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  • Bewertung

    Wohltuender Weihnachtskitsch mit George-Michael-Soundtrack

    Exklusiv für Uncut
    Paul Feig erlangte einst als Schöpfer der hochbeliebten und auch einflussreichen Highschoolserie „Freaks & Geeks“ Bekanntheit. Mittlerweile hat sich der US-amerikanische Regisseur jedoch zum Filmemacher gemausert und konnte mit Komödien wie „Brautalarm“ und „Spy“ bei Kritik und Publikum auch große Erfolge verbuchen. In seinen (oft eher komödiantisch angehauchten Werken) ist Feig immer darum bemüht, starke weibliche Figuren ins Zentrum zu stellen, die altbackenen Stereotypen klassischer US-Komödien strotzen. Zumeist schreibt Feig die Drehbücher seiner Filme aber nicht selbst, sondern nützt seine Macht als Filmemacher vielmehr dazu, weiblichen Autorinnen eine eigene Plattform für ihre Skripten zu geben. So wurde das Skript zu Feigs neuestem Spielfilm „Last Christmas“ von niemand geringerem als Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Emma Thompson beigesteuert. Herausgekommen ist dabei eine unterhaltsame Rom-Com mit weihnachtlichem Setting, die jedoch auch mit einigen Problemen zu kämpfen hat.

    Vorerst aber: Worum geht es überhaupt?

    Die romantische Komödie widmet sich der Anfang 30-jährigen Kate (Emilia Clarke), die mit dem derzeitigen Stand ihres Lebens nicht zufrieden ist. Sie hält sich mit einem Job als Weihnachtself in einem Londoner Geschäft über Wasser, wurde erst kürzlich aus ihrer Wohnung hinausgeworfen und auch das Liebesleben der jungen Frau ist ein absolutes Chaos. Als sie eines Tages auf den charmanten Tom (Henry Golding) trifft und sich in diesen verliebt, kehrt endlich wieder Hoffnung und Veränderung in ihr Leben ein. Durch die neue Beziehung gelingt es ihr endlich wieder aus ihrer Haut herauszukommen und ihrem eigenen Herzen zu folgen.

    Man mag es glauben oder nicht, aber tatsächlich entpuppt sich Hauptdarstellerin Emilia Clarke als die große Antriebskraft des Films. Clarke, die in ernsteren Rollen bisher eher selten überzeugen konnte, beweist hier, dass man sie in Zukunft wohl öfters in Komödien besetzen sollte, denn hier präsentiert sich die britische „Game of Thrones“-Darstellerin absolut in ihrem Element. Die Mixtur aus sympathischer Tollpatschigkeit, Neugierde und einer gewissen Traurigkeit, die ihrer Figur obliegt, verkörpert Clarke mit einer derart ansteckenden Energie, dass die Sympathien des Publikums schon sehr bald bei ihr sein dürften. Auch ist es Clarkes 'comedic timing' zu verdanken, dass dem einen oder anderen Witz, der sonst eventuell nach hinten losgegangen wäre, der nötigen Charme verliehen wird. Auch der restliche Cast macht seine Sache weitestgehend überzeugend. Michelle Yeoh gibt als nach außen hin harte, aber mit weichen Kern ausgestattete Besitzerin des Weihnachtsladen, in dem Kate Tag ein Tag aus arbeitet, auch eine solide Figur ab. In späterer Folge wird Yeohs Figur jedoch ein persönlicher Love-Interest gegeben und leider changieren ebendiese Szenen zwischen amüsantem Schmunzel-Humor und legitimem Fremdscham-Faktor. Ähnliches Problem existiert auch bei Drehbuchautorin Emma Thompson, die im Film auch selbst die kroatische Mutter der Protagonistin verkörpert. Thompson macht ihre Sache an sich gewohnt gut, nur leider zieht der enorm gekünstelte Akzent, den sie sich hier aufgezwungen hat, ihre Szenen ebenfalls ein wenig in den Bereich des unfreiwillig Komischen. Henry Golding leistet als Kates Gegenüber Tom eine passablen Job, jedoch weiß die Chemie zwischen ihm und Clarke nie so richtig zu funken.

    Auch wenn der Film die meiste Zeit über einen angenehmen Charme versprüht und selbst der Kitsch-Faktor meistens ehrlich genug daherkommt, um seinen Zweck zu erfüllen, verzettelt man sich im letzten Drittel leider ordentlich. Neben der Tatsache, dass ein paar der politischen Themen wie Armut in der Großstadt sehr lieblos und willkürlich abgehandelt werden, ist es besonders ein gewisser 'unerwarteter' Plot-Punkt, der die Komödie qualitativ massiv herunterzieht. Der besagte Twist lässt sich nicht nur schon kilometerweit entfernt erahnen, sondern wird dann bei der 'großen Auflösung' dem Publikum auch noch mal im Erklär-Bär-Modus ganz genau geschildert und fühlt sich zudem trotz seiner Vorhersehbarkeit wie ein unbequemer Fremdkörper im Film an.

    Zudem funktioniert das Gimmick, den Soundtrack fast ausschließlich aus Songs des 2016 verstorbenen Weltstars George Michael bestehen zu lassen, nur bedingt. Obwohl man sich einer breiten Palette an Songs des Künstlers bediente (von „Wake Me Up Before You Go Go“ hin zum titelgebenden „Last Christmas“), wirken viele der Nummern just willkürlich platziert und begleiten nur in den seltensten Fällen passend das Narrativ.

    Immerhin kann sich die Rom-Com auf den letzten Metern noch mit einem durchaus herzlichen und ehrlich liebenswerten Finale retten, bei dem einen – wie es in einem Weihnachtsfilm auch sein sollte – noch warm ums Herz wird.

    So lässt sich zusammenfassend sagen, dass Paul Feig mit „Last Christmas“ eine weihnachtliche Rom-Com geschaffen hat, die in Unmengen an zuckersüßer und durchaus wohltuender Kitsch-Zuckerwatte eingerollt wurde. Spätestens jedoch, wenn man den bitteren Kern erreicht hat, merkt man aber, dass das Ganze dann doch nicht so schmackhaft war wie man anfangs noch dachte.

    This christmas, this movie might take your heart, but the very next day, it will be away.
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    (Christian Pogatetz)
    17.11.2019
    12:21 Uhr