Das große Uncut-Special von der Viennale 2018

Filmkritik zu Kino Wien Film

Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Warum gehen sie ins Kino?

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Die Dokumentation startet mit Aufnahmen im ältesten, dauernd bespielten Kino in Wien: den Breitenseer Lichtspielen. Nur vereinzelt finden dort BesucherInnen den Weg vor die Leinwand. Das Geschäft läuft nicht gut und Geld für notwendige, technische Umrüstungen ist nicht vorhanden. Im Gegensatz dazu werden als nächstes Menschentrauben vor den Kassen eines Multiplexx-Kinos gezeigt. Es sind zwei konträre Welten, die der Filmemacher zu Beginn gegenüber stellt und die gewissermaßen eine Klammer bilden, die die heutige Kinokultur in Wien abbildet.

    Aus dem selben Grund zeigt er auch altes Archivmaterial: Wiener Stadtansichten, Aufnahmen von Straßenbahnen im Verkehr, um 1900, und auch dieses setzt er gegenüber mit eigenen aktuellen Aufnahmen von Wiener Linien Straßen- und U-Bahnen. Allein schon wegen diesen Gegenüberstellungen wird ersichtlich, dass sich die Zeiten gewaltig geändert haben und diese Veränderung hat auch vor der Schaulust des Kinopublikums nicht Halt gemacht. Die Menschen gehen nicht mehr aus den selben Gründen, wie zum Beginn der Lichtspielgeschichte, in die Kinos. Gesellschaftlicher Wandel, Umstrukturierungen der Baugesetze, die Geschichte Europas an sich und natürlich auch die neuen Medien bewirken, dass sich die Kinolandschaft dramatisch umgestaltet hat und auch in Zukunft davor nicht gefeit sein wird.

    Zwischen diese beiden Klammern lässt Rosdy Fachleute zu Wort kommen, die leidenschaftlich über ihre und die Geschichten ihrer Väter und Großväter erzählen. Es sind teils sehr intime Einblicke, die man als BesucherInnen sonst natürlich nicht hinter den gezeigten Kinos und deren ProtagonistInnen erwarten würde. Im Grunde sollte das Publikum ja auch von all der Arbeit, die nötig ist damit ein Film im Endeffekt auf der Leinwand ablaufen kann, nichts mitbekommen. In der Vorführkabine kann man bis zum Hals im Wasser stecken, die Hauptsache ist Ton und Bild kommen synchron auf der Leinwand an, so Kinotechniker Horst Raimann, einer der Protagonisten.

    „Kino Wien Film“ vermittelt einerseits Wissen über die Kinogeschichte in Wien, aber andererseits, und das ist es was den Film in besonderer Weise auszeichnet, wird durch die Figuren, die im Film auftreten und über ihre Arbeit erzählen, Leidenschaft für Film regelrecht auf das Publikum übertragen. Dieser Film zeigt eine lebendige Branche, die mitunter jahrzehntelang Strapazen auf sich genommen hat, um für ihre Passion zu kämpfen. Film ist bewegtes Bild und Rosdy schafft es mit seinen Bildern, seinen ProtagonistInnen und deren Aussagen zu bewegen. Ein wichtiger Film, der besonders dem jüngeren Publikum nahegebracht werden sollte.
    daniel pramberger
    (Daniel Pramberger)
    08.11.2018
    22:22 Uhr

Kino Wien Film

Österreich 2018
Regie: Paul Rosdy