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    Wenn du das Haus betrittst, erwartet dich der Tod

    Exklusiv für Uncut
    Als im Jahr 2002 „The Ring“ in die Kinos kam, stellte dies den Start unzähliger amerikanischer Remakes japanischer Horrorfilme dar. So reihte sich zwei Jahre später auch „The Grudge“ in diese Reihe an Neuverfilmungen ein, wobei hier abermals Takashi Shimizu als Regisseur eingesetzt wurde, der bereits bei dessen japanischen Verfilmung aus dem Jahr 2002, „Ju-On“, Regie führte. Nun, im Jahr 2020, gibt es sogar schon über zehn Filme, die zu dieser Filmreihe gezählt werden; von Nicolas Pesce kommt nun ein weiterer in die Kinos. Ob das allerdings wirklich notwendig war, ist leider fraglich.

    Detective Muldoon (Andrea Riseborough) zieht mit ihrem Sohn Burke (John J. Hansen) nach dem Tod ihres Mannes in eine kleine Stadt in Pennsylvania. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Detective Goodman (Demián Bichir) wird sie gleich nach ihrer Ankunft zu einem Waldstück gerufen, in dem ein Auto samt Frauenleiche gefunden wurde. Es handelt sich zwar eindeutig um einen Unfall, nachdem Goodman allerdings äußerst seltsam reagiert, als herauskommt, dass das Opfer kurz vor ihrem Tod ein Haus am „44 Reyburn Drive“ besucht hatte, beginnt die junge Ermittlerin die Hintergründe zu recherchieren. Was Muldoon (noch) nicht weiß: Über dem Haus liegt ein Fluch, der diejenigen, die es betreten, in einen gewaltsamen Tod führt.

    Produziert unter anderem von Sam Raimi, unter der Regie von Nicolas Pesce und Andrea Riseborough als Hauptdarstellerin – in der Theorie wirkt das Reboot der „The Grudge“-Reihe eigentlich ziemlich vielversprechend. Gerade Pesce bewies in der Vergangenheit, mit Filmen wie „The Eyes of My Mother“ und „Piercing“, dass er erfrischend nonkonformistische Ideen auf die Leinwand bringt. „The Grudge“ zeigt sich dann aber leider doch als ziemlich lieblose Adaption eines Stoffes, der ohnehin schon sehr häufig behandelt wurde.

    Allen Adaptionen von „The Grudge“ ist jedenfalls gemein, dass die Handlung mit einem eingeblendeten Text, der das Publikum über eine alte japanische Redensart informiert, beginnt: Wenn jemand in großer Wut oder Angst stirbt, dann bleibt dieses Gefühl an dem Ort des Todes zurück – ein Fluch entsteht. Aber auch auf die bekannte Duschszene (Stichwort Hände im Haar) und den Gebrauch von verschiedenen Handlungssträngen und Zeitebenen wurde bei der 2020er-Version nicht verzichtet. So wird auch hier die Handlung nicht chronologisch erzählt, was leider dazu führt, dass die einzelnen Erzählstränge ziemlich abgehackt wirken, worunter wiederum der Erzählfluss leidet. Kaum beschäftigt man sich mit einer Familie aus dem Jahr 2004, zack, ist man auch schon wieder bei der nächsten im Jahr 2006. Dass die zeitliche Einordnung der Handlung sich mit dem Zeitraum des ersten amerikanischen Remakes deckt, damit irgendwie ein Zusammenhang zwischen der verschiedenen Verfilmung hergestellt wird, wäre jetzt auch nicht unbedingt notwendig gewesen.

    Dass man aber trotzdem auch zu einem gewissen Grad unterhalten ist, ist vor allem den DarstellerInnen zu verdanken, allen voran Andrea Riseborough. Sie schafft es, dass man trotz etlicher Mängel, die die Inszenierung betreffen, trotzdem noch Interesse an der Handlung entwickelt. Gerade die teilweise billigen Jumpscares enttäuschen dann aber doch: Wenn jemand gefühlte fünf Minuten mit seinem Kopf über einer mit brauner Flüssigkeit gefüllten Badewanne hängt, in der es immer wieder blubbert und man schon das Unheil aus 10km Entfernung erahnen kann, ist das nicht nur etwas, was man schon unendlich oft gesehen hat, sondern auch eine Zerreißprobe der Geduld, die in diesem Moment wahnsinnig überstrapaziert wird. Denn wenn dann, nach fünf Minuten des „spannungsgeladenen“ Wartens lediglich zwei Hände aus besagter Flüssigkeit herausschnellen, stellt dies alles andere als eine befriedigende Auflösung des Spannungsaufbaus dar. Und auch am Design der „bösen Geister“ haperte es immer wieder, gerade zu Beginn.

    Was erwartet man sich von einem Reboot einer Horrorfilmreihe rund um „The Grudge“? Eine spannende Handlung, eine gelungene Atmosphäre und vielleicht noch den ein oder anderen effektiv eingesetzten Jumpscare. Wird diese Erwartungshaltung erfüllt? Nicht wirklich. „The Grudge“ erinnert viel eher an ein transzendentales Drama als an einen Mainstream-Horrorstreifen. Sehenswert ist der Film für alle, die gute Schauspielleistungen und ein ziemlich gelungenes Set und Sound Design als wichtige Faktoren für ein gutes Seherlebnis voraussetzen. Horrorblockbuster inklusive effektiver Jumpscares oder Arthouse-Grusel sei aber eher nicht zu erwarten.
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    (Marion Schlosser)
    08.01.2020
    20:41 Uhr