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  • Bewertung

    „You can't kill the boogeyman!“

    Exklusiv für Uncut
    Als John Carpenter 1978 mit einem Mikrobudget von gerade mal 300.000 Dollar einen unscheinbaren Horrorschocker namens „Halloween“ drehte, hätte er wohl nie zu träumen gewagt, dass sein erst dritter Spielfilm mehr als 40 Jahre später immer noch in aller Munde sein würde. Doch es kam, wie es kommen sollte: Carpenter revolutionierte mit seinem Meisterstück die Welt des Horrorkinos und legte das Fundament für den Slasher-Film, wie wir ihn heute kennen. Nach zehn mehr oder weniger geglückten Fortsetzungen und Remakes kehrte Carpenter 2018 endlich wieder zu dem Franchise zurück, das ihm einst zum Starregisseur machte - wenngleich auch 'nur' als Komponist. Die von David Gordon Green inszenierte Fortsetzung sollte der beliebten Horror-Reihe als Neustart dienen und ignorierte sämtliche vorangegangene Fortsetzungen. Und siehe da: das auf Nostalgie getrimmte Horror-Sequel erwies sich als voller Erfolg und war der Startschuss einer neuen, geplanten Trilogie innerhalb des Franchise. Bevor dann im nächsten Jahr mit „Halloween Ends“ die Reihe vorerst wieder zu Ende gebracht werden soll, erwartet uns nun endlich der langersehnte Mittelteil mit dem schönen Titel „Halloween Kills“.

    Die Horror-Fortsetzung setzt unmittelbar an die Ereignisse seines Vorgängers an, in dem der dauermaskierte Serienkiller Michael Myers in einem Meer aus Flammen scheinbar ums Leben kam. Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), die nach ihrer Wiederbegegnung mit dem Maskenmörder im Krankenhaus liegt, muss aber bald feststellen, dass Myers noch vor der Ankunft der Feuerwehr fliehen und den Brand somit überleben konnte. Doch Laurie war gewiss nicht die einzige Person, die in der Nacht des 31. Oktober 1978 vom personifizierten Bösen heimgesucht wurde. Auch andere Bewohner*innen Haddonfields liefen dem Killer damals wohl oder übel über den Weg. Der Tag, an dem sich die schreckliche Mordserie zutrug, jährt sich zum 40. Mal und mehrere Überlebende haben sich in einer Bar zusammengefunden, um die traumatischen Erlebnisse Revue passieren zu lassen. Als die Einwohnerschaft von Myers' erneuten Überleben Wind bekommt, wollen sie ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen und sich als Kollektiv an ihm rächen.

    Wenn im 12. Film des „Halloween“-Kosmos etwas ganz groß geschrieben wird, dann ist das Nostalgie. Eingeleitet wird das Sequel von einer ausgedehnten Flashback-Szene, die die Ereignisse des 1978er-Originals mit der gegenwärtigen Timeline verwebt. So werden mehrere Charaktere, die im Originalfilm als Kinder oder Teenager auftauchten, hier als Erwachsene zurückgeholt und zum Teil gar von denselben Schauspieler*innen verkörpert. Lediglich die Figur des Tommy Doyle, der als kleiner Junge gerade so den Klauen des Maskenkillers entkommen konnte, wird nicht vom Originaldarsteller gemimt, dafür aber von niemand geringerem als dem 80er-Star Anthony Michael Hall, der für seine Zusammenarbeiten mit Regisseur John Hughes („The Breakfast Club“, „Sixteen Candles“) einst zum Teenie-Idol avancierte. Als mit Baseballschläger bewaffneter und von Rache erfüllter Überlebende macht Hall eine bedrohliche, eindringliche Figur. Leider muss aber für den teilweise etwas ungelenk gehandhabten 'Mob-Mentality'-Subplot ausgerechnet die eigentliche Protagonistin Laurie Strode in den Hintergrund rücken. Selbst Tochter Karen (Judy Greer) und Enkelin Allyson (Andi Matichak) bekommen hier mehr zu tun, als die eigentliche Heldin der Geschichte. Der Plot ist zu dünn, um mit den ganzen Versatzstücken, die dem Film zur Verfügung stehen, etwas Interessantes anfangen zu können.

    Immerhin weiß die Fortsetzung als geradliniger Slasher zu funktionieren. Die Kills sind schick in Szene gesetzt und schonungslos brutal, wie selten zuvor. Carpenters exzellenter Score, den der Altmeister abermals in Zusammenarbeit mit Sohn Cody und Patensohn Daniel Davies produziert hat, sorgt erneut für die notwendige Suspense und kreiert ein unangenehmes Gefühl von Beklemmung.

    Abseits der sadistischen Tötungssequenzen hat „Halloween Kills“ aber vergleichsweise wenig zu bieten, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Ein im Grundkern solider Slasher, an dessen graphischer Gewalt sich einige Genre-Fans ergötzen werden, am Ende aber zu vertraut und sinnentleert. Bestimmt kein schlechter Film, aber weit hinter den Erwartungen und Möglichkeiten.