Bilder: Universal Pictures International Fotos: Universal Pictures International
  • Bewertung

    Das Ende einer Bond-Ära

    Exklusiv für Uncut
    Lang ist's her, da wurde „No Time to Die“, Daniel Craigs fünfter und offiziell letzter Einsatz als Agent 007, erstmals angekündigt. Ein Regiewechsel und mehrfache pandemiebedingte Verschiebungen ließen den Film aber unter keinen guten Stern stehen. Das Produktionschaos soll nun aber vorüber sein: fast zwei Jahre nach dem ursprünglich geplanten Starttermin läuft das insgesamt 25. Bond-Abenteuer endlich weltweit in den Kinos an. Ob sich der fertige Film sehen lassen kann? Dazu gleich mehr.

    Zunächst aber: worum geht es diesmal denn überhaupt?

    Daniel Craigs finaler 007-Streifen setzt fünf Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers „Spectre“ an und zeigt einen zu Beginn entspannten Bond, der den aktiven Dienst beim MI6 quittiert hat und mittlerweile auf Jamaika verweilt. Doch die Ruhe währt nicht lange und schon steht ein neuer Auftrag vor der Tür: Felix (Jeffrey Wright), ein ehemaliger Bekannter von der CIA, bittet den Agenten darum, einen entführten Wissenschaftler ausfindig zu machen und zu befreien. Auf seiner Reise laufen Bond neue und alte Bekanntschaften über den Weg: so kommt es zu einem Treffen mit der MI6-Agentin Nomi (Lashana Lynch) und mit seiner einstigen Geliebten Madeleine (Léa Seydoux) hat der Martini-liebende Casanova auch noch ein Hühnchen zu rupfen. Die wahre Gefahr lauert unterdessen doch im Hintergrund: der geheimniskrämerische Lyutsifer Safin (Rami Malek) plant mittels moderner Technologie, die Weltbevölkerung radikal zu dezimieren.

    Die Qualität der vorherigen Bond-Filme aus der Craig-Ära schwankte stark. Während „Casino Royale“ und „Skyfall“ vielerorts als zwei der gelungensten Beiträge im 007-Kosmos gehandelt werden, waren „Spectre“ und vor allem der verrufene „Ein Quantum Trost“ für viele Fans eine bittere Enttäuschung. Und auch wenn „No Time to Die" nicht die Höhen der zwei eben genannten Bond-Meisterstücke erreicht, lässt sich das Action-Abenteuer trotzdem als ehrwürdiger Abschluss des Craig-Zyklus betiteln. Gerade die Wahl des Regisseurs erweist sich in diesem Fall als großer Glücksgriff. Ursprünglich hätte Oscar-Preisträger Danny Boyle („Slumdog Millionaire“, „Trainspotting“) den Blockbuster inszenieren sollen, gab das Regiezepter wegen kreativer Differenzen aber an den gefeierten Serien- und Indie-Regisseur Carey Joji Fukunaga (u.a: „True Detective“ - S1, „Beasts of No Nation“) weiter. Fukunaga inszeniert Craigs finales Bond-Abenteuer als furioses Actionspektakel, das mit technischer Finesse auftrumpft. Die in satten Farben getränkten Bildkomposition von Kameramann Linus Sandgren („La La Land“, „First Man“) verleihen der Action eine angenehme Dynamik und Greifbarkeit. Eine imposant choreografierte Plansequenz aus dem finalen Drittel bleibt besonders im Gedächtnis hängen.

    Plottechnisch rückt der Film die Romanze zwischen Bond und der französischen Psychologin Dr. Madeleine Swann in den Vordergrund. Teilweise bewegt sich der Actioner gar in die Gefilde eines Melodramas, vergisst im Vergleich zu vielen Blockbustern aber nicht auf die wichtigste Zutat: Aufrichtigkeit. Hier handelt es sich um einen unerwartet emotionalen und wehmütigen Bond, dem einige wahrlich berührende Momente innewohnen. Daniel Craigs wohl beste Schauspieldarbietung als Doppel-0-Agent tut dafür das Übrige.

    Auch der Rest der Besetzung kann glänzen. Lashana Lynch überzeugt mit beeindruckender Körperbeherrschung und ausdrucksstarker Mimik. Die oft deplatzierte Theatralik eines Rami Malek passt in diesem Fall wie angegossen zu seiner Rolle des kauzigen Bösewichts, der mit Maske und vernarbten Gesicht auftritt. Auch der kubanische Shooting-Star Ana de Armas („Knives Out“, „Blade Runner 2049“) macht in einer denkwürdigen Szene eine ausgesprochen gute Figur. Im Hintergrund liefern derweil alte Bekannte wie Ralph Fiennes als M, Ben Whishaw als Q oder Naomie Harris als Moneypenny gewohnt gute Arbeit ab.

    Ganz ohne Schwächen kommt James Bonds neuester Leinwand-Auftritt aber gewiss nicht aus. Nein, gerade im minimal überladenen Mittelteil werden die Längen des 163-minütigen Hollywood-Blockbusters deutlich spürbar. Ein kleiner Griff zur Schere hätte in manchen Momenten Wunder bewirkt. Auch der feministische Neuanstrich, den sich manche durch die Drehbuch-Beteiligung von Emmy-Preisträgerin Phoebe Waller-Bridge („Fleabag“, „Killing Eve“) erwünscht hatten, bleibt leider aus. Frauenfiguren werden hier zwar mehr denn je in die Action involviert, aber dennoch fehlt es vielen der weiblichen Charaktere weiterhin an glaubhafter Dreidimensionalität.

    Trotz aller Schönheitsfehler lässt sich das finale Kapitel in Daniel Craigs Bond-Zyklus als überaus gelungen bezeichnen. Ein 007, wie er im Buche steht: actiongeladen, keck, sexy und ungemein melancholisch. Die Ära Craig mag zu Ende gegangen sein, doch bei der Qualität gibt es für das Franchise noch lange keinen Grund zu sterben.