Filmkritik zu A Quiet Place 2

Bilder: Constantin Film, Paramount Pictures Fotos: Constantin Film, Paramount Pictures
  • Bewertung

    In der Stille liegt die Kraft

    Exklusiv für Uncut
    John Krasinski, der vielen zuvor vermutlich in erster Linie für seine Rolle des Jim Halpert in der Kultserie „The Office“ ein Begriff gewesen ist, gelang vor knapp drei Jahren eine wahre Sensation im Mainstream-Horrorkino. Mit dem eigens inszenierten und geschriebenen „A Quiet Place“, einem Horror-Thriller mit postapokalyptischem Setting, lockte der Schauspieler und Neo-Regisseur zahlreiche Zuschauer*innen aus aller Welt in die Kinos. Der Film erzählt von einer Welt, in der die Menschheit durch außerirdische Kreaturen mit hoher Geräuschempfindlichkeit dezimiert wurde. In Anbetracht dessen, dass es sich bei dem Film um eine Originalidee handelte, die sich keinem bereits zuvor existierenden Franchise oder Ausgangsstoff unterordnen musste, kam der Sensationserfolg umso überraschender. Wenn die Kinokassen klingeln, dann ist es oft nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung in Auftrag gegeben wird. Mit über einem Jahr Verspätung (der Film hätte eigentlich schon im März 2020 in den Kinos anlaufen sollen) erreicht uns nun endlich auch „A Quiet Place 2“, bei dem abermals Krasinski den Regieposten übernahm.

    Die Fortsetzung schließt unmittelbar an die Ereignisse des Vorgängerfilms an, in dem sich der von Krasinski selbst verkörperte Lee Abbott heldenhaft opferte, um seine Familie vor dem sicheren Tod zu bewahren. Die hinterbliebenen Mitglieder der Familie, das sind seine Witwe Evelyn (Emily Blunt), Sohn Marcus (Noah Jupe) und die gehörlose Tochter Regan (Millicent Simmonds), begeben sich auf die Suche nach weiteren Überlebenden der erschreckenden Alien-Invasion. Nachdem ihr altes Zuhause zerstört wurde, finden sie vorerst in einem verlassenen Stahlwerk Zuflucht. Durch Zufall treffen sie auf Emmett (Cillian Murphy), einen ehemaligen Freund des verstorbenen Familienvaters Lee, der durch die geräuschempfindlichen Monster seine Frau und Kinder verloren hat. Über ein funktionstüchtiges Radiosignal stößt die gehörlose Regan, die am Ende des ersten Teils herausfand, dass sich die außerirdischen Wesen durch hohe Audiofrequenzen leichter zerstören ließen, auf eine Kolonie voller Überlebender. Gemeinsam mit Emmett begibt sie sich auf eine der nahegelegenen Inseln, von der scheinbar das empfangene Radiosignal ausging. Doch sind sie selbst dort sicher vor den Klauen der schauderhaften Aliens?

    Eröffnet wird das Sequel mit einer zutiefst nervenaufreibenden Rückblende, die die Ankunft der abscheulichen Außerirdischen und somit die Entstehung der postapokalyptischen Zustände bebildert. Zu Beginn lädt uns Krasinski ganz idyllisch zu einem vor uramerikanischen Pathos nur so triefenden Baseballspiel ein, nur um den Publikum dann Schritt für Schritt den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Die Unruhe und das Chaos, die mit der Ankunft der außerirdischen Besucher einhergehen, werden mithilfe einer beeindruckend in Szene gesetzten (scheinbaren) Plansequenz gekonnt aufs Publikum übertragen. Das hohe Niveau seiner Anfangssequenz kann der Film aber leider nicht über die gesamte Laufzeit hinweg aufrechterhalten. Die Schockeffekte erfüllen zwar weiterhin ihren Zweck, der große Überraschungsmoment bleibt in der Fortsetzung jedoch aus. Die etablierte Welt wirkt mittlerweile vertraut, das eher uninspirierte Design der Aliens verliert schnell an Reiz und die verwendeten Erzähltropen wirken teilweise auch schon ausgelutscht.

    Immerhin macht der Film viele seiner erzählerischen Schwächen durch astreine technische Kniffe wieder vergessen. Auch in der Fortsetzung wird durch die alleinige Verwendung von Ton brillant Suspense aufgebaut. Das simple Knarzen einer Zauntür kann dabei für großen Nervenkitzel sorgen. Das Element des Sounds wird auch abermals gekonnt dazu genutzt, dem Publikum die Gehörlosigkeit der Tochterfigur Regan glaubhaft näherzubringen. Diese wurde mit mitreißender emotionaler Hingabe erneut großartig von der tatsächlich gehörlosen Millicent Simmonds verkörpert, deren Figur im Sequel eine noch wichtigere Rolle einnehmen darf als im Vorgängerfilm. Der neu dazugekommene irische Charakterdarsteller Cillian Murphy („28 Days Later“, „Inception“) mimt den anfangs in sich gekehrten aber durchaus auch feinfühligen Emmett ebenfalls nahbar und glaubhaft.

    Der Film gipfelt in ein abruptes Ende, das sichtlich wenig mehr Zweck erfüllt, als auf eine der weiteren, bereits angekündigten Fortsetzungen aufzubauen. Durch das erzwungene Sequel-Bait verliert der Thriller ein wenig seiner zuvor präzise aufgebauten Spannung. Trotz des eher vergessenswerten finalen Showdowns, lässt sich „A Quiet Place 2“ dennoch als gelungene Fortsetzung des 2017 erschienenen Sci-Fi-Schockers bezeichnen. Allein für die meisterhaft aufbereitete Eröffnungsszene lohnt sich der Gang ins Kino auf jeden Fall.

    Der Überraschungsfaktor mag verschwunden sein, der Nervenkitzel ist aber geblieben.