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    Auf der Suche nach Magie

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2020
    Es gibt wohl kaum ein anderes US-amerikanisches Animationsstudio, das so konstant hohe Qualität garantiert, wie es die Disney-Tochterfirma Pixar in der Regel tut. Auch wenn die Animationsschmiede in den letzten Jahren ein wenig dem momentan trendigen Fortsetzungswahn Hollywoods verfallen ist, wurde die gewohnte Qualität nur selten vernachlässigt. Mit „Toy Story 4“ bewies das Studio erst im vergangenen Jahr, dass sie es sogar noch im vierten Teil einer Reihe gebacken bekommen, neue Wege zu beschreiten, ohne zu sehr auf den puren Nostalgiefaktor zu beharren. Letztes Jahr wurde zudem bekannt, dass sich Pixar unter der neuen Führung von Pete Docter (u.a. Regisseur von „Monster AG“, „Oben“, „Alles steht Kopf“) nun wieder primär auf originellen Content fokussieren wollen würde und in nächster Zeit wohl auf Sequels verzichten wird. 2020 dürfen sich alteingesessene Fans des Studios gleich auf zwei nigelnagelneue Kreationen aus dem Hause Pixar freuen. Anfang März steht vorerst mal der weltweite Start des computeranimierten Fantasy-Abenteuers „Onward – Keine halben Sachen“ bevor.

    Der Animationsfilm spielt sich in einer fiktiven Fantasy-Welt voller Elfen, Trolle und anderer Fabelwesen ab. In dieser Welt gab es einst Magie, die jedoch mit jedem weiteren technischen Fortschritt außen vorgelassen wurde und in der Monotonie des Vorstadt-Alltags mittlerweile völlig untergangen ist. Die beiden Elfen-Brüder Ian (im Originalton: Tom Holland) und Barley Lightfoot (Chris Pratt) sind jedoch fest davon überzeugt, dass zumindest noch ein Fünkchen von der vermeintlich verloren gegangenen Magie übrig geblieben ist. Eines Tages wird Ian von seiner Mutter Laurel (Julia Louis-Dreyfus) ein Geschenk des verstorbenen Vaters überreicht. Wie sich herausstellt handelt es sich dabei um einen Zauberstab, durch den ihr Vater mithilfe eines passenden Spruchs für 24 Stunden wieder zurück in die Welt der Lebenden geholt werden kann. Der versuchte Zauber verläuft jedoch nicht ganz nach Plan und zunächst kann nur die untere Körperhälfte des Vaters wiedererweckt werden. In der Hoffnung, dass sie den letzten Hauch Magie in ihrer technikbesessenen Welt entdecken und dadurch den Zauber vollenden können, begeben sich die beiden Teenager-Brüder mithilfe von Barleys eigenem Bus Guinevere auf eine abenteuerliche Reise. Die Zeit drängt jedoch...

    Dafür, dass es sich hier um einen Film handelt, in dem die Hauptcharaktere zum Großteil damit beschäftigt sind, die verlorengegangene Magie ihrer Welt wiederzuentdecken, vermisst man hier die sonst von Pixar gewohnte Kinomagie über weite Strecken hinweg sehnlichst. Durch eine gehetzte Narration wird man gleich zu Beginn in die fantastische Welt des Films transportiert, die jedoch bei weitem nicht den Ideen- und Detailreichtum mit sich bringt, den man eigentlich vom Studio erwartet. Zwar wollte man mit der Darstellung einer von Überschuss an technischen Gerätschaften ermüdeten Arbeitsgesellschaft offensichtlich Parallelen zur realen modernen Welt kreieren, doch wirkt es etwas befremdlich und unpassend, wenn plötzlich in einem fantastischen Setting Smartphones verwendet werden. Im Aufbau seiner fantastischen Welt versteift sich „Onward“ anfangs viel zu sehr darauf, ein Abbild der aktuellen modernen Gesellschaft zu schaffen, ohne aber seine Welt zu Genüge aufzubauen und somit zu Beginn kaum Eskapismus zulässt. Weiters landet der Slapstick-Humor auch nicht immer, was unter anderem darauf zurückzuführen wäre, dass die Nebenfiguren in ihrer Charakterentwicklung blass daherkommen und vielmehr nur als Beiwerk dienen, anstatt wirklich aktiv in den Plot involviert zu werden.

    Wenn der Film sich jedoch auf die sympathische und herzerwärmende Dynamik zwischen den beiden Brüdern Ian und Barley konzentriert, dann weiß das Animations-Abenteuer durchaus gut zu funktionieren. Zum Glück fallen einige der vorhin erwähnten Störfaktoren mit zunehmender Laufzeit weg und die essentielle Brüder-Dynamik, die den emotionalen Kern des Films bildet, wird immer mehr ins Zentrum gerückt. So mündet die animierte Fantasy in ein mitreißendes Finale, in dem die meisten zuvor aufgebauten narrativen Elemente emotional zufriedenstellend fertigerzählt werden. Dabei helfen auch die abermals eindrucksvollen Computeranimationen aus. Besonders das Bild eines Sonnenuntergangs im Hintergrund eines nahezu photorealistischen Meers dürfte sich in die Köpfe vieler Zuschauer*innen einbrennen.

    Insgesamt muss aber gesagt werden, dass es sich bei Pixars „Onward“ trotz der an sich originellen Idee um einen der eher schwächeren und uninspirierteren Einträge in den reichhaltigen Pixar-Kosmos handelt. Da das Gesamtniveau jedoch selbst bei Pixars schlechtesten Filmen („Cars 2“ ausgenommen) immer noch sehr hoch ist, ist hier am Ende des Tages trotzdem noch ein sehenswerter Film herausgekommen, an dem besonders Liebhaber des Rollenspiels „Dungeons & Dragons“ ihre Freude haben sollten. Hoffentlich geht es für das Studio aber demnächst nicht nur im Titel, sondern auch qualitativ wieder nach vorwärts...