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  • Bewertung

    Episodenhafte Erzählung über Verzweiflung

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2019
    In ihrem neuesten Film klaubt die deutsche Regisseurin Angela Schanelec lose die Erzählung einer Mutter zusammen, die sich im fortschreitenden Alter mit ihrer Depression und der Tatsache auseinandersetzen muss, alleine für zwei Kinder zu sorgen. Gemäß der Berliner Schule, der Schanelec entspringt, rahmt die dünne Handlung eine Anzahl an unzusammenhängenden ortlosen Szenen, die aus einer unbeteiligten Perspektive gefilmt wurden und von dem ähnlich sterilen Schauspiel ihrer Figuren leben.

    Die Frau, Astrig (Maren Eggert), hat einen älteren Sohn der regelmäßig von der Schule abhaut und Probleme hat in der Schulaufführung von Hamlet seinen Part zu leisten. Die Lehrer selber wissen auch nicht wie sie mit dem Jungen umgehen sollen und ob er eine Bestrafung verdient. Astrid selber wird an einem Punkt einfach im Lehrerzimmer auftauchen und eine lange Standpauke halten, warum man ihren Sohn nicht verurteilen sollte.

    Sonst beobachtet der Zuschauer andere unglückliche und anstrengende Momente in ihrem Leben. So kauft sie unter anderem ein nicht funktionsfähiges Fahrrad von einem Mann, der nach einem langen Streit sich schließlich bereit erklärt ihr das Geld zurück zu überweisen. Unterbrochen werden diese Momente des menschlichen Elends durch unzusammenhängende Szenen von Tieren, wie etwa einem Hund der einen Hasen jagt oder einem Esel, der in einem Haus aus dem Fenster schaut.

    Schanelec lässt Astrid jedoch nicht nur auf ihr Schicksal reagieren, sondern auch agieren. In einer der besseren Sequenzen des Films lässt ihre Protagonistin mit einem Filmemacher darüber diskutieren ob er Schauspieler Situationen vortäuschen lassen soll versus den Anspruch an Wahrheit und Wahrhaftigkeit und die Existenz von Menschen mit echten tödlichen Krankheiten. Sie benennt diesen Wiederspruch als unehrlich gegenüber den Menschen. Der Regisseur lässt sie wissen, dass sie wahrscheinlich von sich selbst auf den Film projiziert.

    Es ist schwer viel über den Film zu sagen, da er in die Kategorie fällt, man muss sich auf seine Erzählweise einlassen oder nicht. Für mich persönlich hat er weniger funktioniert, aber andere werden vielleicht die eine oder andere Botschaft daraus mitnehmen.
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    (Susanne Gottlieb)
    28.08.2019
    20:23 Uhr
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