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    Eine Schauspiel-Ikone nimmt Abschied von der Traumfabrik

    Exklusiv für Uncut
    Oscar-Preisträger Robert Redford hat mit seinen Rollen in Klassikern wie „Butch Cassidy and the Sundance Cassidy“ (1969), „All the President's Men“ (1976) oder auch „Out of Africa“ (1987) Jahrzehnte an Filmgeschichte mitgeprägt. Nun will der Mann im Alter von 82 Jahren dem Schauspielgeschäft den Rücken kehren. Der Darsteller darf auf ein beachtliches Oeuvre zurückblicken, dem auch eigene Regiebeiträge wie „Quiz Show“ und „Ordinary People“ oder aktuellere Schauspielarbeiten wie im Seenot-Drama „All is Lost“ oder dem Comicbuch-Blockbuster „Captain America: The Winter Soldier“ angehören. Bevor er dann demnächst in seine wohlverdiente Schauspielrente gehen wird, schlüpft der Amerikaner für die Tragikomödie „The Old Man & the Gun“ noch ein letztes Mal in eine große Hauptrolle. Beim Film handelt es sich um das neue Werk von Regisseur David Lowery, der noch vor zwei Jahren Casey Affleck im Drama „A Ghost Story“ als Geist in Bettlaken-Montur auf eine philosophische Reise quer durch die menschliche Vergänglichkeit schickte, vor ein paar Jahren bei der Disney-Realverfilmung „Elliot der Drache“ aber auch schon mit Redford zusammenarbeiten durfte.

    Inspiriert von einem echten Zeitungsartikel erzählt Lowery in seinem neuen Film vom gewieften Bankräuber Forrest Tucker (Redford), der für seine Taten bereits öfters hinter Schloss und Riegel kam, durch sein Genie bisher jedoch immer wieder den Ausbruch aus dem Gefängnis schaffte. Als er sich eines Tages mal wieder auf der Flucht vor der Polizei befindet, trifft er durch Zufall auf die Frau Jewel (Sissy Spacek), der er aus einer Autopanne verhalf. Aus Dankbarkeit lädt Jewel ihn zum Essen ein und die beiden beginnen schon bald mehr Zeit miteinander zu verbringen. Forrest wird aber schon seit geraumer Zeit von der Polizei gesucht und es dauert nicht lange bis ihm der geschickte Police-Detective John Hunt (Casey Affleck) dicht auf den Fersen ist, der jedoch dem Charme des gutmütigen Berufskriminellen auch nicht ganz widerstehen kann.

    Lowery ist mit „Ein Gauner und ein Gentleman“ eine durchwegs charmante und mit einer Lauflänge von nur 93 Minuten sehr kompakte Gaunerkomödie der etwas anderen Art gelungen.

    Die wohl größte Stärke der Tragikomödie dürfte die sensationell aufspielende Darstellerriege sein. Robert Redford zeigt eindrücklich, was für ein großes Talent uns von nun an abgehen wird. Redford kreiert eine mehrdimensionale Figur, die trotz ihres Hangs zur Kriminalität von einer charmanten Sympathie gekennzeichnet wird, die der Darsteller alleinig auf seinen Schultern trägt. Ebenfalls toll: Die einst durch Brian De Palmas Horror-Klassiker „Carrie“ (1976) bekanntgewordene Sissy Spacek, die sich ihrer Figur auch mit einer sympathischen Leichtfüßigkeit annähert und durch die wunderbar funktionierende Chemie zwischen ihr und Redford ein paar Momente voller rauer Intimität erschafft. Auch Oscarpreisträger Casey Affleck („Manchester By the Sea“) zeigt einmal mehr, dass er zu den ganz großen Schauspielern unserer Zeit gehört und verwandelt seinen Charakter, der leicht zur einseitigen Polizistenkarikatur verkommen hätte können, in ein komplexes und verständnisvolles Individuum. In Nebenrollen glänzen zudem Altgesteine wie Danny Glover oder Tom Waits als Forrests Handlanger Teddy und Waller.

    Obwohl den Film allgemein eine eher lockere und oft auch komödiantisch angehauchte Ader durchzieht, scheinen ab und an auch angenehme Momente der Melancholie auf, die besonders in den intimen zwischenmenschlichen Momenten zu Trage kommen. Zu der Stimmung trägt zudem auch die präzise Verwendung von verschiedensten Musikstücken bei, wobei einem vor allem eine von wundervollen Bildkompositionen untermalte Sequenz im Kopf hängen bleiben wird, in der der Song „Blues Run the Game“ von Jackson C. Frank passend zum Einsatz kommt.

    Durch sein gemächliches Tempo und der eher unaufgeregten Herangehensweise wird „Ein Gauner und ein Gentleman“ sicherlich nicht für jede/n ZuschauerIn funktionieren und für den oder anderen gar eher einschläfernd dahergekommen. Wer sich jedoch auf die Atmosphäre des Films einlassen kann, wird mit einer durchgängig charmanten, fein inszenierten und virtuos gespielten Perle einer Tragikomödie belohnt werden.

    Ein würdiger Karriereabgang für eine Größe des Schauspielkinos!
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    (Christian Pogatetz)
    08.04.2019
    21:57 Uhr