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    Die Hingabe zu einer gefährlichen Kunst

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2018
    Hätte man mich noch gestern gefragt, was es mit dem sogenannten „Malambo“ auf sich hat, hätte ich der fragenden Person vermutlich nicht mehr als einen verwirrten Blick entgegen bringen können.

    Vor wenigen Stunden konnte ich diese Wissenslücke jedoch innerhalb von nur 76 Minuten füllen. Hierbei handelt es sich nämlich um einen traditionellen argentinischen Wettbewerbstanz, der von seinen Teilnehmern ein Maximum an Kraft und Hingabe abverlangt.

    Eben dieser kraftraubenden Tanzdisziplin widmet sich der argentinische Filmemacher Santiago Loza in seinem Drama „Malambo, the Good Man“. Loza konzentriert sich in seinem neuen Werk auf den jungen Malabo-Tänzer Gaspar, dessen großer Traum es ist, bei der großen Malabo-Meisterschaft als Sieger hervorzugehen. Um sein Ziel zu erreichen, lässt er die nervenaufreibende Tätigkeit sein gesamtes Leben einnehmen, womit sein Körper jedoch nicht auf Dauer mithalten kann. Die enorme körperliche Anstrengung, die er beim Tanz aufbringen muss, resultiert schon bald in schwere Rückenprobleme und Schritt für Schritt offenbart sich wie krankhaft Gaspar in seinem Wille nach Sieg bereits geworden ist.

    Mit populären Filmen wie unter anderem „Black Swan“ (2010) oder „Whiplash“ (2014) gab es in den letzten Jahren bereits ausgezeichnete Vertreter von Filmen, in denen die Hauptfiguren ihre Leidenschaft zur gefährlichen Obsession verkommen lassen. Während die vorhin genannten Beispiele sich jedoch primär auf die psychischen Belastung, die von der Sucht nach Perfektion ausgeht, konzentrierte, wirkt es beim Schauen von Lozas Film weite Teile lang so, als hätte man sich keine Gedanken gemacht, in welche Richtung man hier eigentlich gehen wollte. Dementsprechend plätschert der Film leider streckenweise nur vor sich hin, ohne dabei eine wirklich interessante Komponente aus dem spannenden Grundkonzept herauszuholen. Positiv hervorzuheben sei auf jeden Fall der aus Streich- und Perkussions-Klängen bestehende Score, der dem porträtierten Leid des Protagonisten immerhin auf auditiver Ebene etwas schwungvolle Kraft verleihen konnte. Abseits dessen fehlt es dem Film leider allgemein jegliche Energie, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass sich der Streifen trotz der kurzen Lauflänge viel zu oft in langen Kameraeinstellungen verirrt. Diese wurden zwar prinzipiell schön ästhetisiert, bringen jedoch weder den Plot auf Vordermann noch sind sie stilistisch interessant genug sind, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu halten.

    Die stärksten und ästhetisch ansprechendsten Szenen des Films verbergen sich hinter den Traumsequenzen, in denen der Protagonist sich vorstellt seinem Tanzgegner im Kampf gegenüber zu stehen. Als Gaspar dann im Laufe des Films tatsächlich noch vor der Meisterschaft persönlich auf seinen Gegner trifft, realisiert er erst, dass es sich auch bei einem Herausforderer um einen ganz normalen Menschen handelt und nicht um einen teuflischen Widersacher. Dieser kurze Weckruf aus dessen krankhaften Streben nach Perfektion hätte einen spannenden Handlungsstrang eröffnen können, wurde jedoch nicht konsequent genug weitergeführt.

    Stilistisch gesehen bietet der Film zwar - wie bereits erwähnt - schön gefilmte Aufnahmen und ein faszinierendes Sounddesign, jedoch ist mir bis jetzt nicht klar, weshalb man dem Film eine Schwarz-Weiß-Optik geben musste. Diese unterstützt die Herangehensweise an das Sujet des Films nämlich kein bisschen und macht die Faszination hinter manch wundervoller Aufnahme sogar zu Nichte. Hinzu kommt die Inkonsequenz des Narrativ. Während man zu Beginn noch sämtliche Geschehnisse des Films von einer märchenhaften Erzählerstimme aus dem Off kommentieren lässt, wurde diese streckenweise im Mittelteil einfach außen vor gelassen.

    Am Ende des Tages würde ich Santiago Lozas Tanzdrama zwar aufgrund verschiedenster positiver Aspekte keineswegs als 'schlecht' bezeichnen, jedoch kann ich den Film wegen der stilistischen Unausgewogenheit und narrativen Einfallslosigkeit nicht viel weiter als ins Spektrum des Mittelmaß einordnen. Es wäre mehr drin gewesen!
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    (Christian Pogatetz)
    17.02.2018
    08:52 Uhr