Filmkritik zu Hustlers

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    JLo und der Reiz des Geldes

    Exklusiv für Uncut
    Lose basierend auf einem Artikel des „New York“-Magazins von Journalistin Jessica Pressler, erzählt „Hustlers“ die Geschichte einer Gruppe von Stripperinnen, die versuchen der Wirtschaftskrise mit ihrem eigenen (gesetzeswidrigen) Geschäftsmodell entgegenzuwirken. Regie und Drehbuch übernahm Lorene Scafaria, während Hollywoodgrößen Jennifer Lopez, Adam McKay und Will Ferell maßgeblich als Produzenten beteiligt waren.

    Die eher unerfahrene Stripperin Dorothy aka Destiny (Constance Wu) hat 2007 Schwierigkeiten sich in ihrer neuen Arbeit im Club „Moves“ zu etablieren, bis sich Szenenlegende Ramona (Jennifer Lopez) ihrer annimmt, und ihr nicht nur das Pole Dancing adäquat beizubringen versucht, sondern auch den richtigen Umgang mit Kunden. Rasch verdient Destiny ein Vielfaches als zuvor und zwischen ihr und Ramona entwickelt sich eine innige Freundschaft, die vor allem vom Wunsch nach Eigenständigkeit und Unabhängigkeit, den die beiden teilen, gefestigt wird. Nachdem Destiny allerdings ungewollt schwanger wird, verlieren sich die Freundinnen aus den Augen, zeitgleich trifft die Wirtschaftskrise mit voller Wucht New Yorks Geschäftsleben. Das vormals aus hauptsächlich reichen Geschäftsmännern bestehende Klientel von „Moves“ bleibt aus, und viele der Tänzerinnen kommen nicht drum herum andere Jobs anzunehmen. Ramona versucht sich als Modeverkäuferin, vermisst jedoch die Frei- und Feinheiten ihres früheren glamourösen Lebens. Auch die mittlerweile alleinerziehende Destiny ist von Geldnöten geplagt und sieht sich gezwungen wieder als Stripperin zu arbeiten, das Geschäft ist nun aber deutlich härter geworden. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich ihrer alten Freundin Ramona zu, die indessen eine neue Strategie entwickelt hat, an ihre alten Tage im Club anzuknüpfen, ohne sich Ausziehen zu müssen. Mit offenen Armen empfängt sie Destiny und lässt sie an ihrer Tätigkeit teilhaben. Das unter Drogen setzen und Ausnehmen reicher Geschäftsmänner scheint zwar zunächst ein Erfolg zu sein, gerät allerdings schnell aus den Fugen.

    Der Film besticht vor allem durch seine großartigen Performances, allen voran Hauptdarstellerin Constance Wu, bekannt aus dem Erfolgshit „Crazy Rich Asians“, der es gelingt ein sehr facettenreiches Schauspiel authentisch zu vermitteln. JLos Rolle wiederum wirkt wie maßgeschneidert für die Popdiva, man sieht, dass sie sich in ihrer Rolle als alteingesessene Startänzerin, zu der schon beinahe mütterlich aufgeblickt wird, sichtlich wohl fühlt. Gleichzeitig gelingt es ihr durch außergewöhnlich aufwendige Poledance-Einlagen zu beweisen, dass sie trotz ihrer fünfzig Jahre in körperlicher Bestform ist. Gastauftritte verschiedener Pop- und R ’n’ B -Stars wie beispielsweise Usher, Lizzo und Cardi B runden den sehr gelungenen Cast ab.

    Narrativ gesehen bedient sich „Hustlers“ mehrerer Zeitebenen, verbunden durch die Fragen der Journalistin, die in der Gegenwart die Protagonistin interviewt. Thematisch und stilistisch kann man unter anderem Parallelen zu Filmen wie „Wolf of Wall Street“ oder aber auch „The Big Short“ entdecken, die sich ebenso mit kriminellen Machenschaften im Zuge finanzieller Krisen befassen. Einzigartig ist hierbei allerdings der erstmals weibliche Blickwinkel, durch das fast ausschließlich weibliche Castingensemble und einer sehr ausgewogenen Darstellung des Stripperinnen-Alltags vermittelt der Film eine deutlich feministische Botschaft und kann gleichzeitig als Kapitalismuskritik verstanden werden.

    Auch visuell kann „Hustlers“ trotz seines relativ geringen Budgets punkten, in Verbindung mit schnellen Schnitten, grellen Farben, dem tollen Kostümbild und sehr eingängigen Popsongs, die im Kontext des Films oft eher mit einem Augenzwinkern eingesetzt werden, fügt sich so alles zu einem stimmigen Gesamtwerk.

    Nicht nur finanziell ein Erfolg, sondern auch von der internationalen Kritik äußerst positiv angenommen, hat sich „Hustlers“ im Zuge der Awards-Season gut durchsetzen können und wurde für zahlreiche Preise nominiert, insbesondere jedoch Jennifer Lopez, der für ihre Rolle gar eine Oscarnominierung als Beste Nebendarstellerin zugetraut wird.

    Letztlich war „Hustlers“ für mich die Überraschung des Jahres, niemals hätte ich Jennifer Lopez, die man sonst vorwiegend mit seichten Rom-Coms assoziiert, eine solch ausgewogene und auch mutige Rolle zugetraut. Der Film beweist durchgehend scharfzüngigen und selbstreflexiven Humor, hat aber ebenso tiefgründige Momente, in der auch Gesellschaftskritik zu Tragen kommt.
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    (Julia Pogatetz)
    13.12.2019
    18:45 Uhr