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    Unterhaltsames Porträt einer umstrittenen Filmkritikerin

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2019
    Filmkritik stößt nicht immer auf einstimmigen Zuspruch. Besonders kritische Filmjournalisten, die häufig dem allgemeinen Konsens widersprechen, müssen ironischerweise wiederum oft von vielen Seiten Kritik einstecken. Als besonders kontrovers galten die Beiträge der berüchtigten Filmkritikerin Pauline Kael, die zwischen 1968 und 1991 für die Zeitung „The New Yorker“ tätig war. Während zahlreiche Leute Kaels persönlichen Schreibstil, der sämtlichen vermeintlich objektiven Standards und Richtlinien zum Medium Film strotzte, bewunderten, sah sie sich für die Schonungslosigkeit ihrer Kritiken auch mit einigen gegnerischen Stimmen konfrontiert. Filmemacher Rob Garver hat sich in der Doku „What She Said: The Art of Pauline Kael“, die im Rahmen der Panorama-Sektion der diesjährigen Berlinale ihre Europapremiere feiern durfte, dem umstrittenen Schaffenswerk der 2001 verstorbenen Filmkritikerin zugewandt. Herausgekommen ist dabei ein informatives wie auch amüsantes Porträt einer Frau, deren Arbeit die Gemüter spaltete.

    Das eigentliche Leben der Kritikerin ließ Garver dafür in den Hintergrund rücken und lediglich sporadisch blitzen hier und da Informationen über Kaels Jugend und ihrem Privatleben durch. In erster Linie handelt es sich hierbei nämlich um eine dokumentarische Aufarbeitung Kaels langjähriger Tätigkeit als Filmjournalistin, die untermalt mit einer Narration von Schauspielerin Sarah Jessica Parker eindrucksvoll Revue passieren lässt, wie ihr Schaffen unzählige Personen erreichen konnte – egal ob nun auf positive oder negative Art und Weise. Kael nahm sich nie ein Blatt vor den Mund, gab sich keinerlei aufgezwungenen Trends hin und war in ihren Rezensionen zu jeder Zeit daran bemüht, ihren persönlichen Eindruck zum jeweiligen Film ehrlich und offen wiederzugeben. Dabei trat nicht allzu selten der Fall ein, dass Kael Filmen, die vom restlichen Feuilleton nahezu einstimmig mit Lob überschüttet wurden, wenig bis gar nichts abgewinnen konnte. So zeigt Garver hier unter anderem, dass Kael nicht der allergrößte größte Fan von Regielegende Stanley Kubrick gewesen sein durfte und dafür wie auch für andere Meinungen abseits des allgemeinen Konsens Hass erntete. Dabei versucht der Film jedoch keineswegs Kael als Heilige zu porträtieren und vermittelt ein eher ambivalentes Gesamtbild ihres Werks - gezeichnet von Ecken und Kanten. In einem Moment bekommt man beispielsweise einen Clip mit Filmemacher David Lean zu sehen, in dem dieser ein Treffen mit Kael schildert, bei dem sie vor seinen eigenen Augen Leans Oeuvre als Filmemacher in der Luft zerriss. Szenen wie diese legen die Schwächen der Kritikerin offen und geben dem Zuschauer ein besseres Gespür dafür, warum Kael für ihre angriffslustige Ader ins Kreuzfeuer der Kritik geriet und nicht nur Lob einheimsen durfte. Primär konzentriert man sich hier jedoch auf den positiven Einfluss, den die Arbeit der Kritikerin selbst auf einige Künstler ausüben konnte. Neben altem Archivmaterial, wurden im Film zwischenzeitlich so auch aktuelle Kurzinterviews mit erfolgreichen Filmemachern wie Quentin Tarantino, David O. Russell oder Paul Schrader hineingeschnitten, in denen diese enthusiastisch ihre Bewunderung gegenüber der Journalistin zum Ausdruck bringen.

    Schlussendlich hat Rob Garver mit „What She Said – The Art of Pauline Kael“ ein hoch unterhaltsames dokumentarisches Porträt einer Persönlichkeit geschaffen, die trotz all ihrer Schattenseiten, stets eine einzigartige Sichtweise und Leidenschaft dem Medium Film gegenüber an den Tag legte, die ihre Arbeit bis heute unvergessen macht. Ein Schmankerl für Cineasten!
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    (Christian Pogatetz)
    15.03.2019
    09:11 Uhr