Bilder: 20th Century Fox Fotos: 20th Century Fox
  • Bewertung

    Reise ins innere Ich

    Exklusiv für Uncut
    Nur zwei Jahre nach dem fantastischen Abenteuerdrama "The Lost City of Z" meldet sich Autorenfilmer James Gray mit seiner neuen Arbeit, dem nicht weniger faszinierenden „Ad Astra“, zurück. Was vom Marketing als bombastischer Science-Fiction-Blockbuster angeworben wurde, kommt in der fertigen Fassung viel eher wie ein intimes Charakter-Drama im Sci-Fi-Gewand daher.

    Im Zentrum von Grays neuestem Werk steht Mega-Star Brad Pitt, der nach seiner Rolle in Quentin Tarantino's Alt-Hollywood-Liebesbrief „Once Upon a Time in Hollywood“ schon zum zweiten Mal im selben Jahr seine Vielseitigkeit als Schauspieler unter Beweis stellen darf. Pitt verkörpert den emotional verschlossenen Roy McBride, dessen Vater, der weltbekannte Astronaut Clifford McBride (Tommy Lee Jones), vor 20 Jahren zu einer Forschungsmission Richtung Neptun (der Film spielt in einer undefinierten Zukunft) aufbrach, dabei jedoch spurlos verschwand und nie auf die Erde zurückkehrte. Als die Erde von tödlichen elektromagnetischen Stürmen heimgesucht wird, wird vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen den Stürmen und der am Neptun gelegenen Weltraumstation des verschollenen Clifford gäbe, der noch am Leben sein könnte. Aus diesem Grund wird der stoische Roy, der in der Gegenwart selbst für die NASA arbeitet, mit einer Besatzung Richtung Neptun gesandt, um in Kontakt mit seinen mutmaßlich noch lebenden Vater zu treten und das Mysterium hinter den Geschehnissen auf Erden zu entschlüsseln.

    Gray verzichtet bei der Herangehensweise an seinen Sci-Fi-Streifen weitestgehend auf klassischen Bombast, und macht aus der Prämisse ein ruhig erzähltes, intimes Drama, das uns mithilfe eines begleitenden Voice-Overs Einblicke in die Gedankenwelt des introvertierten Protagonisten gewährt. Untermalt von stilisierten Bildern des skandinavischen Kameramanns Hoyte van Hoytema, dessen hypnotische Aufnahmen zweifelsohne zu den beeindruckendsten des Jahres gehören, und einem dynamischen Score des deutschen Komponisten Max Richter, transportiert uns Gray (im mehrfachen Sinne) in den Kosmos seines Films. Obwohl es etwas braucht bis sich der eher gefühlskalte Hauptcharakter Roy emotional öffnet, schafft es Brad Pitt von Anfang an eine glaubwürdige Figur zu erschaffen, dessen persönliche und physische Reise zwar nicht für jedermann zugänglich sein wird, aber mit bravouröser Hingabe verkörpert wird.

    James Gray ist mit "Ad Astra" eine seltene Symbiose zwischen Arthaus- und Kommerz-Kino gelungen, die trotz der monumentalen Bildgewalt eine eher klein gehaltene, persönliche Geschichte erzählt, die das Weltraum-Setting auch als Metapher für die menschliche Entwicklung Roys verwendet.
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    (Christian Pogatetz)
    04.10.2019
    19:20 Uhr