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  • Bewertung

    Spaßiger Eurotrip mit Spidey und Co

    Exklusiv für Uncut
    Spider-Man-Fans können sich zurzeit wohl glücklich schätzen. Nachdem vor nun schon zwei Jahren die populäre Heldenfigur mit „Spider-Man: Homecoming“ ihren gelungenen Einzug ins MCU feierte, kamen allein im letzten Jahr mit dem PS4-Videospiel „Marvel's Spider-Man“ und dem mehrfach preisgekrönten Animationsfilm „Spider-Man: Into the Spider-Verse“ zwei der bis dato bejubeltsten Erzeugnisse der Marke Spider-Man auf den Markt. Der momentane Siegeszug der Spinne ist auch weiterhin nicht zu bremsen wie der aktuelle Kinostart von „Spider-Man: Far From Home“ eindrücklich beweist. Dabei handelt es sich nicht nur um die Fortsetzung des 2017 erschienenen „Spider-Man: Homecoming“, sondern zur selben Zeit auch um den 23. Film im rentablen „Marvel Cinematic Universe“ sowie zudem um das offizielle Ende der Phase 3 des MCU. Dementsprechend dient der Film dem im April erschienenen Sensationserfolg „Avengers: Endgame“ quasi als Epilog. Wer es also bis jetzt noch nicht geschafft hat sich „Avengers: Endgame“ anzuschauen, sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen, da Spoiler zu den essentiellen Ereignissen, die sich darin zugetragen haben, wohl oder übel nicht gänzlich vermieden werden können.

    „Spider-Man: Far From Home“ setzt kurze Zeit nach den Geschehnissen in „Avengers: Endgame“ an und begleitet Peter Parker aka Spider-Man (Tom Holland) auf Klassenfahrt in Europa. Während er dabei eigentlich nur ein normaler Teenager sein möchte und seiner Schulkollegin MJ (Zendaya) die Gefühle, die er für sie empfindet, gestehen will, wird der Schultrip plötzlich von niemand geringeren als Nick Fury (Samuel L. Jackson) unterbrochen. Mysteriöse Kreaturen, die Elementals genannt werden, haben sich quer durch Europa verbreitet und zur Bekämpfung dieser benötigt Furys Organistation S.H.I.E.L.D. Hilfe vom Teenie-Superhelden, der einst von einer radioaktiven Spinne gebissen wurde. Verstärkung bekommt der jüngste Avenger dabei dann auch vom ebenfalls mit Superkräften ausgestatteten Quentin Beck alias Mysterio (Jake Gyllenhaal), der von Nick Fury und S.H.I.E.L.D-Agentin Maria Hill (Cobie Smulders) in Mexiko entdeckt wurde.

    Auf das eine Highlight folgt das nächste: Nachdem „Avengers: Endgame“ sich bereits als einer der stärksten Vertreter des gesamten MCU entpuppte, darf nun auch Folgefilm „Spider-Man: Far From Home“ als einer der wohl gelungensten Beiträge im filmischen Kosmos Marvels bezeichnet werden. Wie auch schon im ebenso geglückten Vorgänger „Homecoming“ wird klassischer Marvel-Superhelden-Bombast mit überraschend effektiven Elementen des Coming-of-Age-Films vermischt. Während der High-School-Comedy-Part in Teil 1 noch stark an Filme des Genre-Großmeisters John Hughes (u.A.: „Ferris macht blau“, „The Breakfast Club“) erinnerte, hat man es in der Fortsetzung geschafft, dem Coming of Age-Aspekt noch zusätzlich seine eigene Identität zu verleihen. So fühlt sich der Film im Vergleich zum düsteren „Endgame“ in vielen Momenten angenehm beschwingt und heiter an. Einmal mehr weiß der (oft bewusst juvenile) Slapstick-Humor prima zu funktionieren, was neben der überraschend bodenständigen Darstellung der High-School-Klasse auch dem großartigen Repertoire an Figuren und deren spielfreudigen DarstellerInnen zu verdanken ist. Peter Parkers sympathischen besten Freund Ned (Jacob Bathalon) wurden hier einmal mehr einige der witzigsten One-Liner im Film zuteil, Tony Revelori darf als „Rich Kid“ Flash Thompson wieder den peinlich unterhaltsamen Schulmobber geben und auch Peters Lehrer Mr. Harrington (in wundervoller Deadpan-Manier: Martin Starr), der im ersten Teil schon für einige der größten Lacher sorgen konnte, wird hier wieder die Lachnerven des Publikums treffen. Selbst ein Charakter wie Starks Industries-Sicherheitschef Happy Hogan (Jon Favreau), der bisher eher als kleiner Nebencharakter gehandhabt wurde, wird hier zentral in das Geschehen mit eingebunden.

