Die Oscarnominierungen 2019 stehen fest.
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  • Bewertung

    Muppets Gone Bad - im wahrsten Sinne des Wortes

    Exklusiv für Uncut
    Die Muppets gehören ohne den geringsten Zweifel zu den bedeutendsten (Pop)Kulturgütern, die im Laufe des letzten Jahrhunderts von den US-Amerikanern hervorgebracht wurden. Die von Jim Henson ins Leben gerufenen Puppen rund um Kultfiguren wie Kermit der Frosch, Miss Piggy oder Fozzie Bär können schon seit Jahrzehnten Groß und Klein mit Humor, Charme und einer großen Portion Herz überzeugen. Obwohl die zahlreichen Serien und Filme, die den Muppets im Laufe der letzten Jahrzehnte gewidmet wurden, stets Zuschauer jeglicher Altersklassen erreichen konnte, würde wohl niemand die Puppen als reine Erwachsenen-Unterhaltung klassifizieren. Mit „The Happytime Murders“ ändert sich dieser Umstand nun, denn hierbei handelt es sich um den Versuch eine schwarze Krimi-Komödie für Erwachsene mit Muppet-artigen Puppen in den Hauptrollen zu drehen. Bereits seit Jahren befand sich das Projekt in der Entwicklung und konnte nun unter Regie von Brian Henson, dem Sohn des 1990 verstorbenen Muppet-Erfinders, fertiggestellt werden. Das eigentliche Konzept einer Murder-Mystery für Erwachsene im Muppet-Gewand hört sich auf Papier faszinierend an. Mit „Falsches Spiel mit Rogger Rabbit “ wurde ja in den 80ern schon eindrücklich bewiesen, dass die Mischung aus Krimi-Elementen und eigentlich kinderfreundlicher Charaktere in einem erwachsenen Mantel ein fabelhaftes Ergebnis erzielen kann. Mit „The Happytime Murders“ zeigt sich aber, dass ein solches Experiment auch völlig nach hinten losgehen kann.

    Aber worum geht's überhaupt?

    Der Film ist in einer Alternativversion der USA angesiedelt, in der Menschen gemeinsam in Symbiose mit Muppet-artigen Puppen leben. Die Puppen werden von zahlreichen Menschen jedoch nicht als gleichwertig angesehen und oft herabwürdigend behandelt. Eines Tagen ereilt die Puppen-Bevölkerung erschütternde Nachrichten: Nach und nach werden nämlich Mitglieder der beliebten 80er-Sitcom „The Happytime Gang“ leblos aufgefunden. Zur Besetzung gehörte damals auch der Bruder des Privatdetektivs Phil. Phil, der einst selbst Polizist war, ist sicher, dass es sich hierbei um eine kalkulierte Mordserie handeln muss. Mithilfe seiner ehemaligen Partnerin Connie (Melissa McCarthy) versucht er die Mordserie aufzuklären und ermittelt dafür in einem von Sex, Drogen und Verbrechen gezeichneten Milieu.

    Herausgekommen ist dabei der kläglich gescheiterte Versuch einen R-Rated (gleicht bei uns ungefähr der Altersfreigabe FSK 16 oder in vereinzelten Fälle sogar FSK 18) Kinofilm der Marke Muppet zu drehen, der sich ohne Frage zu den Anwärtern für den schlechtesten Film des Jahres dazugesellen darf. Anstatt die Altersfreigabe dafür zu nutzen um die Puppenfiguren in kreative und aberwitzige Situationen zu befördern, scheint es als sei der fertige Film nur darauf bedacht in nahezu jeder einzelnen Szene zu zeigen, wie wenig jugendfrei er doch sei. Die Figuren werfen die ganze Zeit Profanitäten um sich, nehmen verschiedenste Drogen zu sich oder machen einfach anstößige Dinge, die weit entfernt vom eigentlichen Benehmen der Muppets sind. Das Ganze wäre auch schön und gut, hätte man es in clever geschriebene Gags oder in ein funktionierendes Plot-Konstrukt verpackt. Es scheint als würde der Film jedoch vom Zuschauer erwarten, dass der alleinige Umstand, Handpuppen nicht-jugendfreie Phrasen von sich geben zu lassen, ausreichen würde, um ein Schmunzeln im Publikum zu bewirken, ohne diese dabei kaum in wirkliche Witze einzubauen. Die Tatsache, dass man versucht hat die anzüglichen Handlungen der Figuren noch extra in die Länge zu ziehen, macht die gezeigten Situationen dann auch nicht lustiger, sondern zumeist sogar noch schlimmer zum Anschauen. Besonders unerträglich ist eine ca. zweiminütige Sex-Szene zwischen zwei Puppen im Mittelteil des Films. Auch eine solche Situation hätte durchaus witzig gestaltet werden können, jedoch geht das humoristische Level nie über das Zeigen des Geschlechtverkehrs und durch die Gegend spritzendes Muppet-Sperma hinaus, das wenig mehr als einen gehörigen Ekelfaktor zu bieten hat. Auch der Großteil der 'Gags', die nicht zwanghaft beweisen mussten wie vulgär und dreckig dieser Film ist, wirken weitestgehend platt und uninspiriert.

    Selbst der größtenteils talentierte Cast kann hier nur sehr wenig retten. Es ist wirklich traurig mitanzusehen wie eigentlich hochtalentierte Schauspieler wie Elizabeth Banks oder der aus der Sitcom „Community“ bekannte Joel McHale ihre platten Lines völlig lustlos herunterrattern. Melissa McCarthy in der weiblichen Hauptrolle und SNL-Comedienne Maya Rudolph als Phils quirlig optimistische Sekretärin Bubbles zeigen immerhin Spielfreude und können den peinlichen Dialogen dadurch mindestens mehr Elan verleihen.

    Selbst die Auflösung der Murder Mystery, um die der Film sich eigentlich dreht, ist absolut simpel gestrickt, uneffektiv und kann bereits wenige Minuten nach Beginn des Films vorhergesehen werden. Allen Ernstes wird zudem in einer der 'dramatischeren' Momente der Komödie versucht, durch das geringschätzige Verhalten der Menschen gegenüber der Puppen eine Rassismus-Allegorie herzustellen, die jedoch einerseits kurze Zeit später wieder verworfen wird - andererseits allgemein völlig fehl am Platz und aufgezwungen wirkt.

    Der fetzige Soundtrack des Films wird von Klassikern der Pop-Geschichte wie Rick Astleys „Never Gonna Give You Up“ oder „I Want Candy“ durchzogen, die aber meist völlig lieblos über das Geschehen des Films platziert wurden, ohne sich dabei wirklich in den Schnitt einzureihen.

    Die Arbeit der Puppenspieler und Szenenbildner, die als durchaus solide zu betrachten ist, kann an dieser Stelle definitiv noch positiv hervorgehoben werden. Der Rest ist aber nicht der Rede Wert.

    Brian Henson hat mit „The Happytime Murders“ eine Handpuppen-Komödie gedreht, die das Erbe der Muppets mit seelenlosen Witzen, die just aus billigem Schockfaktor und ausgelutschter Kalauer bestehen, schamlos durch den Dreck zieht. Jim Henson würde sich im Grabe umdrehen!

    Finger weg!
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    (Christian Pogatetz)
    24.10.2018
    07:57 Uhr