Bilder: Filmverleih Foto: Filmverleih - Weitere Bilder
  • Bewertung

    ZomBORElogy – Das enttäuschende Regiedebüt von Alan Lo

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    „Zombiology: Enjoy Yourself Tonight“ aka „Gam man da song si“ ist eine chinesisch-hong kongesische Koproduktion aus dem Jahr 2017. Dieser Film markiert das Regiedebüt von Alan Lo der bereits 2012 mit seinem Kurzfilm „Zombie Guillotines“ erste Erfahrungen im Zombigenre machen konnte. Von diesem übernahm er auch einige Elemente beziehungsweise dachte sie weiter. Ein Markenzeichen seiner noch jungen Karriere ist der Genremix. War „Zombie Guillotines“ noch eine Mischung aus Horror, Action und Komödie ergänzte er diese drei Genres in „Zombiology“ mit Drama und Teen Angst zusätzlich noch um zwei weitere Kategorien.

    Die beiden Jugendlichen Lung und Chi-Yeung sträuben sich mit aller Macht davor erwachsen zu werden. Kein einfaches Unterfangen, denn ihre zusammengewürfelte Familie gerät in eine prekäre Situation in der beide Verantwortungen übernehmen müssen und ihr Traum als Superhelden die Welt zu retten so langsam zu platzen droht. Als jedoch ein riesiges Plüschhuhn die Zombie-Apokalypse auslöst, ist für die Welt die Zeit der Helden angebrochen und Lung und Chi-Yeung bereiten sich darauf vor es mit der Horde an Untoten aufzunehmen … und so nebenbei ihr Familienleben in Einklang zu bringen.

    Ich muss sagen … leider ein totaler Reinfall!

    Positive Aspekte sind in diesem Film rar gesät und beschränken sich auf die guten Effekte sowie das äußert professionelle Zombie Make-Up. Zudem wird in diesem Film eine fliegende Guillotine als Waffe verwendet. Dies ist nicht nur eine nette Anekdote zur chinesischen Geschichte, sondern ebenfalls eine Hommage an die legendäre Filmreihe der „Shaw Brothers“ die den Namen dieser Waffe trägt. So sieht „Zombiology“ zwar durchaus schick aus, kann darüber hinaus allerdings nicht überzeugen. Die träge Story nimmt nur selten Fahrt auf und verstrickt sich in den endlosen Genres die Lo in diesem Film unterbringen wollte. Das Umschalten zwischen Anime und Realfilm, Familiendrama und Buddy-Komödie oder Teen Angst und Zombiefilm wirkt stets inhomogen. Dadurch geht nicht nur der Spannungsbogen der Geschichte völlig verloren, sondern ebenfalls die Kontrolle über das Tempo. Keine guten Voraussetzungen für die ohnehin schlecht geschrieben Charaktere.

    Gleichwohl möchte ich die Besetzung von jedweder Schuld freisprechen. Es ist unschwer zu erkennen, dass sich viele talentierte Schauspielerinnen und Schauspieler an diesem Projekt beteiligt und ihr bestes gegeben haben um ihren oberflächlichen Charakteren etwas mehr Tiefe zu verleihen. Insbesondere die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden älteren Figuren schafft es im Laufe des Films Empathie zu erzeugen, findet in diesem Genre-Durcheinander aber kein würdiges Ende. Es spricht für die fehlende Qualität dieses Films wenn ein gescheiterter Nebenstorystrang als positives Beispiel für Charakterbeziehungen hergenommen werden muss. Fest steht, die talentierte Besetzung hätte sich einen besseren Film verdient.

    Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

    Normalerweise kommt hier der Part an dem ich die guten sowie schlechten Eindrücke eines Films gegeneinander abwäge, hier aber treffen zu wenige „Fürs“ auf zu viele „Widers“. Die gute Effekte und das professionelle Make-Up können es nicht mit den unzähligen Schwächen aufnehmen. Der Großteil dieser Makel resultiert aus den Widersprüchen die in diesem Werk stecken. Es versucht ein rasanter Action Streifen zu sein, aber zieht sich durch gut die Hälfte seiner 107 Minuten Laufzeit wie ein Kaugummi. Es versucht Komödie und Drama miteinander zu vermischen, aber endet die ernsthaften Szenen mit einer lustigen und die lustigen Szenen mit einer ernsthaften Note. Es versucht sowohl in der Realität wie auch in der Surrealität zu bewegen, scheitert aber an der Umsetzung. Es versucht sowohl clever als auch kindisch zu sein, geht damit aber vollkommen an der Sache vorbei. Unter dem Strich bleibt: Dieses Werk versucht viel, ihm gelingt aber nur wenig.

    „Enjoy Yourself Tonight” ist der Zusatz des Filmtitels und könnte falscher nicht sein. Nein, amüsiert habe ich mich nicht. Vielmehr war es eine regelrechte 107 Minuten andauernde Tortur und ich musste mich zusammenreißen den Kinosaal nicht zu verlassen oder einfach einzuschlafen. Als großer Verehrer der Filmkultur aus Hong Kong und als Zombiefan ist dieser Film eine große Enttäuschung für mich. Weder ist er gut noch ist er schlecht genug um in Erinnerung zu bleiben. So gesehen stehen die Chancen gut, dass Los Debütwerk schon bald in Vergessenheit geraten wird. Sollte jemand Gefallen an diesem Film gefunden haben, freue ich mich für diese Person. Ich hingegen empfehle es niemanden sich „Zombiology: Enjoy Yourself Tonight“ anzusehen und erkläre ihn eines freitäglichen Filmabends UNwürdig.

    Habt ihr Interesse an Horror und Trashfilmen sowie anderer cineastischer Kleinodien, empfehle ich euch meinen englischsprachigen YouTube Channel zu besuchen. Dort bespreche ich mindestens einmal wöchentlich ein Filmjuwel aus meiner Sammlung:
    https://goo.gl/oYL4qZ
    Czpkg7FXAAEGrSW
    06.10.2017
    08:36 Uhr
    https://www.youtube.com/channel/UCgjBaox9BCi89vbfdMfABWg

    Eldritch Advice is a weekly show, where I talk about horror-, trash- and other movies and whether they are worthy of a Friday Movie Night or not.

    Re > Watched is a bimonthly show, where I talk about cult and pop cultural classics I have revisited.

    Infinite Interpretations pops up whenever I feel like it and is a show, where the topics are infinite and the interpretations are my own.