Bilder: 20th Century Fox Fotos: 20th Century Fox
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    Auf den Spuren von King Arthur

    Exklusiv für Uncut
    Verfilmungen der bekannten Legende von König Artus gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Erst vor zwei Jahren versuchte sich Guy Ritchie mit „King Arthur: The Legend of the Sword“ an einer Neuadaption des Stoffes, die sich jedoch bei Kritikern wie auch beim weltweiten Box Office als spektakulärer Fehlschlag herausstellte. Auch dem britischen Filmemacher Joe Cornish, der Anfang der 2010er-Jahre für sein Regie-Debüt „Attack the Block“ mit Lobeshymnen überschüttet worden war, diente die altbekannte „King Arthur“-Sage als Vorlage für sein neues Werk „The Kid Who Would Be King“ (bei uns mit dem fragwürdigen Titel „Wenn du König wärst“ eingedeutscht). Dabei hat Cornish jedoch keineswegs bloß die klassische Geschichte rund um den jungen Arthur, dem es gelingt das sagenumwobene Schwert Excalibur aus einem festen Stein zu ziehen, wieder mal penibel nacherzählt, sondern verwendete diese vielmehr lediglich als Grundstein, um der Story einen frischen Anstrich zu verpassen.

    „The Kid Who Would Be King“ ist nämlich im Großbritannien des 21. Jahrhunderts angesetzt und handelt im Grunde vom 12-jährigen Schüler Alex (Louis Ashbourne Serkis). Für sein eher schüchternes und zurückhaltendes Gemüt erntet der Pre-Teen nicht allzu selten Spott und Hohn im Schulgebäude. Sein unscheinbares Leben ändert sich jedoch schlagartig als er eines Tages ein mysteriöses Schwert vorfindet. Gemeinsam mit seinem besten Freund Bedders (Dean Chaumoo) findet er heraus, dass es sich dabei offenbar um das legendäre Schwert von King Arthur handelt. So dauert es nicht lange bis eine verjüngte Version von Zauberer Merlin (Angus Imrie) in ihrer Schule auftaucht und Alex preisgibt, dass das Schwert ihn dazu auserkoren hat, die Pläne der bösen Hexe Morgana (Rebecca Ferguson), die die Weltherrschaft an sich reißen möchte, zu vereiteln.

    Bisher erwies sich die Neuinterpretation der Artus-Sage an den weltweiten Kinokassen als gigantischer Misserfolg und zogVerluste von bis zu 50 Mio US-Dollar mit sich. Schade: denn Cornish ist hier ein erfrischend unzynischer und durchwegs charmanter Abenteuerfilm in bester Tradition alter Amlin Entertainment-Streifen á la „The Goonies“ gelungen, der weit entfernt von vielerlei seelenlosen Klamauk ist, der einem in den letzten Jahren im Kinder- bzw. Jugendkino vorgesetzt werde. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmemachern nimmt Cornish die Probleme und Sorgen seiner Figuren (und somit auch des vermutlich eher jüngeren Zielpublikums) vollkommen ernst. Auf der anderen Seite lässt der Regisseur seine Charaktere jedoch auch Kind sein, ohne diese zwanghaft mit den großen Problemen unserer Welt zu konfrontieren, denn dazu hätten sie (so eine der Botschaften im Film) im späteren Leben sowieso noch genug Zeit.

    Obwohl die klassische Artus-Story hier in ein modernes Setting versetzt wurde, hat Cornish dennoch auch auf smarte Art und Weise einige Zutaten der Original-Sage in seinen eigenen Fantasy-Cocktail gemixt. So wurden unter anderem Alex' Wegbegleiter im Film (Bedders, Kaye, Lance) bewusst ähnliche Namen wie den ursprünglichen ProtagonistInnen (Sir Bedivere, Sir Kay, Sir Lancelot) gegeben.

    Eine weitere große Stärke ist das herzerwärmende Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich innerhalb der 120-minütigen Laufzeit des Films breitmacht, jedoch zu keiner Sekunde zu aufgesetzt oder pathetisch daherkommt, sondern sich stets ehrlich anfühlt. Aus Freunden werden Feinden, aus Mutlosigkeit wird Tapferkeit - Cornish durchstreift hier Themen und Motive, die bereits dutzendmal in der Popkultur wiedergekäut wurden, schafft es jedoch diese in einen funktionierenden Rahmen einzubauen.

    Neben dem herrlichen britischen Slapstick trägt die sympathische Darstellerriege dazu einen großen Teil bei. Louis Ashbourne Serkis, Sohn von Schauspieler und Motion-Capture-Spezialist Andy Serkis, scheint durchaus Talent von seinem Vater abbekommen zu haben und kann in seiner ersten Hauptrolle mit einer charismatischen Performance punkten. Die größte Entdeckung dürfte jedoch wohl der britische Jungdarsteller Angus Imrie sein, der mit seiner extravagant verschrobenen Darstellung des jungen Merlin wohl für einige der größten Lacher im Kino sorgen wird. Die weit ältere Version von Merlin wird übrigens von der britischen Kino- und Bühnenlegende Sir Patrick Stewart verkörpert, dem jedoch etwas zu wenig Screentime geschenkt wurde.

    Auch auf visueller Ebene kann der Film überzeugen. Cornish zeichnet hier ein raues, dreckiges Bild des modernen Englands (mit möglichen Anleihen auf das gesellschaftliche Klima während des Brexits) und fängt dieses ihn bewegungsreichen Kamerafahrten und stilisierten Aufnahmen ein. Da zumeist vor echten Sets und nicht ausschließlich vor Greenscreen gedreht wurde, reihen sich auch die Computereffekte zumeist nahtlos in das Geschehen ein.

    Lediglich im finalen Showdown, in dem dem Streifen allgemein ein wenig die Puste ausgeht, wird an manchen Momenten das fürs Genre eher geringere Budget der Produktion sichtbar. Schlussendlich muss trotzdem gesagt werden, dass Joe Cornish mit „The Kid Who Would Be King“ eine weitestgehend originelle und jugendgerechte Neuadaption der Artus-Sage gelungen ist, die zudem mit einem durchwegs überzeugenden Jugend-Cast und inszenatorischer Verspieltheit auftrumpft.

    Eine kleine Fantasy-Perle, die hierzulande hoffentlich ihr Publikum finden wird!
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    (Christian Pogatetz)
    18.04.2019
    08:37 Uhr