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  • Bewertung

    Liebe geht durch den Magen

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Was passiert, wenn sich ein Zombievirus entgegen des normalen Mythos nicht über Bisse sondern als sexuell übertragbare Infektion verbreitet? In Rodman Flenders neuester Horrorkomödie „Eat, Brains, Love“ wird ebendieser Prämisse nachgegangen, und das mit Charme, Blut und vor allem viel Herz.

    Es scheint als habe Regisseur Flender, der sein Handwerk unter Horrorlegende Roger Corman lernte, ein Faible für eine Mischung aus Comedy, Horror und Coming-of-Age entwickelt, findet man im Film doch zahlreiche Parallelen zu seinem 90er-Werk „Die Killerhand“ mit Seth Green und Jessica Alba, der zum Zeitpunkt seines Erscheinens zwar gnadenlos floppte, über die Jahre jedoch Kultstatus erlangt hat.

    An einem vermeintlich ganz normalen Tag, holt den einfältigen Kiffer Jake (Jake Cannavale) ein Fehler ein, den er bereuen sollte. Nach einem unrühmlichen One-Night-Stand hat er sich mit einem Zombievirus infiziert, der ihn inmitten des Cafeteriagetümmels überwältigt, worauf er sich der Reihe nach an seinen Freunden satt isst. Zeitgleich befällt auch die schöne Amanda (Angelique Rivera), heimlicher Schwarm von Jake, der Virus und im gnadenlosen Blutrausch fällt ihr Blick erstmals aufeinander. Stunden später wachen die beiden blutverschmiert, aber ohne jegliche Erinnerung an ihre Untaten auf, nichtsahnend dass ihnen bereits Agenten der Necrotic Control Division auf den Fersen sind. Die junge Agentin Cass, die wegen ihrer telekinetischen Kräfte rekrutiert wurde, sieht jedoch etwas in Jake und manipuliert so ihren Auftrag die beiden Untoten auszuschalten. Währenddessen finden Jake und Amanda allmählich Gefallen an ihrem Zustand, der nur bei Hunger oder starken Gefühlsregungen zum Vorschein kommt, und genießen auf einer Art „Fress-Roadtrip“ ihre neu gewonnene Freiheit.

    Der Horrorstreifen basiert auf den gleichnamigen Young-Adult-Roman von Jeff Hart, der in „Undead with Benefits“ fortgesetzt wird, im Rahmen des Slash Filmfestival verkündete Flender daher, dass er an einem Sequel des Films definitiv Interesse habe.

    Trotz des Gebrauchs zahlreicher Tropen und Klischees präsentiert sich „Eat, Brains, Love“ auf seine Art und Weise erfrischend anders. Nicht nur wird die Geschichte hierbei aus der Perspektive der vermeintlichen Monster erzählt, als Zuseher ertappt man sich gar dabei, mit ihnen zu sympathisieren und ihr Verhalten zu verteidigen, wenn sie einer Art moralischen Kodex folgen und nur scheinbar schlechte Menschen verzehren.

    Obwohl den Film eine gewisse Leichtigkeit durchzieht, zeigt sich dieser überraschend gory und explizit blutig, was allerdings immer wieder durch aufrichtigen, simplen Humor aufgelöst wird. Auch die Charaktere sind authentisch konstruiert und nehmen mit Charme und Witz unverzüglich die Herzen des Kinopublikums ein, der Fokus auf das im Laufe des Films entstehende Liebesdrama interferiert allerdings mit dessen Spannungsbogen, wodurch der Film nie einen richtigen Höhepunkt findet.

    Visuell eher unaufgeregt, punktet der Film vor allem durch seine spitzzüngige Komik und beweist, dass Rodman Flender nach 20-jähriger Filmpause, in der sich der Regisseur vorrangig dem Fernsehen verschrieben hat, ein talentierter Genreinszenator ist, der mit „Eat, Brains, Love“ anspruchslose, vergnügliche Kinounterhaltung liefert.
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    (Julia Pogatetz)
    24.09.2019
    23:47 Uhr