Filmkritik zu Extra Ordinary

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  • Bewertung

    Alles außer gewöhnlich

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Das Konzept eines Geisterjägers ist im Kino mit Sicherheit kein Neues. Was denn aber nun, wenn man dieses nicht selten angewandte Prinzip vom Großstadtdschungel weg in ein kleines irisches Dorf versetzt? Dann dürfte man wohl „Extra Ordinary“, das überaus sympathische Langfilm-Debüt von Mike Ehman und Enda Loughman bekommen.

    Worum geht es nun also genau?

    Die Fahrlehrerin Rose Dooley (Maeve Higgins) besitzt eine besondere Gabe: sie kann mit Geistern kommunizieren. Da sie sich jedoch immer noch für den schon 20 Jahre zurückliegenden Tod ihres Vaters, dem Geisterforscher Vincent Dooley (Risteard Cooper), verantwortlich macht, hadert sie damit, ihre besonderen Fähigkeiten zum Einsatz zu bringen. Als jedoch die Teenager-Tochter des verwitweten Martin Martin (Barry Ward), zu dem sich Rose hingezogen fühlt, von einem vermeintlichen Dämon besessen wird, entschließt sie sich dazu, die Angst vor der eigenen Gabe in den Griff zu bekommen und dem verzweifelten Vater weiterzuhelfen. Bald finden Martin und Rose jedoch heraus, dass es sich dabei um keinen einfachen Dämon handelt. In Wirklichkeit geht das sinistre Unterfangen nämlich vom einstigen Rockstar Christian Winter (Will Forte) aus, der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat, laut dem er ihm das Blut einer Jungfrau bringen muss, um wieder Erfolg zu erlangen. Martin und Rose müssen sich also ins Zeug zu legen, um das satanischen Vorhaben zu verhindern...

    Klingt schräg? Ist es auch!

    Mit „Extra Ordinary“ ist Ehman und Loughman eine Horrorkomödie gelungen, die durch und durch Laune macht. Ausgestattet mit abstrusen Ideen und bevölkert von exzentrischen Charakteren schafft es der Film über seine kompakte Laufzeit von knapp 90 Minuten hindurch zu unterhalten.

    Dafür zeichnen sich neben den ganzen kreativen Einfällen die Schauspieler verantwortlich, die allesamt sichtlich großen Spaß bei der Sache hatten. Die irische Stand-Up-Comedienne Maeve Higgins braucht als Protagonistin Rose nicht lange, um die Herzen der Zuschauer zu erobern. Mit der liebenswert tollpatschigen und durchaus charismatischen Verhaltensweise ihrer Figur – begleitet von einem drolligen irischen Akzent – wird sie die Sympathien des Publikums schnell bei sich haben. Auch Barry Ward macht als der leicht verängstigte Vater und Witwer Martin Martin einen absoluten soliden Job. Wenn denn sein Charakter im letzten Drittel zusätzlich auch noch vom Geist seiner schrulligen verstorbenen Frau (inklusive deren Faible für Zigaretten) in Anspruch genommen wird, wird das die Lachmuskeln der Zuschauer besonders anspannen . Das komödiantische Highlight bietet jedoch wahrscheinlich „Saturday Night Live“-Star Will Forte, dessen herrlich überspitze Darstellung des Ex-Rockstars mit bösartigen Absichten große Freude beim Zuschauen bereitet.

    Auch auf stilistischer Ebene weiß das Ganze völlig zu überzeugen. Obwohl sich das Geschehen zeitlich nicht immer hundertprozentig zuordnen lässt, ist das wundervolle Vintage-Ambiente, das passenderweise von einem retrohaften Synthie-Score untermalen wird, ein Augenschmaus zum Anschauen.

    Narrativ gesehen wirkt das Spielfilm-Debüt zugegebenermaßen nicht zu jedem Zeitpunkt rund. Vor allem im Finale wird der Bogen der Absurdität ein wenig überspannt und nicht jeder Gag weiß zu zünden.

    Trotz dieser paar Unzulänglichkeiten, die der Film mit ein paar Sympathiepunkten locker kaschieren kann, ist „Extra Ordinary“ eine quirlige, stylish inszenierte und über allem spaßige Horrorkomödie.

    Name ist Programm: ein außergewöhnliches Werk, an das man sich nach Verlassen des Kinos bestimmt noch lange erinnern wird!
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    (Christian Pogatetz)
    21.09.2019
    11:24 Uhr