    Woraus der Film neben dem Humor seine Antriebskraft zieht, ist definitiv die großartige Chemie zwischen Tom Holland und Zendaya, die die (bewusst) peinlich kitschige Romanze, die langsam aber sicher zwischen Peter Parker und MJ entsteht, zum großen Spaß für die Zuschauer macht. Während Zendayas Neuinterpretation von MJ im ersten Teil noch sehr nebensächlich war, wird sie in der Fortsetzung zum Hauptcharakter befördert und kann mit der sarkastisch kecken Herangehensweise an die Figur absolut überzeugen. Tom Holland hingegen beweist in den erstaunlich kreativ inszenierten Actionszenen, dass in ihm nicht nur das Zeug für einen fantastischen Peter Parker steckt, sondern auch ein großartiger Spider-Man, dessen Namen er hier mit körperlicher Hingabe alle Ehre macht.

    Der sonst eher als Charakterdarsteller bekannte Jake Gyllenhaal weiß in seinem MCU-Debüt als Mysterio ebenfalls aufzugehen und hatte mit seiner bewusst „over the top“ angelegten Rolle sichtlich Freude.

    Trotz der vergleichsweise eher lockereren Stimmung, nimmt „Far From Home“ die tragischen Ereignisse aus „Endgame“ durchaus ernst und versucht diese nicht ins Lächerliche zu ziehen. Peter Parker wird genügend Zeit dafür eingeräumt, den Tod dessen ehemaligen Mentors Tony Stark und den restlichen gefallenen Helden zu betrauern. In den ersten Minuten schafft es der Film sogar in seinem eigenen Mikrokosmos die Geschehnisse der letzten fünf Jahre (nach Thanos' verheerenden Schnipsen) logisch zu erklären, was hier auf erstaunlich verspielte Art und Weise eingefädelt wurde und treffend den Zeitgeist heutiger Jugendlicher einfangen dürfte.

    Über den eigentlichen Plot-Verlauf sollte man im Vorhinein am besten wenig wissen, da man hier mit vielerlei Überraschungen konfrontiert werden wird. Es darf einem aber schon mal schmackhaft gemacht werden, dass der Film mit ein paar psychedelischen Sequenzen aufwarten lässt, die zweifelsohne zu den ästhetisch originellsten Momenten im sonst oft visuell drögen MCU gehören.


    Alles in allem lässt sich also sagen, dass Regisseur Jon Watts mit „Spider-Man: Far From Home“ einmal mehr tadellose Superheldenunterhaltung aus dem Hause Marvel gelungen ist, die einen schönen Mittelweg zwischen Teeniekomödie und effekthaschenden Action-Bombast findet.

    Ein mehr als gelungenes Finale der Phase 3 des MCU und gleichzeitig der wohl perfekte Beweis dafür, dass es sich bei Tom Holland um den wahrscheinlich bisher besten Spider-Man-Darsteller handelt!

    Zu guter Letzt noch ein wichtiger Hinweis: Nach dem Abspann sollte man unbedingt noch sitzen bleiben, da Zuschauer hier zwei der bisher wohl wichtigsten After-Credit-Scenes des gesamten Marvel Cinematic Universe aufgetischt bekommen.

    Bis dahin, nicht vergessen: „With great power, comes great responsibility.“
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    (Christian Pogatetz)
    03.07.2019
    09:42 Uhr