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  • Bewertung

    Sehr gelungene Frischzellenkur für einen sensiblen Klassiker

    Exklusiv für Uncut
    Es war im Jahre 1991, als Walt Disney seine Version des weltweit bekannten Märchens mit der Schönen und dem Biest ins Kino brachte und dabei die Herzen der Kinobesucher im Sturm eroberte und durch den großen Erfolg zugleich – so nebenbei – für eine ganze Reihe von starken Frauenfiguren in der Hauptrolle vieler folgender Animationsfilme die Bahn ebnen konnte. Wäre die Geschichte rund um die junge Belle, die sich nicht so einfach vom prächtigsten Kerl ihres kleinen Dorfes heiraten und an Haus und Herd ketten lässt, kein so großer Erfolg geworden, hätten wir vielleicht noch Pocahontas, aber sicherlich nicht mehr Mulan oder ihre jüngeren Nachfolgerinnen wie Moana kennen und lieben gelernt. Mit ihrer zärtlich erzählten und zugleich musikalisch schwungvoll begleiteten Interpretation des Klassikers gelang es den Produzenten auch zum ersten Mal in der Geschichte der Oscars, mit einem Animationsfilm in der Kategorie „Bester Film“ nominiert zu werden. Geworden sind es dann schließlich die zwei offensichtlichsten Auszeichnungen, nämlich der Oscar für die beste Musik und den besten Song an Alan Menken und seinen Songwriter Howard Ashman, mit dem er bereits beim Vorgänger „Arielle, die Meerjungfrau“ Oscar-erfolgreich zusammengearbeitet hatte.

    Nun, 26 Jahre später, war es offenbar an der Zeit, die Geschichte noch einmal zu erzählen, diesmal aber nicht mehr als Animations- sondern als Spielfilm mit gewöhnlichen Schauspielern aus Fleisch und Blut. Eine große Herausforderung für das gesamte Ensemble, galt es doch, die Stimmung und den Tonfall des Originals zu erhalten und aus der Geschichte zugleich doch auch etwas Neues zu machen. Unter der Regie von „Twilight“-Regisseur Bill Condon galt es daher, die Fans von damals, die inzwischen älter geworden sind, noch einmal in die Welt von Belle, Gaston, Herrn Unruh und dem gesamten verzauberten Inventar des Märchenschlosses zu entführen und zugleich auch die inzwischen neu geborenen Kinofans für den Klassiker zu gewinnen. Dabei ließ man ganz offensichtlich nichts anbrennen: angefangen bei der bezaubernden, bildhübschen und zugleich selbstbewusst-emanzipierten Emma Watson als Belle über den herrlich melancholischen und zugleich witzigen Dan Stevens als Biest bis hin zu den vielen großen Stars in zahlreichen Nebenrollen zündet der Film ein Feuerwerk, das wirklich jedem Geschmack und zugleich auch jedem Anspruch gerecht wird.

    Sehr geglückt sind auch die neu hinzu gekommenen Musikstücke aus der Feder von Alan Menken und Tim Rice (der für den bald nach der Fertigstellung des Originals aus dem Jahre 1991 an AIDS verstorbenen Howard Ashman die Songtexte übernahm). Ohne letzten Endes an die Ohrwürmer von damals heran zu reichen geben sie der Geschichte dennoch eine deutlich spürbare, angenehme Tiefe und erweitern die Facetten des Soundtracks auf eine sehr positive Weise. In Punkto Ausstattung und Kostüme sehen wir hier wohl schon jetzt den großen Favoriten für die Oscars 2018 und wie schon viele andere Filme setzt der Film zwar auf 3D, käme jedoch ganz problemlos auch ohne 3D aus, bietet er doch nur sehr wenige Szenen, in denen der Effekt wirklich spürbar ist. Die wunderschönen Bilder und bunten Choreografien wirken sicherlich auch in 2D immer noch gleich gut und vor allem die dunkleren Sequenzen verlieren durch das 3D an Kontrastschärfe.

    Fazit: nicht nur die, die den „alten“ Klassiker liebten, sondern auch jene, die sich die bekannte Geschichte aus einer neuen Perspektive anschauen wollen, werden mit dem Film ohne jeden Zweifel eine echte Freude haben, seien sie Romantiker ebenso wie Feministinnen oder einfache Märchenfreunde. Nur für die kleinen Kinozuschauer unter 10 Jahren wird die Tür zum verzauberten Schloss, um das es im Juni schneit, diesmal wohl eher verschlossen bleiben müssen, gibt es doch zahlreiche düstere und sehr realistisch inszenierte Kampfszenen mit Wölfen, die sehr stark an jene in „Twilight“ erinnern und auch das große Finale gegen Ende entbehrt nicht so mancher wenig Kleinkindertauglichen Sequenz. Zudem gibt es eine ganze Reihe von herrlich komischen Gay-Gags im ganzen Film, die man aber wohl erst ab einem gewissen Alter wirklich verstehen kann.
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    (Dr. Markus Löhnert, MA)
    18.03.2017
    12:50 Uhr
    Draco dormiens nunquam titillandus.
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