Bilder: Warner Bros, Amazon Studios Fotos: Warner Bros, Amazon Studios
  • Bewertung

    Jahrmarkt der Eitelkeiten

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Alle Jahre wieder kehrt Woody Allen zurück auf die Leinwand, zumindest mit seinen Filmen, denn die Jahre, in denen er selbst seine Hauptrollen spielte, sind mehr oder minder vorbei. Anstatt sich selbst zur Schau zu stellen, präsentiert er uns eine Kate Winslet in Höchstform - aber sonst nicht sonderlich viel.

    Woody Allen hat schon länger keine wirklich originellen Skripte mehr aus seinem verstaubten Stapel an Drehbüchern geholt. „Blue Jasmine“ könnte die letzte wirkliche Perle seiner Karriere gewesen sein. „Wonder Wheel“ ist es jedenfalls nicht. Zum zweiten Mal arbeitet er mit den Amazon Studios zusammen, zum zweiten Mal erlebt sein filmisches Schaffen einen Tiefpunkt. Seine für Amazon produzierte Serie „Crisis in Six Scenes“ mit Miley Cyrus enttäusche bereits Fans und solche, die es noch werden wollten. „Wonder Wheel“, ebenfalls mit einem Popsternchen im Cast, nämlich dem fehlbesetzten Justin Timberlake, ist ein würdiger Nachfolger Allens Unwürde.

    Kate Winslet spielt die unglückliche Ehefrau eines Karussellbetreibers (Jim Belushi), der unerwartet Besuch von seiner entfremdeten Tochter (gespielt von der bezaubernden Juno Temple) bekommt. Beide Frauen verlieben sich in denselben Rettungsschwimmer (Justin Timberlake). Der Plot weist viele Motive auf, die nur allzu typisch für Allens Filme sind, etwa unglückliche Ehen, Betrug, Ganoven und eine Moralfrage. Vom einstigen Meister der Komik ist mittlerweile allerdings wenig übrig. Clevere, amüsante Dialoge scheinen Geschichte. In „Wonder Wheel“ wird nur mit viel Pathos um den heißen Brei geredet. Was lustig sein soll, geht mit der Zeit unheimlich auf die Nerven. Davon lenkt auch die langweilige, vorhersehbare Story nicht ab, bei der wir eindimensionale, unehrliche Charaktere dabei begleiten, wie sie sich gegenseitig betrügen und belügen.

    Auch ästhetisch ging einiges daneben. Woody Allen dürfte selbst langsam gelangweilt davon sein, seit 1963 das gleiche zu machen. Schon in seinem letzten Film „Cafe Society“ durfte man Allens Lichtspielereien und -experimente beobachten. Da war es sogar ganz nett anzusehen. In „Wonder Wheel“ übertreibt er es aber damit. Kate Winslet sieht in jeder Szene so aus, als würde auf ihrem Kopf gerade ein Feuer ausbrechen. Das Licht wirkt übermäßig künstlich, verleiht dem Bild einen unerträglichen Kitsch und bringt Justin Timberlakes Make-Up fast zum Schmelzen.

    Etwas Lob gibt es allerdings für das Setting des Films. Der Stadtneurotiker kehrt wieder nach New York zurück, zumindest fast. Der Film spielt im Coney Island der 1950er, die Bilder am Strand sind farbenfroh und herrlich retro, genau wie die zur Schau gestellte Bademode dieser Ära. Hauptsächlich spielt der Film allerdings am Jahrmarkt, auf dem sich auch Kate Winslets kleines Häuschen befindet. Aus ihrem Schlafzimmerfenster sieht man das Riesenrad Wonder Wheel, nach dem der Film benannt ist. (Wilde Maus lässt grüßen). Wehmütig blickt Winslet aus eben diesem Schlafzimmerfenster und trauert besseren Zeiten hinterher. Damit ist sie zumindest nicht allein.
    stadtneurotikerin_948f8a00d1.jpg
    (Marina Ortner)
    28.10.2017
    17:47 Uhr