Filmkritik zu Mary Shelley

Bilder: Prokino, Polyfilm Fotos: Prokino, Polyfilm
  • Bewertung

    Die Geburt von Frankensteins Monster

    Exklusiv für Uncut
    „Frankenstein“ zählt zu den bekanntesten britischen Romanen des 19. Jahrhunderts. Die Geschichte rund um den Schweizer Arzt, der einen Menschen „wiedererweckt“ und damit besagtes „Monster“ erschafft, ist nicht nur ein Klassiker des Science-Fiction-Faches, sondern beinhaltet auch so einige Horrorelemente. Die Geschichte diente bereits als Grundlage für unzählige Verfilmungen. Haifaa Al Mansours neuester Film widmet sich „Frankenstein“ auf besondere Art und Weise, erzählt er doch nicht nur von den Umständen dessen Entstehungsgeschichte, sondern zeichnet auch das Portrait einer ganz besonderen Frau: der Autorin des Werkes, Mary Shelley.

    Die junge Mary (Elle Fanning) lebt gemeinsam mit ihrer Halbschwester Claire (Bel Powley) bei ihrem Vater, dem Autor William Godwin (Stephen Dillane), und ihrer tyrannischen Stiefmutter, Mary Jane Clairmont (Joanne Froggatt). Nachdem sie von dieser aufgrund ihres aufsässigen Verhaltens zu Verwandten nach Schottland geschickt wird, lernt sie dort den Schriftsteller Percy Shelley (Douglas Booth) kennen und verliebt sich in ihn. Für die beiden beginnt ein Leben voller gemeinsamer Höhepunkte und Tiefschläge, die Mary letztendlich dazu verleiten, ein Meisterwerk der klassischen Literatur zu schreiben: Frankenstein.

    Haifaa Al Mansours Debutfilm aus dem Jahr 2012, „Wadjda“, stellte den ersten saudi-arabischen Spielfilm dar, bei dem eine Frau Regie führte. Fünf Jahre später widmete sie sich nun mit „Mary Shelley“ einem ganz anderen Thema - die Rolle der Frau spielt allerdings auch hier eine wichtige Rolle. Das Recht auf Selbstbestimmung und der Widerstand gegen ein patriarchales Gesellschaftssystem sind die vorherrschenden Themen, die die Handlung durchziehen. Damit einher gehen außerdem Fragen nach Formen der Liebe, Familienstrukturen, Beziehungen und daraus resultierenden Abhängigkeiten.

    Im Hinblick darauf sind gerade die melodramatischen Aspekte in „Mary Shelley“ mögliche Kritikpunkte. Zeitweise übertrieben dramatisch inszeniert, findet das Pathos vor allem durch die Musik Einzug. Gelungen sind hingegen die beklemmenden Momente, wenn Mary über das Geschehene resümiert oder sich an ihrem liebsten Rückzugsort, dem Friedhof, zum Schreiben wiederfindet.

    Denn eines ist ganz klar: Mary Shelley ist der zentrale Punkt in Al Mansours düsteren Adaption. Elle Fanning versteht es, die verschiedenen Stadien ihres Lebens gekonnt darzustellen: sei es das naive, verliebte junge Mädchen oder die geläuterte, lebenserfahrene Frau. Aber auch die anderen Darsteller wurden passend gewählt, egal ob Douglas Booth als hedonistisch veranlagter Percy Shelley oder Tom Sturridge als egozentrischer Lord Byron.

    Punkten kann „Mary Shelley“ jedenfalls mit einer feministischen Grundthematik und der facettenreichen Darstellung der Hauptfigur seitens Fannings. Denn wie sie so schön sagt: „I have a fire in my soul, and I will no longer allow anyone to contain it.“
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    (Marion Schlosser)
    26.12.2018
    22:44 Uhr