Filmkritik zu Das dunkle Paradies

Bilder: epo Film Fotos: epo Film
  • Bewertung

    In dubio pro reo

    Exklusiv für Uncut von der Diagonale
    Im Zweifel für den Angeklagten - so lautet der uralte Grundsatz. In Catalina Molinas neuestem ORF-Landkrimi „Das dunkle Paradies“, in dem der bereits zweite Fall (nach „Drachenjungfrau“ , der 2016 auf der Diagonale gezeigt wurde) des eher unfreiwilligen Salzburger Ermittlerduos bestehend aus Kommissar Merana (Manuel Rubey) und Postenkommandantin Heilmayr (Stefanie Reinsperger) erzählt wird, scheint dieses Prinzip jedoch keine Bedeutung zu haben. Denn als frühmorgens die Leiche eines stadtbekannten Callgirls aus dem Zeller See gefischt wird, scheint der Täter für die Polizei bereits festzustehen. Der amtsbekannte Ex-Junkie Roland, der noch dazu zuletzt mit dem Opfer gesehen wurde und unglücklicherweise kein Alibi hat, muss es gewesen sein. Nun sieht sich Franziska Heilmayr gezwungen in den Fall eingreifen, handelt es sich beim Tatverdächtigen doch gerade um den Bruder ihrer Lebenspartnerin Anni (Andrea Wenzl), der erst kürzlich begonnen hatte sich ein neues Leben aufzubauen, um für seine kleine Tochter Mia da sein zu können.

    Doch Franziska hadert nicht nur damit den ermittelnden Kommissar, der sich ausgerechnet als ihr alter Bekannter Martin Merana herausstellt, davon zu überzeugen sie in den Fall miteinzubeziehen, auch privat stellt sich ihr ihre eigene Unsicherheit konsequent in den Weg und so bringt sie es nach mehreren Versuchen nicht übers Herz sich ihren kleinkarierten Eltern gegenüber zu outen. Auch im Verlauf der Ermittlungen stoßen sie und Merana an ihre Grenzen, denn die Beweislage spricht gegen Roland und als dieser auch noch ein Geständnis ablegen möchte, wirkt der Fall verloren. Doch eine heiße Spur im örtlichen Luxushotel scheint plötzlich ein ganz neues Licht auf den Fall zu werfen und das Netz aus Lügen und Korruption, von dem das Gewaltverbrechen umgeben ist, scheint sich allmählich zu entwirren.

    Wie schon im Jahr zuvor, feierte auch auf der diesjährigen Diagonale ein aktueller Landkrimi seine Premiere und abermals konnte bewiesen werden, dass es dem ORF gelingt mit hochwertigen, spannenden Produktionen ein breites Publikum für sich zu begeistern. Verbunden wird das mit einem unentwegt sympathischen sowie authentischen Schauspielerensemble, allen voran die großartige Stefanie Reinsperger, die nicht nur komödiantische Szenen mit Bravour zu meistern vermag, sondern auch in emotional aufgeladenen Momenten nie an Glaubwürdigkeit verliert. Dem Landkrimi typisch werden auch hier idyllische Landschaften und unberührte Natur dem Grauenhaften, dem Bösen gegenübergestellt, wodurch immer wieder eine einzigartige Atmosphäre aufgebaut wird. In Szene gesetzt wurde der Fernsehfilm von Klemens Hufnagl, der allein im diesen Jahr schon zwei große Auszeichnungen für seine Arbeit entgegennehmen durfte, unter anderem den Diagonalepreis für Beste Bildgestaltung für den Film „Bewegungen eines nahen Bergs“. Ein exaktes Ausstrahlungsdatum ist noch nicht bekannt, der Film wird jedoch vermutlich Ende 2019 im Programm des ORF sowie des ZDF gezeigt werden.
    juliap_6446b04045.jpg
    (Julia Pogatetz)
    06.04.2019
    16:14 Uhr