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  • Bewertung

    Seelenloser Neuaufguss eines populären Blockbuster-Franchise

    Exklusiv für Uncut
    Nach dem weltweiten Erfolg von „Men in Black 3“ (2012), der knapp fünfzehn Jahre nach Veröffentlichung des ersten Teils erschien, stand für lange Zeit die Frage im Raum ob und wie die beliebte Sci-Fi-Comedy-Reihe denn weitergeführt werden sollte. Zunächst war noch die Rede von einem klassischen vierten Teil, für den Will Smith und Tommy Lee Jones einmal mehr in ihre kultigen Rollen der beiden Alien-Jäger Agent K und Agent J geschlüpft wären. Danach wurde Ende 2014 bekanntgegeben, dass statt einer herkömmlichen Fortsetzung ein gemeinsames Crossover mit der „21 Jump Street“-Reihe mit dem eleganten Titel „MIB 23“ entstehen sollte. Als jedoch auch das geplante Crossover mir nichts, dir nichts gestrichen wurde, stand es um die Zukunft der Marke „Men in Black“ nicht unbedingt rosig. Zumindest schien es so, bis Anfang letzten Jahres auf einmal angekündigt wurde, dass das verstaubte Franchise für einen Spin-Off-Film mit neuem Agentenpaar wieder ausgegraben werden sollte. Und tatsächlich konnten die Pläne diesmal ausnahmsweise in die Tat umgesetzt werden und das Spin-Off mit dem einfachen Titel „Men in Black: International“ läuft nun in den weltweiten Kinos. Für die Regie wurde der US-Filmemacher F. Gary Gray beauftragt, der vor wenigen Jahren den Überraschungserfolg „Straight Outta Compton“ inszenierte, und als Kopf hinter „The Fate of the Furious“ (2017) auch zuvor schon Blockbuster-Luft schnuppern durfte.

    Im Spin-Off tritt an Stelle von Agent K und Agent J das neue MIB-Agentenpaar bestehend aus Molly und Henry alias Agent M und Agent H zum Vorschein. Molly (Tessa Thompson) hat als Kind aus erster Hand einen Einsatz der sagenumwobenen Men in Black miterlebt und ist sich somit – da ihre Erinnerung dabei nicht geblitzdingst wurde – über die Existenz von außerirdischen Lebensformen sicher. Als es ihr nach jahrelanger Mühe endlich gelingt das Hauptquartier der MiB-Organisation in New York ausfindig zu machen, dauert es nicht lange bis sie von der Vorsitzenden Agent O (Emma Thompson) als neues Mitglied der anzugtragenden Vereinigung aufgenommen wird und dabei den Decknamen Agent M erhält. Schon bald wird sie für ihren ersten Auftrag nach London geschickt, wo sie gemeinsam mit dem angesehenen Agent H (Chris Hemsworth) das royale Alien Vungus während seines Aufenthalts auf der Erde bewachen soll. Doch das Team gerät plötzlich in einen Hinterhalt und Vungus wird von einem Paar Alien-Zwillingen vergiftet, gibt vor seinem Ableben jedoch noch eine Waffe an Agentin M weiter. Um den mysteriösen Vorfall aufzuklären, verschlägt es das frische Agentenpaar nach Marrakesch und Neapel. Deren Ziel: der formwandelnden Alien-Rasse Einhalt gebieten und gleichzeitig einen Maulwurf in den eigenen Riegen der Men in Black aufzudecken.

    An dieser Stelle muss gleich gesagt werden, dass „Men in Black: International“ leider zu einem dieser Filme geworden ist, die man bereits kurz nach Verlassen des Kinosaals vergessen haben dürfte. Dieser Umstand ist besonders schade, da man hier sowohl vor als auch hinter der Kamera großes Talent versammelt hat. Chris Hemsworth und Tessa Thompson, die beide schon im MCU-Spaßfest „Thor: Ragnarok“ zusammen auf der großen Leinwand agierten, können hier einmal mehr funktionierende Chemie zueinander aufbauen und mit sichtlich großer Spielfreude überzeugen. Jedoch hätte man den beiden durchaus besseren Stoff zum Spielen auf den Weg mitgeben können, denn (zumindest rein auf Story-Ebene) handelt es sich hier um ein reines Malen-nach-Zahlen des modernen Blockbuster-Kinos.

    Zuschauern wird ein Film geboten, der weitestgehend altbekannte Wege einschlägt, die meiste Zeit über vorhersehbar bleibt (trotz des ein oder anderen Plot-Twists) und zudem über weite Strecken hinweg just in stinkende Langweile abdriftet.

    Selbst die Witze zünden eher selten, wobei nicht mal der sonst urkomische Kumail Nanjiani (u.A.: „The Big Sick“), der in der Originalversion dem gutmütigen Alien Pawny die Stimme leiht und somit für den Comic-Relief verantwortlich ist, aushelfen kann.
    Auch ein durchaus ansehnlicher Look gepaart mit überzeugenden Computereffekten und Creature-Designs können den Film nicht mehr wirklich aus seiner Misere befreien: „Men in Black: International“ ist trotz ein paar rettender Qualitäten vorhersehbares, ideenloses, vergessbares und nicht zuletzt sterbenslangweiliges Blockbuster-Kino geworden, bei dem viel zu wenig aus dem mehr als vorhandenem Talent von Cast und Crew herausgeholt wurde.

    Selten war der Ausdruck seelenloser „Cashgrab“ mehr angebracht als es hier der Fall ist. Schade!
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    (Christian Pogatetz)
    18.06.2019
    12:45 Uhr