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    Ein verregneter Versuch eines Filmes

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Missbrauchsvorwürfe begleiten Woody Allen schon seit vielen Jahren, aber als seine Adoptivtochter Dylan Farrow im Jahr 2017, im Zuge der #MeToo-Debatte, einen offenen Brief in der Los Angeles Times veröffentlichte, in der sie erneut ihre Anschuldigungen vorbrachte, hatte dies erstmals auch berufliche Konsequenzen für den Regisseur. So wurde unter anderem die Veröffentlichung von „A Rainy Day in New York“ für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt und auch Hauptdarsteller Timothée Chalamet distanzierte sich in weiterer Folge von Allen. Nun, zwei Jahre später, folgte dann doch noch der Kino-Release.

    Collegestudent Gatsby (Timothée Chalamet) bereist mit seiner Freundin Ashleigh (Elle Fanning) für ein Wochenende New York. Er plant viele gemeinsame Aktivitäten ein, sie ist allerdings mit einem Interview für ihre Collegezeitschrift mit dem bekannten Regisseur Roland Pollard (Liev Schreiber) beschäftigt. Das Paar geht also getrennte Wege und während Ashleigh auf viele interessante Persönlichkeiten wie Drehbuchautor Ted Davidoff (Jude Law) oder Star-Schauspieler Francisco Vega (Diega Luna) trifft, läuft Gatsby der Schwester (Selena Gomez) seiner ehemaligen Freundin über den Weg. Es verspricht ein verregneter Tag in New York zu werden, der so einige Überraschungen bereit hält.

    Der Stadt New York kommt hier, wie in so vielen Filmen von Woody Allen, eine besondere Rolle zu. Es gibt aber auch noch andere Parallelen zu der bisherigen Arbeit des Filmemachers, wie das Einbringen eines Alter-Egos, dieses Mal in Form von Timothée Chalamet, oder ein ähnlich strukturierter Aufbau, den man schon aus seinen letzten Filmen - diejenigen nach „Midnight in Paris“ - kennt und die allesamt ähnlich nichtssagend wirkten. Der titelgebende „Rainy Day in New York“ ist zugegebenermaßen schon sehr schön anzusehen: Ein verregneter Herbsttag, eine Millionenmetropole voller stimmiger Bilder und obskurer Charaktere. Eine traumähnliche Atmosphäre. Was will man mehr? Ein gutes Drehbuch vielleicht.

    Die Dialoge erscheinen teilweise lächerlich, allerdings nicht auf erheiternde Weise, sondern eher deshalb, weil sie so unsinnig wirken. Die Witze kommen vor allem flach daher, wenn beispielsweise darüber diskutiert wird, ob eine aus Arizona stammende Person nun über Kakteen oder doch eher über Klapperschlangen spricht. Und auch die Charaktere erscheinen allesamt überzeichnet. Gerade Elle Fannings Charakter wirkt darüber hinaus auch noch äußerst dumm, was zusätzlich ein eher fragwürdiges Frauenbild darstellt. Wenn die als Kulturjournalistin betitelte Ashleigh während ihrem Interview mit Liev Schreibers Charakter mit Namen wie De Sica oder Bresson herumwirft, staunt dieser nicht schlecht, hätte er das einem jungen Mädchen gar nicht zugetraut. Als sie dann auch noch von weiteren europäischen Vertretern des Autorenkinos spricht, staunt er noch mehr, zumal sie auch Akira Kurosawa erwähnt, der bekanntermaßen Japaner war. Ashleigh scheint also alle Klischees des jungen, naiven Mädchens zu erfüllen. Haha, lustig.

    Dass sich Allen wohl in einer vergangenen Zeit gefangen fühlt, wird auch anhand seiner ständigen Verweise bemerkbar. Die Referenzen zu alten Filmen und vergangenen Stars, die in jedem zweiten Satz zu finden sind, sind einfach zu viel. Es wirkt so, als würde er testen wollen, ob sein Publikum zum Beispiel einen Verweis auf Norma Desmond aus „Sunset Blvd.“ versteht oder genauso belächelt werden kann wie seine weibliche Hauptfigur.

    Die Schauspieler sind teilweise zwar gut, (sehr) selten kann man auch wirklich lachen. „A Rainy Day in New York“ ist auch schön inszeniert. Viel mehr steckt aber nicht dahinter.
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    (Marion Schlosser)
    05.11.2019
    15:14 Uhr