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  • Bewertung

    Erkenntnisreiche Debatte über die Zukunft des Planeten

    Exklusiv für Uncut von der Diagonale
    „Niemals zuvor war so viel Verantwortung in den Händen von so wenigen“, erklärt ein Teilnehmer des Klimagipfels zu Beginn. „Niemand darf bei dem Abkommen nein sagen“, legt eine weitere Teilnehmerin nach. Diese Feststellungen sind es, die sich wie ein roter Faden durch den Film ziehen. Es geht um alles oder nichts. Schaffen es die Weltstaaten diesmal, sich auf ein gemeinsames Klimaabkommen zu einigen, oder muss der Text abermals unfertig zurück in die Schublade gelegt werden, während die Länder weiter die Umwelt verpesten und der Meeresspiegel steigt.

    Sieben Monate haben sich der Regisseur Filip Antoni Malinowski und seine Crew auf die Dreharbeiten beim Klimagipfel vorbereitet. Die riesige Anlage, die verschiedenen regulierten Zutrittsbereiche und die Sicherheitsvorkehrungen nach den Hebdo Anschlägen in Paris machten die Abwicklung zu einem Wettlauf gegen die Zeit, die sich ständig ändernde Agenda und zu einer Herausforderung, in den Konferenzsälen filmen zu dürfen.

    Das Ausmaß der Veranstaltung spiegelt sich auch in den Anfangsbildern und den Zwischenschnitten wieder. Die Kamera fängt Räume und Durchgangszonen von enormer Größe ein. In Totalen sieht man Horden an Menschen, die Fußböden verlegen oder Sicherheitspersonal einschulen. Der Zuschauer erkennt, hier ist etwas Großes am Werk.

    Der Film selber besticht weniger durch seine Machart, die die üblichen Checkboxen einer Dokumentation abhakt. Da wären Eindrücke der Arbeit der Angestellten, die diese im Hintergrund erledigen, die Interviews am Seitenrand, während die Kamera die Person begleitet, die Voice Overs der Protagonisten, und die gelegentliche verpixelte Shaky Cam, die einen Hauch von Direct Cinema vermittelt. So wirkt es viel roher, viel unmittelbarer, wenn Secretary of State John Kerry seine Kollegen kurz vor Stunde null fragt, warum sie sich von Stellen im Text so bedroht fühlen.

    Auch wenn der positive Ausgang der Konferenz zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Films bereits bekannt ist, schaffen die Filmemacher doch eine gewisse Suspense zu kreieren, indem sie die LDC, die Least Developed Countries, die am härtesten vom Klimawandel betroffen sind, den reichen Nationen gegenüberstellen, die davon finanziell profitieren. So macht der Vertreter aus Bangladesch schon zu Beginn des Films sehr deutlich, dass Saudi-Arabien den Ölminister zu den Verhandlungen geschickt hat.

    Dass Malinowski sich auf die am schwächsten und am stärksten Betroffenen konzentriert ergab sich auch aus der Situation vor Ort. Die „Bad Guys“, die reichen Länder, wollten nicht vor die Kamera. Allein Australien schafft einen humoristisch traurigen Moment, als der Vertreter zu argumentieren versucht, dass die Umwelt von der „sauberen Kohle“, die Australien produziert und an Afrika verkauft, profitieren würde. Dass das Land von Teilnehmern der Konferenz gleich anschließend in einer Mock-Award Zeremonie „Fossil of the Day“ ausgezeichnet wird, lässt erahnen, welche ideologischen Gräben vor Ort geherrscht haben müssen.

    Insgesamt wirkt der Film im Jahr 2017 wie eine Zeitkapsel. Die Relevanz ist da, das Mitfiebern auch. Lediglich die Welt hat sich inzwischen weiterentwickelt. Wie auch die Macher in den Credits erklären, versuchen die USA unter Donald Trump derzeit die Klimapolitik wieder aufzuweichen. Somit ist der Film ein spannender, interessanter Einblick in den Ablauf der Konferenz, sowie ein Wiedersehen mit alten Bekannten wie Obama oder Cameron, die inzwischen die Politbühne verlassen haben. Durch seine Verankerung in einem konkreten Zeitpunkt im Kampf gegen den Klimawandel wirkt er jedoch etwas überholt. Das Problem Erderwärmung bleibt aber bestehen.
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    (Susanne Gottlieb)
    08.04.2017
    20:56 Uhr
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