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  • Bewertung

    Formen des weiblichen Widerstands

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    „Es brennt“. Mit dem Text des jiddischen Liedes von Mordechai Gebirtig - ein Symbol für den jüdischen Widerstand während der NS-Zeit - beginnt Jo Schmeisers eindrückliche Doku über Arten und Ausformungen des Aktivismus im Zeichen des Widerstandes. Dafür verknüpft die Regisseurin verschiedene Materialen, wie beispielsweise alte Tonaufnahmen oder historische Dokumente mit aktuellen Erzählungen, in denen das Auflehnen gegen autoritäre Strukturen eine wichtige Rolle spielt. So lässt sie unter anderem acht Frauen zu Wort kommen, die die Wichtigkeit von Zivilcourage und Widerstand gegen verschiedene Formen der Unterdrückung und Diskriminierung aufzeigen und beweisen, dass der Kampf gegen Rassismus und Ausgrenzung immer noch ein äußerst aktuelles Thema darstellt.

    Auf der Tonspur hört man so beispielsweise die Geschichte einer polnischen Zwangsarbeiterin, die ihre Erlebnisse rund um den schweren Arbeitsalltag und die menschenverachtende Umgangsweise schildert. Die Erzählung wird untermalt von Szenen, in denen die heutige Arbeitsweise auf einem Weingut nachvollzogen wird, was zwar nicht in direktem Zusammenhang zu dem Gesagten steht, aber dafür sehr viel Spielraum für individuelle Assoziationen lässt. So ähnlich verhält es sich mit Bildern von willkürlich ausgewählten Baustellen oder Druckereien, die immer wieder die Geschichten, die auf der Tonspur zu hören sind, unterstreichen sollen. Diese Art der Auseinandersetzung erscheint auf den ersten Blick etwas ungewohnt, was zur Folge hat, dass man sich als ZuseherIn erst mit der Zeit im Fluss der Erzählung zurechtfindet. Hinzu kommt die dichte Anzahl an verschiedenen Kurzporträts, die allesamt sehr interessant sind, einen letztendlich aber doch auch überfordern – sei es durch die gewaltige Menge, die teilweise nur relativ kurze Beschäftigung mit einzelnen Schicksalen oder und den schnelle Wechsel. Genauso fließen sehr viel Texte mit ein, die eine genaue Nachvollziehbarkeit der einzelnen Geschichten sehr schwierig macht.

    Aber das steht auch nicht unbedingt im Zentrum der Handlung. Jo Schmeiser ging es auch nicht um eine Illustration, wie sie im Zuge der Viennale sagte, sondern um eine Vergegenwärtigung von Widerstand, der überall passieren kann. Und man kann den Film ohnehin einfach auf sich wirken lassen und wird dabei sicherlich nicht enttäuscht. Denn Jo Schmeiser gelingt es, eine Geschichte des weiblichen Widerstandes zu erzählen, ohne dabei in die Viktimisierung abzugleiten.

    Bei „Widerstandsmomente“ handelt es sich jedenfalls um in Herzensprojekt, dessen Realisierung sechs Jahre in Anspruch genommen hat. Die Erzählart mag unkonventionell erscheinen. Die Liebe zur Sache wird aber trotzdem in jeder Einstellung sichtbar.
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    (Marion Schlosser)
    31.10.2019
    21:34 Uhr