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  • Bewertung

    Alle guten Dinge sind drei … oder etwa nicht?

    Exklusiv für Uncut
    2012 veröffentlichte Genre-Kenner James Wan („Saw“, „Insidious“) mit „Conjuring – Die Heimsuchung“ einen altmodisch aufbereiteten Haunted-House-Horrorfilm, der sich an Kinokassen rund um den Globus als großer Überraschungshit herausstellte. Was damals noch klein anfing, entwickelte sich über die Jahre zu einem der größten Horror-Franchises des 21. Jahrhunderts. Neun Jahre, eine direkte Fortsetzung und fünf Spin-off-Filme später ist das „Conjuring“-Universum immer noch in aller Munde. Mit „Conjuring 3 – Im Bann des Teufels" (OT: „The Conjuring – The Devil Made Me Do It") erscheint nach einigen Verzögerungen nun endlich der langersehnte dritte Teil der Hauptreihe rund um die zwei Dämonologen Ed und Lorraine Warren. Wie schon die ersten zwei Teile liegt auch der dritte direkte „Conjuring"-Film einem tatsächlich geschehenen Fall zugrunde. Diesmal geht es um den Gerichtsprozess gegen Arne Cheyenne Johnson, der 1981 stattfand und von den realen Warren unter die Lupe genommen wurde. Johnson, der des Mordes bezichtigt wurde, stellte die Behauptung auf, während der Tat von dämonischen Kräften kontrolliert worden zu sein.

    Worum geht es denn aber genau?

    Als die zwei Dämonologen Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga) 1981 einen Exorzismus am 8-jährigen David Glatzel (Julian Hilliard) durchführen, wird der Dämon, der den Jungen besessen hatte, auf Arne Johnson (Ruairi O'Connor), dem Partner seiner älteren Schwester Debbie (Sarah Catherine Hook) übertragen. Den meisten war jedoch nicht bewusst, dass Arne den Dämon in seinen Körper einlud, um so den Jungen zu schützen. Die verheerenden Folgen zeigen sich erst im Monat danach, als ein von übernatürlichen Mächten besessener Arne seinen eigenen Vermieter brutal ermordet. Arne selbst behauptet aber steif und fest während der Schreckenstat nicht er selbst gewesen zu sein, sondern vom „Teufel" dazu angestiftet wurde. Mit tatkräftiger Unterstützung der Warrens wird sein Gerichtsprozess der allererste, in dem Besessenheit von Dämonen als Verteidigungsgrund genannt wird. Die beiden Geisterjäger*innen stoßen durch den früheren Priester Kastner (John Noble) auf einen satanischen Fluch, mit dem die Familie Glatzel über einen Totem belegt wurde. Doch wird ihnen all das wirklich bei den Gerichtsverhandlungen helfen?

    Im Gegensatz zu den zwei Vorgängerfilmen entstand der dritte „Conjuring“-Teil nicht unter Regie von James Wan. Im Regiesessel nahm diesmal Michael Chaves Platz, der mit „Llorans Fluch" zuvor bereits eines der schwächsten Werke im „Conjuring“-Kosmos gedreht hatte. Sein zweiter Eintrag ins „Conjuring 3“-Franchise ist glücklicherweise um einiges zufriedenstellender ausgefallen. Von der Qualität der beiden Vorgänger bleibt Teil 3 aber leider trotzdem meilenweit entfernt. Gerade die Eröffnungsszene, in der der Exorzismus am 8-jährigen David Glatzel gezeigt wird, wirkt in ihrer Hysterie eher unfreiwillig komisch als wahrhaft unheimlich. Sobald der Erzählfokus jedoch auf den Fall von Arne Johnson rückt, findet der Film im Mittelteil zu einem angenehmen Erzählrhythmus. Insbesondere der Moment, in dem der grausame Mord am Vermieter Bruno Sauls visualisiert wird, ist durch gelungene audiovisuelle Spielereien tatsächlich verstörend geraten. Generell überzeugt auch der dritte Teil der „Conjuring“-Hauptreihe durch solides Horror-Handwerk, das sich nicht nur auf billige Jumpscares beruft, sondern dem auch viel Retro-Charme innewohnt. Im finalen Drittel merkt man dem 112-minütigen Horrordrama seine Überlänge aber deutlich an. Inszenatorische Elemente, die anfangs noch effektiv zum Einsatz kamen, werden bis ins Letzte ausgereizt und verlieren dadurch an Wirkung. Was bleibt sind nett inszenierte Schreckmomente, die in ihrer Repetition aber vielmehr dem Gruselfaktor einer Geisterbahn gleichen, als dem eines tatsächlich schaurigen Horrorfilms.

    Den emotionalen Kern bildet erneut die Beziehung zwischen Ed und Lorraine Warren. Irgendwo ist es schon erfrischend noch ein Horror-Franchise zu haben, dass auf postmoderne Meta-Spielereien jeglicher Art verzichtet und seine Liebesgeschichte ganz klassisch mit echten Pathos unterlegt.

    Insgesamt bleibt die „Conjuring“-Fortsetzung aber hinter ihren Möglichkeiten zurück. Anstatt das Potenzial der zweifelsohne erschreckenden Grundgeschichte vollends zu nutzen, verliert man sich immer wieder in denselben Stilelementen und Genre-Tropen.

    Solide inszeniertes Stück Retro-Horror, aber leider eher vergessenswert.