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  • Bewertung

    Wenn gestohlene Autos zur Selbsterkenntnis führt

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2018
    Magnus (Tilmann Strauß) ist Anfang 30, Barkeeper in seiner eigenen hippen Bar namens „Feierabendbier“ und stolzer Besitzer eines klassischen 1981 Mercedes SEC-Wagens. Eines Tages jedoch, während er sich mit Stammkunden in seiner Bar unterhält - die gleichzeitig seine engsten Freunde sind - muss er feststellen, dass sein geliebtes Auto gestohlen wurde. Zunächst stürzt ihn sein Verlust in eine persönliche Krise, die ihn dazu treibt, einige verrückte Dinge zu tun. Doch der verlorene Wagen bringt auch überraschende positive Seiten mit sich. Während er von einem Fettnäpfchen ins nächste rutscht, realisiert Magnus nämlich wie sehr er in letzter Zeit seinen kleinen Sohn sowie sein eigenes Liebesleben vernachlässigt hat.

    Unter dem schmucken Titel „Feierabendbier“ erzählt Regisseur Ben Brummer diese verrückt klingende Geschichte. Herausgekommen ist dabei eine ziemlich unterhaltsame Slacker-Komödie, die vor allem in ihren ausgefallensten Momenten zu glänzen weiß.

    Die amüsantesten Gags entstehen durch die Dynamik der sehr individuell gestalteten Figuren. Wenn denn nun Magnus’ bester Freund, der Automechaniker und Philosophie-Student Dimi (Johann Jürgens), ihm einreden will, die positiven Seiten an seinem Verlust zu sehen und überredet mit ihm in einen Swinger-Club mitzukommen, dann sorgt das vor allem durch das Zusammenspiel der beiden Figuren für viel Komik.

    Der Humor des Films bezieht seine erinnerungswürdigsten Momente prinzipiell aus der Bizarrheit der Figuren und Situationen. Mein persönliches Highlight war der von Christian Tramitz herrlich verschroben verkörperte Manfred, der mit seinen exzentrischen Weisheiten und kreativ gewählten Pullovern für einige der größten Lacher im Film sorgen konnte. Schade ist jedoch, dass ausgerechnet sein Charakter der einzige im Main-Cast war, der in keinen der Haupthandlungsstränge verwickelt wurde.

    Problematisch ist jedoch die Darstellung weiblicher Charaktere im Film. Diese dürfen im Plot zumeist nur als Objekte sexueller Begierde dienen und tragen kaum eine andere helfende Funktion inne, als einen Mann zu verführen. Besonders anstrengend ist dabei die von Julia Dietze dargestellte Vivian, deren dusseliges Auftreten zwar für ein paar amüsante Gags sorgen kann, jedoch ansonsten zum sexsüchtigen Klischee verkommt. Dieser Umstand ist besonders schade, da es sich bei ihrer Figur um den zentralen weiblichen Charakter des Films und man ihr sogar einen eigenen Handlungsnebenstrang gab, dem jedoch schon bald die Puste ausgeht.

    Weiters weiß der Film auch nicht ganz zu funktioniert, wenn versucht wird, in ernstere Gefilde zu gehen. Wenn Magnus beispielsweise erfährt, dass der neue Freund seiner Ex-Frau (herrlich unsympathisch vom Österreicher Manuel Rubey gespielt) dessen Kind adoptieren will, dann ergibt dies anfangs noch eine unterhaltsame Pointe, driftet in den ersteren Tönen jedoch leicht ins Pathetische.

    Positiv sei aber auf jeden Fall noch die überraschend stilsichere Ästhetik des Streifens zu erwähnen. Eine jede Kameraeinstellung wirkt völlig sauber geframet und paart sich wunderbar mit dem energetischen Schnitt sowie dem Soundtrack mit rockiger Ohrwurm-Garantie.

    Letztendlich lässt sich also sagen, dass Ben Brummer mit „Feierabendbier“ eine stylishe und höchst unterhaltsame Komödie geschaffen hat. Zwar wurde das Drehbuch ab und an in ein paar fragwürdige Richtungen gelenkt, aber nichtsdestotrotz weiß der Film vor allem durch den ungezwungenen Coolness-Faktor durchaus zu überzeugen.
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    (Christian Pogatetz)
    19.02.2018
    23:12 Uhr