Filmkritik zu Crawl

Bilder: Constantin Film Fotos: Constantin Film
  • Bewertung

    See you later, Alligator!

    Exklusiv für Uncut
    In seinem neuestem Werk „Crawl“, produziert vom legendären Sam Raimi, beschäftigt sich Horrorregisseur Alexandre Aja, der sich 2010 mit dem Film „Piranha 3D“ schon einmal bissfreudigen Unterwasserwesen angenommen hat, mit blutrünstigen Riesenechsen, die im Chaos eines mächtigen Hurrikans ihr Jagdgebiet erweitern.

    Die Studentin Haley, die in Wettbewerben für ihr Universitätsteam in Florida schwimmt, bekommt nach einem verlorenen Bewerb einen beunruhigenden Anruf ihrer älteren Schwester. Diese macht sich Sorgen um deren gemeinsamen Vater Dave, da sich ein Hurrikan der Stufe fünf in rasender Geschwindigkeit auf Florida zubewegt und dieser nicht zu erreichen ist. Trotz der schwierigen Beziehung zu ihrem Vater beschließt Haley ihn auf eigene Faust zu suchen und findet ihn schließlich schwer verletzt und ohne Bewusstsein im Keller des alten Familienhauses wieder. Beim Versuch seinen Körper nach oben zu schaffen wird Haley jedoch von einem gewaltigen Alligator angegriffen, der ihr den Weg abschneidet. Der Hurrikan intensiviert sich zunehmend und als der Keller anfängt sich allmählich mit Wasser und mehr Alligatoren zu füllen, beginnt ein blutiger Überlebenskampf.

    Der Film weiß seinen reduzierten Cast, der zum größten Teil des Films ausschließlich aus den beiden Hauptdarstellern Kaya Scodelario und Barry Pepper als Vater-Tochter-Gespann besteht, pointiert einzusetzen und vermag dabei in einer Art Kammerspiel zu erreichen, was vielen Monsterfilmen dieser Art nicht gelingt. So stellt „Crawl“ eine sehr zufriedenstellende Symbiose aus klassischem Monsterhorror und Katastrophenfilm dar, wobei sich streckenweise selbst Charakteristiken eines Vater-Tochter-Dramas wiederfinden lassen.

    Trotz zahlreicher Anlehnungen auf andere Horrorklassiker, allen voran „Der weiße Hai“, auf den nicht nur musikalisch sondern auch inszenatorisch mehrmals Bezug genommen wird, nimmt sich der Film auf seiner emotionalen Ebene stellenweise etwas zu ernst, was vor allem durch einige manipulative fragmentarische Rückblenden deutlich wird, die dem Zuschauer die Beziehung zwischen Haley und ihrem Vater illustrieren sollen.

    Auch auf visueller Ebene kann der Film seinen Zuschauern einiges bieten. So wirken vor allem die Körper der Antagonisten, der Alligatoren, äußerst realistisch und detailgetreu, vor allem im höchst ästhetisch fotografierten Keller-Setting. Die extremen Wetterbedingungen des Hurrikans authentisch mit visuellen Effekten zu besetzen bereitet dem Film, vermutlich aus budgetären Gründen, jedoch Probleme, was in manchen Einstellungen irritierend oder gar störend wirken kann.

    „Crawl“ gelang es erstaunlich gut sich zwischen der Fülle an Sommerblockbustern durchzusetzen, was zu einem sehr positiven Einspielergebnis, vor allem im Horrorgenre, geführt hat. Zudem wurde der Film vorwiegend positiv von der internationalen Kritik aufgenommen und hält im Moment ein hervorragendes Rating von 82% auf der Rotten-Tomatoes-Skala.

    Alexandre Ajas Werk „Crawl“ behauptet sich als nervenzerreißendes, kurzweiliges Monsterspektakel, das zwar keinen bleibenden Eindruck im Horrorgenre hinterlässt, aber seine Zuseher spürbar unterhält und streckenweise sehr viel Spaß bietet.
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    (Julia Pogatetz)
    29.08.2019
    17:45 Uhr