    Dennoch, zwei Aspekte des Films verdienen es besonders hervorgehoben zu werden:
    Zum Einen der magische Realismus, welcher oftmals in Traumsequenzen und Halluzinationssequenzen auftritt. Abgesehen von dem üblichen Charme von magischem Realismus, wird dieses Element großartig benutzt um vor allem gewisse Ängste des Hauptcharakters zu visualisieren. Zudem sehen diese Szenen selbstverständlich absolut famos aus.
    Zum Anderen sind die Sequenzen rund um Rap und Rapkultur unfassbar gelungen, nicht zuletzt wegen überraschend gutem Verständnis für das Thema, sondern auch wegen den großartigen Raptexten, welche von Riz Ahmed fantastisch eingerappt werden und sich auf beeindruckende Art und Weise mit Rassismus auseinandersetzen.

    Abschließend lässt sich sagen, dass aufgrund des sehr gewöhnlichen Hauptplots zwar mehr drin gewesen wäre, es sich aber dennoch um einen tollen Crowdpleaser handelt, welcher sich auf zugängliche Weise mit unfassbar komplexen Themen beschäftigt und dabei stets zu unterhalten weiß. Eine klare Empfehlung!
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    (Stefan Karavlah)
    23.03.2020
    17:33 Uhr
    ^^
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