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    Nicht ganz so phantastische Tierwesen und wie man eine Fortsetzung mit Storylines überfrachten kann

    Exklusiv für Uncut
    Im heutigen Blockbuster-Kino scheint es Gang und Gäbe geworden zu sein, beliebten Film-Franchises ab einem gewissen Punkt eigene Prequel-Filme zu widmen, die sich ausschließlich mit der Vorgeschichte bestimmter Figuren und Begebenheiten innerhalb der bereits etablierten Welt auseinandersetzen. Auch die beliebte „Harry Potter“-Reihe wurde mittlerweile schon vom Prequel-Wahn Hollywoods eingeholt. Ende 2015 erschien unter dem Titel „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ bereits der erste Teil der Prequel-Reihe im „Harry Potter"-Universum. Zunächst war die Reihe als Trilogie angelegt, wurde aber nach dem Erfolg des ersten Films noch um zwei weitere Teile erweitert. Diese Woche läuft nun die erste Fortsetzung der Prequel-Serie mit dem Titel „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ an, die abermals von Regisseur David Yates inszeniert wurde.

    Die Fortsetzung setzt ein paar Monate nach den Geschehnissen des Vorgängers an. Nach seiner Verhaftung am Ende des ersten Teils ist es dem dunklen Magier Gellert Grindelwald (Johnny Depp) mittlerweile gelungen aus der Gefangenschaft auszubrechen. Gemeinsam mit neugewonnenen Anhängern will er seine finsteren Pläne in die Tat umsetzen. Albus Dumbledore, der einst eine enge Freundschaft zu Grindelwald pflegte, bittet daher Newt Scamander (Eddie Redmayne) gegen Grindelwald vorzugehen und dessen Vorhaben zu unterbinden. Newt verschlägt es während seiner Suche nach Paris, wo er schon bald Unterstützung von seinen Freunden Tina, deren Schwester Queenie und dem No-Maj Jacob Kowalski (Dan Fogler) bekommt.

    Da zur „Fantastic Beasts“-Reihe im Gegensatz zu den „Harry Potter“-Filmen keine konkrete literarische Vorlage existiert, wurde das Drehbuch auch diesmal wieder von niemand anderem als J.K. Rowling höchstpersönlich geschrieben. Dass Rowling abermals selbst das Drehbuch zum Film verfasste, stellt sich jedoch als große Fehlentscheidung heraus. Auch wenn Rowling zweifelsohne eine tolle Roman-Autorin ist, beweist dieser Film eindrücklich (noch weit mehr als in Teil 1), dass Film und Buch zwei völlig unterschiedliche Medien sind und Rowling momentan leider nur letzteres zu beherrschen scheint.

    Rowlings Drehbuch ist ein guter Beweis dafür, dass mehr nicht immer automatisch besser sein muss. Anstatt sich primär auf einen Hauptplot zu fokussieren, verliert sich der Film andauernd in viel zu vielen Nebengeschichten und Flashbacks, die oft wenig mehr als nur billigen Fan-Service bieten. Dabei gibt es stets interessante Ansätze wie beispielsweise eine genauere und deutlich spannendere Auseinandersetzung mit der Figur des Credence und dessen Beziehung zur noch menschlichen Version von Nangini, die den meisten noch als die Schlange von Lord Voldemort aus der Harry Potter-Reihe geläufig sein dürfte. Die durchaus interessanten Momente, von denen es nicht zu wenige gibt, werden aber leider zu oft von anderen Handlungsebenen durchbrochen, die den Film qualitativ runterziehen.

    War der Comic-Relief, der von der Figur des No-Maj Jacob Kowalski und dessen Beziehung zur exzentrischen Magierin Queenie ausgeht, im ersten Teil noch sehr charmant und amüsant, wurden deren Charaktere diesmal lieblos in den Hintergrund gerückt und können in der Fortsetzung leider nur noch sporadisch unterhalten.

    Auch die Darstellerriege wirkt im zweiten Teil oft ein wenig unterfordert. Lediglich zwei Darsteller können aus der eher unterkühlten Besetzung so richtig herausstechen. Johnny Depp zeigt sich in schauspielerischer Höchstform, in der man ihn schon seit Jahren nicht mehr erleben durfte und geht in der sinistren Figur des Grindelwalds komplett auf. Auch Jude Law schafft es in große Fußstapfen zu treten und macht als junger Albus Dumbledore eine durchaus solide Figur.

    Immerhin auf technischer Ebene weiß die Fortsetzung weitestgehend zu überzeugen. Während sich der Vorgänger einer Vielzahl halbgarer CGI- und Greenscreen-Effekte bediente, wirken die visuellen Effekte in Teil 2 weit ausgereifter und wurden diesmal öfter mit echten Locations kombiniert als mit artifiziellen Greenscreen-Hintergründen. Dadurch schafft es der Film szenenweise sogar mit Momenten visueller Brillanz zu bestechen.

    Am Ende des Tages lässt sich sagen, dass „Pantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ keineswegs ein schlechter Film geworden ist. Nein, er ist sogar schwer in Ordnung und bietet einige Pluspunkte. Als Teil des „Harry Potter“-Universums bleibt der Film jedoch stark hinter den Möglichkeiten zurück und steht als der bisher vermutlich schwächste Eintrag da. Zu viel ist nicht immer besser!
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    (Christian Pogatetz)
    15.11.2018
    20:04 Uhr