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    Langersehnte Verfilmung von Glattauers Bestseller

    Exklusiv für Uncut
    13 Jahre nach dem Erscheinen des Romans „Gut gegen Nordwind“ vom österreichischen Autor Daniel Glattauer folgt nun dessen Verfilmung mit Nora Tschirner und Alexander Fehling in den Hauptrollen. Vor ein paar Jahren gab es zwar schon ein Theaterstück mit Alexander Pschill und Ruth Brauer-Kvam im Theater in der Josefstadt, sonstige Adaptionen des digitalen Briefromans wurden allerdings bislang vermieden. Was womöglich auch am besonderen Aufbau der literarischen Vorlage lag, denn das Buch ist komplett in E-Mail-Form verfasst – und wie sollte man das filmisch so umsetzten, dass der Reiz dieser speziellen Art der Kommunikation nicht verloren geht?

    Als Emma Rothner (Nora Tschirner) ihr Abonnement beim Like-Verlag abbestellen möchte, unterläuft ihr ein folgenschwerer Fehler: Ihre Anfrage landet aufgrund eines Tippfehlers nämlich nicht bei einem Mitarbeiter des besagten Zeitungsverlages, sondern bei Leo Leike (Alexander Fehling), seines Zeichens Linguist, der gerade auf eine wichtige Antwort seiner Freundin wartet. Ein digitaler Dialog entspinnt sich zwischen beiden und mit der Zeit entwickelt sich sogar eine enge Freundschaft, die allerdings auf die virtuelle Ebene beschränkt bleibt. Als Leo und Emmi - wie er sie liebevoll nennt - immer tiefere Gefühle füreinander entwickeln, wird der gemeinsame E-Mail-Verkehr zur Zerreißprobe: Denn Emma ist verheiratet.

    Warum es 13 Jahre benötigte, bevor der Bestseller von Daniel Glattauer verfilmt wurde, stellt wohl ein Rätsel dar. So wirkt die Prämisse ein wenig veraltet: Im Jahr 2006 stellte ein „Verlieben im Netz“ noch eine Besonderheit dar, im Jahr 2019 ist dies weniger der Fall - in Zeiten von Instagram, Tinder und Co. stellt es eher eine Besonderheit dar, sich nicht über digitale Medien kennenzulernen.

    Mit Nora Tschirner und Alexander Fehling setzte Regisseurin Vanessa Jopp auf zwei große Namen der aktuellen deutschen Schauspielerriege, die vor einigen Jahren auch mal privat ein Paar waren. Die Chemie zwischen ihnen will aber leider nicht so recht entfacht werden, was vielleicht auch den Umständen geschuldet ist, dass die Kommunikation zwischen ihnen die meiste Zeit nicht direkt erfolgt. Tschirner verkörpert die Rolle der Emmi in gewohnt sympathischer Manier, Fehling hingegen wirkt in der Rolle des melancholischen Leo etwas fehlbesetzt. Bei den Nebenrollen sticht vor allem Ulrich Thomsen positiv hervor, bekannt vor allem aus dem Dogma-Klassiker „Das Fest“ von Thomas Vinterberg.

    Insgesamt wirkt vieles sehr gewollt, wie etwa die Musik, wenn beispielsweise Leonard Cohens „Who by Fire“ als großer Spannungsauflöser missbraucht wird oder das sich von der literarischen Vorlage unterscheidende Ende. Der Film hat auch mit einigen Längen zu kämpfen, gerade zu Beginn. Nichtsdestotrotz kann vor allem die Kameraführung und der klug eingesetzte Schnitt überzeugen, genauso Nora Tschirners Darstellung der Emma Rothner. Alles in allem erinnert Jopps „Gut gegen Nordwind“ aber teilweise an einen Klischee-Fernsehfilm.
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    (Marion Schlosser)
    08.09.2019
    20:39 Uhr