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    Fade Geisterbahnfahrt der Marke „Conjuring“

    Exklusiv für Uncut
    Puppenhorror ist aktuell wieder in aller Munde. Bevor Ende des Monats Kultfigur Chucky für ein Remake auf die heimischen Leinwände zurückkehren wird und im August eine Fortsetzung zum Puppen-Schocker „The Boy“ anlaufen wird, treibt zunächst einmal „Conjuring“-Horrorpuppe Annabelle schon zum dritten Mal ihr Unwesen im Kino. „Annabelle 3“ stellt nicht nur den dritten Teil der gleichnamigen „Annabelle“-Reihe dar, sondern ist gleichzeitig auch der bereits achte Eintrag ins erfolgreiche „Conjuring“-Universum, das 2012 ins Leben gerufen wurde. Nachdem die beiden letzten Filme des „Conjuring“-Franchises, „The Nun“ und „Lloronas Fluch“, von Kritik und Publikum in der Luft zerrissen wurden, setzten viele Leute Hoffnungen auf die zweite „Annabelle“-Fortsetzung – stellte sich der Vorgänger von „Shazam“-Regisseur David F. Sandberg doch als (im Vergleich zum schwachen ersten Teil) grundsolider Gruselschocker heraus. Und auch wenn „Annabelle 3“ unter Regie von Gary Daubermann (er war bereits bei den ersten zwei Teilen am Drehbuch beteiligt) weit entfernt vom Totalausfall eines „The Nun“ ist, handelt es sich hier leider nichtsdestotrotz um eine herbe Enttäuschung.

    Der dritte „Annabelle“-Teil ist in der verwirrenden Timeline des Franchises ein paar Jahre nach den Ereignissen des allerersten „Conjuring“-Film einzuordnen. Das Geisterjäger-Ehepaar Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga), das in den ersten zwei klassischen „The Conjuring“-Filmen die Hauptrollen übernommen hatte, ist sich über die unheilbringenden Kräfte der verfluchten Puppe Annabelle im Klaren. Um zu verhindern, dass die von Annabelle ausgehenden Mächte weiterhin Schaden anrichten können, lässt das Paar die Puppe in einer Vitrine aus Glas, das zuvor von einem Priester geweiht wurde, einsperren. Diese stellen sie anschließend im „Warren Cult Museum“, ihrem hauseigenen Raum voller okkulter Artefakte, ab. Als die beiden eines Abends im Jahre 1972 einen anderen mysteriösen Fall untersuchen wollen, bestellen sie die Teenagerin Mary Ellen (Madison Iseman) zu sich nach Hause, um unterdessen eine Babysitterin für ihre Tochter Judy (McKenna Grace) zu Verfügung zu haben. Blöd ist nur, dass Mary ihre Freundin Daniela (Katie Sarife) mit ins Haus der Warrens nimmt und diese aufgrund des Ablebens ihres Vaters darauf bedacht ist, in Kontakt mit den Toten zu treten. Als es ihr gelingt die Vitrine zu öffnen, in der sich Annabelle befindet, dauert es nicht lange bis sich unheimliche Kräfte im Haus freisetzen, die die drei jungen Frauen schon bald in Angst und Schrecken versetzen.

    Da der Plot der Annabelle-Fortsetzung außerordentlich dünn geraten ist und sich das Geschehen fast ausschließlich in den Räumlichkeiten der Warrens abspielt, lässt sich nicht allzu viel über den Film sagen. Hier und da gibt es nett in Szene gesetzte Gruseleffekte (wie z.B. ein Moment, in dem ein Affenspielzeug von einem Dämon besessen wird), die in ihrer Verwendung jedoch schon bald ermüdend repetitiv daherkommen können und eher den Eindruck einer fast zweistündigen Geisterbahnfahrt erwecken, als den eines nachhaltig erinnerungswürdigen Horror-Schockers. Selbst wenn sich im Haus der pure Terror freisetzt und es für die Protagonisten kaum mehr möglich zu sein scheint, den dämonischen Mächten zu entfliehen, schafft es der Film nicht wirklich konsequent seine Spannung aufrecht zu erhalten und langweilt vielmehr. Dies liegt neben der repetitiven Elemente, auch an der Tatsache, dass man sich etwas zu oft klassischer Genre-Stilmittel wie dem Jumpscare bedient. Dabei gelingt in der Eröffnungssequenz noch durchaus ein wirklich schöner Schockmoment, der zurückhaltend effektiv inszeniert wurde und einem (im Gegensatz zu den späteren Ereignissen) tatsächlich das Gefühl gibt, als würde für die Charaktere hier etwas am Spiel stehen. Das Teenie-Drama, das sich rund um den Film abspielt, ist streckenweise zwar nett anzuschauen und fähig gespielt, gibt dem Film aber auch nicht unbedingt genügend Fleisch, um einen Kinobesuch lohnenswert zu machen.

    Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass „Annabelle 3“ kompetent inszeniert wurde und vereinzelt seinen Effekt als Horrorfilm erzielt, im Großen und Ganzen aber zu belanglos und auf Storyebene zudem zu platt daherkommt, um wirklich seine Existenz im „Conjuring“-Horror-Kosmos rechtfertigen zu können.

    Schade! So bleibt nur zu hoffen, dass das einst so interessante Horroruniversum bis zum 2020 erscheinenden „The Conjuring 3“ qualitativ wieder zu alter Stärke zurückfinden kann.
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    (Christian Pogatetz)
    03.07.2019
    20:58 Uhr