Kritik
Bilder: 20th Century Fox, abc-films Foto: 20th Century Fox, abc-films - Weitere Bilder
  • Bewertung

    Killa P in the house

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Weiblich, weiß und übergewichtig – das ist nicht unbedingt das, was man sich unter einem Gangster-Rapper vorstellt. Doch genau das ist es, was Patricia Dombrowski, a.k.a. Patti, a.k.a. Killa P, sein möchte. Patti flüchtet immer wieder in diese Traumwelt, in der sie ein erfolgreicher HipHop-Star ist, um ihrem eigentlichen Leben zu entkommen, das man als eintönig und bescheiden beschreiben könnte. Sie lebt mit ihrer Mutter, einer gescheiterten Rock-Sängerin namens Barb, und ihrer bettlägrigen, kettenrauchenden Großmutter unter einem Dach, schlägt sich mit Bar- und Cateringjobs so durch und bekommt von ihrer Umgebung keinerlei Anerkennung zu spüren. Im Gegenteil: In Anspielung auf ihren Nachnamen, mehr jedoch ihr Körpergewicht, ist sie bei allen nur als „Dumbo“ bekannt. Pattis einzig Verbündeter ist ihr bester Freund Jheri, der ihren Traum von der großen Rap/HipHop-Karriere teilt. Während Pattis Mutter Barb nur Sarkasmus für die Ziele ihrer Tochter übrig hat, hat sie in ihrer Nana schon einen großen Fan gefunden, der sich die neuesten Reime und Improvisationen immer gern anhört. Eine neue Bekanntschaft, der in sich zurückgezogene Emo/Punk/Goth Basterd, soll Patti und Jheri nun helfen, das triste New Jersey endlich hinter ihnen zu lassen.

    Mit viel Charme, Witz und einem tollen Soundtrack hat Regisseur Geremy Jasper hier einen typischen Indie-Film geschaffen, der zwar vorhersehbar, keinesfalls aber langweilig ist. Jasper, der schon bei diversen Musikvideos Regie geführt hat und selbst Musik macht, schrieb die Songs im Film, der auf dem Sundance Filmfestival seine Premiere hatte, alle selbst. Unterhaltsam sind sie alle, ein Ohrwurm-Garant ist aber auf jeden Fall „PBNJ“. Und nein, da geht es nicht um Peanut Butter und Jelly: Patti, Basterd, Nana und Jheri haben sich zu einer Band zusammengeschlossen, ein Album produziert, und warten auf den Durchbruch.

    Man muss kein Fan von Rap oder Hip-Hop sein, um mit Patti mitzufühlen. Danielle Macdonalds Performance allein reicht aus, mit ihr mitzufiebern. Nach „Patti Cake$“ stehen der australischen Schauspielerin hoffentlich alle Türen für eine große Schauspielkarriere offen, denn sie ist es, die den Film trägt und der Rolle der Patti echtes Charisma gibt. Macdonald, die keinerlei Rap-Erfahrung hatte, bereitete sich 2 ½ Jahre auf die Rolle vor. Das hat sich in jedem Fall ausgezahlt, denn ihre Performance ist absolut authentisch.

    *** SPOILER ***

    Obwohl der Film und die Entwicklung der Story vorhersehbar sind, hat es auch etwas Befriedigendes, wenn am Ende alles so ist, wie es sein soll. Ein bisschen Drama, Tragik und Romantik gehören auch hier dazu, damit Patti schlussendlich triumphiert. Dass der Triumph am Ende nicht einen Sieg beim Bandwettbewerb mit sich bringt, weiß man eigentlich auch schon. Aber es zählt ja sowieso nur das Dabeisein. Und PBNJ haben mit ihrem Auftritt, bei dem sie den alten Rock-Hit von Pattis Mutter Barb sampeln, nicht nur endlich die Anerkennung von Barb gewonnen, sondern auch den Respekt der harten Rap-Gemeinde.

    *** *** *** ***
    Da schließt sich auch das Viennale-Publikum vergangenen Samstag mit jubelndem Applaus an.
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    (Barbara Sorger)
    02.11.2017
    16:28 Uhr