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  • Bewertung

    WW2-Romanze mit authentischen Kulissen

    Exklusiv für Uncut
    Vielen Cineasten dürfte der Name Robert Zemeckis ein Begriff sein: Der US-amerikanische Filmemacher schuf in den 80er-Jahren mit der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie drei der bis heute beliebtesten und meist-referenzierten Komödien aller Zeiten. Mit kultigen Figuren, wie Marty McFly und Doc Brown kreierte Zemeckis ein eigenständiges Universum und konnte sein Gespür für originelle und charmante Komik unter Beweis stellen. Mit der Krimikomödie „Who Framed Roger Rabbit“ (1988) konnte er wenige Jahre später einmal mehr sein Talent für kreative Slapstick-Konzepte zeigen und machte aus dem Ganzen eine eindrucksvolle und zur damaligen Zeit innovative Mixtur aus Real- und Trickfilm. Je älter Zemeckis wurde, desto mehr entfernte er sich vom Comedy-Bereich hin zu Film-Dramen und inszenierte somit ebenso populäre Filme, wie unter anderem „Forrest Gump“ (1994) oder „Cast Away“ (2000). Diese Entscheidung war jedoch kein Glücksgriff, denn authentisches Drama war zumindest in meinen Augen nie eine besonders große Stärke von ihm. Egal ob nun die beiden vorhin genannten Werke oder neuere Streifen, wie „The Walk“ (2015): Es handelt sich bei all jenen um gut gemachte und oft unterhaltsame Filme, die jedoch in ihren ernsten Momenten einseitig erzählt und emotional manipulativ wirken. Mit seinem neuesten Werk „Allied“, einem Zweiten-Weltkriegs-Thriller mit romantischem Einschlag, ändert sich dieser Umstand leider nur bedingt.

    Erzählt wird die Geschichte des Kanadiers Max Vatan (Brad Pitt), der im Jahre 1942 als Spion für die Alliierten tätig ist und in Marokkos Metropole Casablanca einen Auftrag zu erledigen hat: den deutschen Botschafter in Marokko töten. Dort angekommen trifft er auf die französische Widerstandskämpferin Marianne Beausejour (Marion Cotillard), die denselben Auftrag erhalten hat, weswegen beide den Deutschen gegenüber ein Ehepaar mimen. Es dauert jedoch nicht lange und schon entwickelt sich zwischen ihnen wahre Liebe. Was Max zunächst jedoch nicht ahnt: Marianne behält ein großes Geheimnis für sich.

    Zu Beginn des Films schafft es Zemeckis zunächst ohne große Gefühlsduselei gekonnt die beiden Hauptcharaktere vorzustellen und überrascht dabei mit authentischen, zwischenmenschlichen Konversationen zweier einsamer Individuen. Besonders eindrucksvoll ist dabei Marion Cotillards mysteriöse und faszinierende Darstellung der Marianne Beausejour. Je mehr der Film aber zur Liebesgeschichte avanciert, desto unauthentischer und aufgesetzter wirkt die ganze Dramaturgie. Besonders in den letzten zehn Minuten driftet das Ganze in dermaßen forciert wirkende kitschige Gefilde ab, sodass der Zuschauer keine wirkliche emotionale Bindung mehr zu den Charakteren aufbauen kann. Dies ist vermutlich auch auf leichtes Overacting seitens Brad Pitt zurückführen.

    Auf ästhetischer Ebene weiß der Streifen jedoch durchwegs zu überzeugen. Im Gegensatz zu seinen letzten technischen Experimenten, verzichtete Zemeckis hier in den meisten Szenen auf Computereffekte und verwendete authentische Kostüme und sehr detailliert gestaltete Sets, die uns auf eine Reise zurück in die 1940er-jahre schicken. Hervorzuheben wäre hierbei noch die hervorragende Kameraarbeit von Don Burgess, dessen wunderschöne Wüstenaufnahmen zu Beginn des Films einem besonders gut im Gedächtnis bleiben.

    Somit lässt sich insgesamt sagen, dass Robert Zemeckis‘ „Allied“ zwar auf emotionaler Ebene nach einiger Zeit entgleist und dadurch einen pathetischen Nachgeschmack bekommt, jedoch durch schön gestaltete Kulissen, sowie insgesamt guten Performances zu überzeugen weiß. Wer mit Zemeckis‘ letzten Dramen etwas anfangen konnte, wird auch hierbei seine Freude haben.
    chros
    (Christian Pogatetz)
    11.01.2017
    09:13 Uhr