Filmkritik zu Satanik

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  • Bewertung

    Eine hübsche aber zum größten Teil langweilige Themenverfehlung

    Eldritch Advice
    „Satanik“ feierte ihr Debüt in der gleichnamigen italienischen Comicheftreihe des Kreativduos Max Bunker und Magnus, die von 1964 bis 1974 publiziert wurde und mit Ausgabe 231 ihr Ende fand. Der Ursprung von „Satanik“ ist klar ersichtlich von der Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ des viktorianischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson inspiriert und handelt von der äußerlich entstellten Marny Bannister, die ob ihres Erscheinungsbildes, versucht als Chemikerin Karriere zu machen. Als sie jedoch bemerkt, dass selbst in der Wissenschaft äußere Werte über harte Arbeit gestellt werden, wendet sie sich auf der Suche nach einem Schönheitselixier erfolgreich der Alchemie zu. Dadurch erlangt sie allerdings nicht bloß die erhoffte Schönheit, sondern ebenfalls eine unverhoffte Transmutation ihrer Psyche. So wird aus der nach Schönheit und Anerkennung suchenden Marny Bannister, der verführerische und kriminelle Vamp Satanik. Dieser spannende Mix aus Horror, Krimi und Erotik war Zeit seines Bestehens ein Schreckgespenst für die italienische Sittenpolizei, und wohl auch deswegen ein Verkaufsschlager, der im Jahr 1968 für die große Leinwand adaptiert wurde. Doch der Regisseur Piero Vivarelli wusste offensichtlich nicht was er mit diesem Charakter anfangen soll.

    Die alternde Chemikerin Dr. Marny Bannister zeigt sich ob ihrer verlorenen Jugend und Schönheit frustriert. Als sie herausfindet, dass einer ihrer Kollegen erfolgreich an einem Jugendserum forscht, sucht sie diesen auf und bietet sich ihm als Versuchsobjekt an. Doch ihr Angebot wird aus ethischen Gründen abgelehnt, da alle Testtiere zwar verjüngt wurden, aber ebenfalls eine Verhaltensänderung als Nebeneffekt auftrat. Doch Dr. Bannister lässt sich davon nicht aufhalten, ermordet kaltblütig ihren Kollegen und nimmt das Serum zu sich. Dieses verwandelt sie zwar in eine junge Schönheit, doch macht sie darüber hinaus noch rücksichtsloser und krimineller.

    Ich muss sagen … es ist bitter was man aus dieser interessanten Prämisse gemacht hat.

    Thematisch würde „Satanik“ alle Voraussetzungen für einen Kultfilm erfüllen, doch was Vivarelli daraus machte, lässt sich leider nur als eine äußert langatmige Angelegenheit beschreiben, und das bei einer Laufzeit von lediglich 83 Minuten. Das Tragische daran ist, dass es drei wirklich fantastische Szenen in diesem Film gibt, die jedoch im Vergleich das restliche Material noch unerträglicher wirken lassen. Es ist erstaunlich, dass jemand wie Vivarelli, der sich als Drehbuchautor in Filmen wie „Django“ (1966) oder „Black Emanuelle II“ (1976) durchaus als guter Geschichtenerzähler bewies, nicht in der Lage war als Regisseur einen spannenden Handlungsbogen zu spannen. Mit der Comicvorlage hat diese Adaptation nur wenig gemein und ignoriert bis auf eine Ausnahme sämtliche Horror- oder übernatürlichen Elemente. Dazu kommt, dass weder die Effektarbeit noch der Soundtrack von Manuel Parada als überdurchschnittlich zu werten sind. Überzeugend ist „Satanik“ nur in wenigen Momenten und durch visuelle Leckerbissen wie die chic zur Schau gestellte Mode der späten 60er Jahre oder dem unwiderstehlichen Reiz seiner Hauptdarstellerin.

    Für Marny Bannister und den Charakter der Satanik, sicherte man sich die Dienste des polnischen Models Magda Konopka. Ihr Charisma lässt einem fast vergessen, wie schwach sämtliche Charaktere in diesem Film ausgearbeitet beziehungsweise von der Vorlage adaptiert wurden. Leider gelang es den zweifelsohne talentierten Schauspielern Julio Peña und Umberto Raho nicht die mäßige Schreib- und Regiearbeit zu überwinden. Dadurch bleibt dem Publikum am Ende wirklich nur die Schönheit von Konopka in Erinnerung.

    Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

    Sieht man sich den Trailer zu „Satanik“ an könnte man meinen, dass es sich dabei wirklich um ein verborgenes Juwel handelt. Geschickterweise verwendete der Filmverleih für diesen Trailer eben jene Szenen, die ich vorher als fantastisch beschrieben habe. So präsentiert man hier in wenigen Minuten sämtliche Highlights des Films, wie die Verwandlung von Marny Bannister in Satanik, einen äußerst intensiven Catfight, sowie eine höchst erotische Tanzeinlage. Würde man dieses Werk als eine verwässerte Adaptation des Quellenmaterials beschreiben, wäre dies zu milde formuliert. „Satanik“ wirkt wie ein Puzzle, dass man zu 20 % fertig stellte und danach zu 80 % mit Teilen eines anderen, unpassenden Puzzles ergänzte. Es ist klar ersichtlich, dass das Filmteam keinerlei Interesse an der Comicvorlage hatte, und den kontroversen Titel dieser nur dazu nutzte um einen schnellen Gewinn zu machen. Fans der Comichefte, deren es in Italien viele gibt (siehe die ständigen Wiederveröffentlichungen der originalen „Satanik-Hefte“), haben sich eindeutig eine bessere Verfilmung verdient. So sehr ich es auch versucht habe diesem Film etwas Positives abzugewinnen, ist er eines gewiss nicht, nämlich eines freitäglichen Filmabends würdig.
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    (Thorsten Schimpl)
    29.11.2019
    12:25 Uhr
    https://www.youtube.com/VarangianVigilante

    Austrian YouTuber that loves to talk about his favorite movies, comics and pop-cultural stuff.