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Filmkritik zu Nightmare Cinema

Bilder: Filmverleih Fotos: Filmverleih
  • Bewertung

    Wenn Albträume wahr werden

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Bei „Nightmare Cinema“ handelt es sich um den Versuch, das Konzept von Mick Garris' beliebter Anthology-Serie „Masters of Horror“ nochmal für die große Leinwand zu revitalisieren. Garris, der selbst einer der fünf Horror-Geschichten des Films drehte, wurden für die anderen Episoden Genre-Urgesteine wie Gremlins-Schöpfer Joe Dante oder „30 Days of Night“-Regisseur David Slade, aber auch noch relativ unbekannte Gesichter wie der japanische Filmemacher Ryûhei Kitamura sowie der Argentinier Alejandro Brugués zur Seite gestellt. Verbunden werden die gezeigten Kurzfilme durch eine Haupthandlungsebene, in der Mickey Rourke als furchteinfößender Filmvorführer eines verwilderten Kinos die Protagonisten der einzelnen Episoden mit ihren größten Albträumen konfrontiert. Die erschreckenden Kurzfilme, die der Projektionist den Kinozuschauern zeigt, sind dann auch diese, die wir als Zuschauer zu sehen bekommen.

    Am meisten Eindruck konnten bei mir die zweite Episode „Mirare“ unter Regie von Joe Dante sowie das vorletzte Segement „This Way to Egress“ von David Slade hinterlassen.

    Dante bediente sich für seine Kurzgeschichte eines „Twilight Zone“-esquen Plots und erzählt von einer jungen Frau, die sich vor ihrer Hochzeit einer Schönheitsoperation unterziehen möchte, um eine deutlich erkennbare Gesichtsnarbe loszuwerden. Als sie dann in die Schönheitsklinik gebracht wird, beginnt sie aber schon bald zu vermuten, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Dante ist es auf der einen Seite gekonnt gelungen das Gefühl von Klaustrophobie innerhalb der Klinik sowie den immer weiter voranschreitenden Realitätsverlust der Protagonistin einzufangen - andererseits nimmt er hier auch mit amüsanten satirischen Spitzen die Oberflächlichkeit und die oft eher erschreckenden Resultate solcher Schönheitsprozeduren aufs Korn.

    David Slade erzählt in seiner Geschichte hingegen mit in schwarzweiß getränkten Bildern von einer am Rande des Nervenzusammenbruchs stehenden Frau, deren Realitätsgefühl immer mehr zu entgleiten scheint. Slade lässt hier auf bedrückende Art und Weise die Grenzen zwischen Realität und Fiktion miteinander verschmelzen und liefert den düstersten wie zugleich auch ästhetisch eindrucksvollsten Beitrag des Films ab.

    Auch die erste Geschichte „The Thing in the Woods“, ein etwas andersartiger Slasher mit überraschendem Twist, und die letzte Episode des Films namens „Dead“ rund um einen Teenager, der in einem Krankenhaus mit allen Mitteln um sein Überleben kämpft, können durchaus unterhalten und mit fein gemachten Schockmomenten punkten.

    Der einzig eher schwächere Beitrag des Films bleibt somit tatsächlich Ryûhei Kitamuras Beitrag namens „Mashit“. Dem abgedroschenen Konzept einer dämonischen Präsenz innerhalb einer katholischen Schule geht ziemlich schnell die Luft aus und auch der absurde Over-the-top-Humor weiß leider überhaupt nicht zu zünden.

    Am Ende des Tages lässt sich dennoch sagen, dass Fans von Horror-Anthologien bestimmt ihre Freude mit „Nightmare Cinema“ haben werden. Ein sättigendes Genre-Überraschungsei gefüllt mit kreativen Ideen, toll inszenierten Schockmomenten und ganz viel Blut. Sehenswert!
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    (Christian Pogatetz)
    15.10.2018
    23:06 Uhr