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  • Bewertung

    Von sprechenden Katzen und CGI-Panzern

    Exklusiv für Uncut
    Bei dem Werk aus dem Hause Warner Bros. Japan handelt es sich um einen Anime-Film aus dem Isekai-Genre. Isekai bedeutet ins Deutsche übersetzt „Andere Welt“ und beschreibt einen Handlungsrahmen, in dem ein Charakter aus der realen Welt in eine Parallelwelt transportiert wird.

    „Wonderland – Das Königreich im Himmel“ ist eine Kollaboration zwischen dem japanischen Regisseur Keiichi Hara und dem russischen Illustrator Ilya Kuvshinov, von dem die Designs der Charaktere stammen. Bei dem Titel des Films mag der eine oder andere jetzt an das aus den Werken von Lewis Caroll stammende Wunderland denken, das bereits mehrfach in Filmform adaptiert wurde. „Wonderland – Das Königreich im Himmel“orientiert sich jedoch nicht an Carolls Werk, sondern basiert auf einer Kindergeschichte der japanischen Autorin Sachiko Kashiwaba.

    Das Hauptaugenmerk in „Wonderland – Das Königreich im Himmel“ liegt auf der Mittelschülerin Akane, die am Tag vor ihrem Geburtstag, ganz genretypisch, widerwillig zur einzigen Hoffnung einer langsam sterbenden Welt auserkoren wird. Gemeinsam mit der neugierigen Kuriositätenhändlerin Chi wird sie vom mysteriösen Alchemisten Hippokrates und dessen Lehrling Pip durch eine Kellertür in eine Parallelwelt geleitet. Das dortige Königreich, in dem es Zauberei und motorisierte Maschinen gibt, leidet unter einer verheerenden Dürre. Wasser ist rar und kann nur durch ein magisches Ritual, ausgeführt vom Kronprinzen des Königreichs, erschaffen werden. Dieser wurde aber verzaubert und das Ritual konnte seither nicht mehr vollzogen werden. Hippokrates hofft, dass Akane, als prophezeite Göttin des Grünen Windes, den Bann brechen und so dem Königreich das Wasser zurückbringen kann.

    „Wonderland – Das Königreich im Himmel“ glänzt vor allem durch seine Farbpracht und den hohen Detailreichtum, der besonders in den Hintergründen und Landschaftsszenerien bemerkbar ist. Viele der Orte regen da auch fast zum Pausieren an. Diese kurzweiligen Momente stellen auch die große Stärke des Films dar. Leider lässt sich dadurch auch bereits auf einen großen Kritikpunkt schließen. Ein großer Teil der Handlung verläuft in Form eines Roadtrips, auf dem die Charaktere viele interessante und beeindruckend designte Schauplätze zu sehen bekommen, für die sich der Film aber kaum Zeit lässt. Was besonders schade ist, wenn man beachtet, dass der Film auch reichlich von unschönem CGI Gebrauch macht. Besonders bleibt da eine Szene im Gedächtnis, in der die Gruppe einen Bergpass samt Hängebrücke überqueren muss. Leider gibt es immer wieder solche optischen Ausrutscher, die das sonst sehr stimmige Bild trüben. Man kommt nicht umhin, zu denken, dass der Film hier einiges an seinem Potenzial liegen gelassen hat.

    Ein weiter Kritikpunkt liegt in den Charakteren selbst. Die Heldin des Films, Akane, erfährt zwar im Laufe des Films, ganz genretypisch, eine Sinneswandlung und wächst über sich hinaus, ist aber auch von Beginn an wenig interessiert an den Geschehnissen, was sie wenig sympathisch wirken lässt. Im Allgemeinen geben einem die Nebencharaktere das Gefühl, dass in ihnen mehr Seele stecke als in der eigentlichen Heldin. Im Kontext des Films macht Akanes gleichgültige und zurückhaltende Art zwar Sinn, sorgt aber auch für wenig mitreißende Momente.

    „Wonderland – Das Königreich im Himmel“ mag nicht das große Meisterwerk sein, das sich mit Studio Ghibli Produktionen messen kann, auch wenn Einflüsse deutlich spürbar sind. Dennoch hat Keiichi Hara ein durchaus ordentliches Projekt abgeliefert, das vor allem visuell viel zu bieten hat und seinen Platz unter den anderen Genrevertretern finden wird. Es lässt einen jedenfalls gespannt auf zukünftige Projekte des Regisseurs blicken.
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    (Lukas Stigliz)
    19.06.2020
    10:44 Uhr