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  • Bewertung

    Vom Mädchen, das den Himmel erhellen ließ

    Exklusiv für Uncut
    Schon mit seinen Frühwerken wie „The Place Promised in Our Early Days“ (2004) und „5 Centimeters per Second“ (2007) konnte Filmemacher Makoto Shinkai für Aufsehen in der Welt des japanischen Animationsfilms sorgen. Spätestens jedoch seit der Veröffentlichung des mit Lobpreisungen überschütteten „Your Name“ (2016) gehört der Regisseur zweifelsohne zu den wichtigsten und meistbeachtetsten Stimmen des kontemporären Anime-Kinos. Somit wurde sein Folgewerk „Weathering With You“, das momentan über ausgewählte Leinwände Österreichs flimmern darf, von zahlreichen Leuten mit großer Spannung erwartet. Und auch wenn Shinkais neuester Streich der Qualität seines Vorgängerfilms nicht im Ansatz das Wasser reichen kann, ist hier – aller Schwächen zum Trotz – ein weiterer sehenswerter Beitrag in der beachtlichen Filmographie des 46-jährigen Japaners herausgekommen.

    Bevor es jedoch ans Eingemachte geht: Wovon handelt der Film denn überhaupt?

    „Weathering With You“ erzählt vom 16-jährigen Oberschüler Hodaka Moshima, der sich dazu entscheidet, der abgelegenen Insel, von der er ursprünglich stammt, den Rücken zu kehren, und ein neues Leben anzufangen. Als Ziel dafür hat sich der Junge Japans Hauptstadt Tokio ausgesucht, die bei seiner Ankunft von chronischen Regenfällen heimgesucht wird. Das Dasein in der Millionen-Metropole gestaltet sich jedoch schwieriger, als noch zu Beginn erwartet, und bald sieht sich der Teenager aufgrund finanzieller Nöte schon dazu gezwungen, nach einem Job Ausschau zu halten. Schlussendlich ergattert er eine Stelle bei einem kleinen Magazin, das über okkulte Phänomene berichtet. Durch Zufall lernt Hodaka eines Tages die ähnlichaltrige Hina kennen, die dem Jungen ihre ganz besondere Gabe offenbart: durch ein einfaches Gebet kann das Mädchen nämlich den unaufhörlichen Regenwetter Einhalt gebieten und die Sonne wieder zum Vorschein kommen lassen. Aus dieser Fähigkeit heraus lässt sich jedoch auch Kapital schlagen: die beiden kommen nämlich auf die Idee Hinas Gabe dazu zu nutzen, Leuten, die für besondere Veranstaltungen gern klares Wetter hätten, diesen Wunsch zu erfüllen. Dinge verlaufen jedoch nicht ganz so reibungslos, wie noch anfangs erhofft...

    Wie schon bei Shinkais Vorgängerwerden entpuppt sich auch hier wieder die immens hohe Qualität der Animationen als einer der größten und auffallendsten Stärken des gesamten Films. Der mehr als nur ansehnliche visuelle Stil, der von wundervollen Licht- und Schattenkontrasten gekennzeichnet wird, geht stets Hand in Hand mit dem Erzählten und komplementiert dieses sogar. Vor allem jegliche Sequenzen, die sich bei Regen abspielen, beeindrucken in ihrer Ästhetik und erschlagen einen regelrecht in ihrem Detailreichtum.

    Die eigentliche Geschichte, die Shinkai hier erzählt erfüllt durchaus ihren Zweck, gleicht in Momenten jedoch zu stark dem Aufbau des Vorgängerfilms „Your Name“, ohne aber auch nur im Ansatz einen ähnlich wirksamen emotionalen Sog kreieren zu können. Die Figuren, die der Rahmenhandlung als Protagonisten dienen, sind im Grundkern durchaus fein gezeichnet – vor allem der Comic-Relief, der von der Figur des Nagisa, Hinas kleinen quirligen Bruder, ausgeht, weiß prima zu unterhalten. Das Problem jedoch ist, dass die Dynamik der Freundschaft/Romanze zwischen den Hauptfiguren Hina und Hodaka viel zu gehetzt aufgebaut wird, um als Zuschauer wirklich emotionalen Zugang zum Geschehen zu finden. Obwohl es Shinkai normalerweise beherrscht ehrlichen Pathos zu vermitteln, der mit der Form seiner Geschichten harmoniert, will er es sich hier durch die übermäßige Verwendung japanischer Pop-Songs und offensichtlicher Parallelen zu seinem Vorgängerwerk etwas zu einfach machen, und driftet dadurch stellenweise in kitschige Gefilde ab, die sich unverdient und wenig glaubhaft anfühlen.
    Auch der umweltkritische Teil seiner Arbeit wird hier wieder deutlich als eines der Grundthemen präsent, wurde im Gegensatz zu manch anderen Aspekt aber intelligent in den Plot eingefädelt. Die ebenso vorhandene Kapitalismuskritik bekommt durch schamloses Product-Placement während einer Szene des Films jedoch einen heuchlerischen Beigeschmack verliehen.

    Im Großen und Ganzen ist also Makoto Shinkais „Weathering with You“ weit von den Höhen dessen vorangegangenen Werks „Your Name“ entfernt und könnte allein deshalb den ein oder anderen Zuschauer, der dem Film mit zu hoher Erwartungshaltung entgegenkommt, enttäuscht zurücklassen. Wer jedoch über teils zu offensichtliche Parallelen zu Shinkais vorherigem Film und unverdientem Pathos hinwegsehen kann, wird mit einem fantasievollen Anime-Drama belohnt werden, das allein für seine abermals überwältigende Optik und dem Ideenreichtum der Grundgeschichte den Kinobesuch allemal wert ist.